03.12.2008

Autor*in

Thomas Mersich
studierte Musik- und Theaterwissenschaft sowie Kulturmanagement an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Er ist Gründer und Miteigentümer vom Musikverlag Mersich & Kiess Wien. Als Marketing Manager war er bei den Haydn Festspielen Eisenstadt tätig, beim Liszt Festival Raiding und für das Liszt-Jahr Lisztomania 2011.
Interview

Kunstsponsoring - Preisverleihung

Das unabhängige Wirtschaftskomitee "Initiativen Wirtschaft für Kunst" (IWK) vergab heuer bereits zum zwanzigsten Mal gemeinsam mit dem ORF und Unterstützung der Wirtschaftskammer Österreich den österreichischen Kunstsponsoringpreis "MAECENAS 2008" im Rahmen des künstlerisch kulinarischen ImperialKunstSalons im Wiener Hotel Imperial. Korrespondent Thomas Mersich war dabei und sprach mit der IWK-Geschäftsführerin Mag. Brigitte Kössner-Skoff.
KM Magazin: Frau Brigitte Kössner-Skoff: 20 Jahre Initiativen Wirtschaft für Kunst, 20 Jahre MAECENAS. Welche Bedeutung haben die IWK und der MAECENAS für die österreichische Kunst & Kulturszene?

Brigitte Kössner-Skoff: Die Initiativen Wirtschaft für Kunst wurden 1987 von Martin Schwarz nach dem Muster der international verankerten Business Committees for the Arts gegründet und ist eine unabhängige Vereinigung von Unternehmen und Wirtschaftstreibenden, die sich zum Ziel gesetzt hat, sinnvolle Wege der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kunst aufzuzeigen und zu beschreiten. Ziel der IWK ist es, Kultursponsoring zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur in der Wirtschaft zu machen. Mit dem Engagement der IWK für eine größere Akzeptanz des Kultursponsorings in der Wirtschaft und der Öffentlichkeit wollen wir langfristig dazu beizutragen, den Weg für einen attraktiven Kulturstandort Österreichs zu ebnen sowie Kunst und Kultur als Wirtschaftsfaktor mehr Bedeutung beizumessen. Die IWK analysieren seit nunmehr 20 Jahren das aktuelle Kunst- und Kultursponsoringgeschehen im In- und Ausland und zeigen Trends und Entwicklungen auf: Kunst und Kultur sind auch in Österreich weiter im Aufschwung begriffen: Die Investitionen im Bereich Kunst & Kultur haben sich seit 1989 versechsfacht. Das Kunstsponsoringvolumen der österreichischen Wirtschaft wird von den IWK auf ca. 43 Millionen Euro geschätzt, wobei ein beträchtlicher Teil der getätigten Sponsoringleistungen über Sachsponsoring oder Know-How Transfer erfolgen. Unter dessen Einbeziehung wäre das Unterstützungsvolumen um etwa ein Drittel höher. Die österreichweite Recherche zu aktuellen Kunstprojekten wird jährlich im Österreichischen Sponsoringführer dokumentiert, der als Unterstützung bei der Suche nach Sponsoren für die Kunstszene zum wichtigen Hilfsmittel geworden ist.

KM: Ist der Jury die Entscheidung bei der heurigen MAECENAS Preisvergabe leicht gefallen?

BK: Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen, denn der neue Einreichrekord mit 202 Projekten zeigt, dass die Unternehmen verstärkt Kunst und Kultur fördern und das Kunst- und Kultursponsoring in Österreich weiter an Bedeutung gewinnt. Die Einreichungen beinhalten eine Reihe unterschiedlicher Projekte: vom klassischen Sponsoring über Sachsponsoring, Know-How-Transfer bis zu innovativen Projekten im Bereich der Wissenschaft und Kunst. Verstärkt widmen sich auch Klein- und Mittelbetriebe dem Sponsoring. In dieser Kategorie wurden alleine 120 Projekte eingereicht.

KM: Die IWK setzt sich für eine Verbesserung der steuerlichen Situation beim Kunstsponsoring ein.
Wird die IWK in der kommenden Zeit hier eine Verbesserung für Sponsoren durchsetzen können?

BK: Die IWK waren von der Gründung an bemüht, auf die Notwendigkeit einer gut geregelten steuerlichen Absetzbarkeit hinzuweisen. Schon im Jahr 1994 wurde das Steuerthema einem ganzen Symposium gewidmet, an dem die damaligen Kultursprecher aller Parteien teilnahmen. Auch erarbeiteten die IWK für die Wirtschaftskammer Österreich damals erstmals einen Steuerleitfaden für Kunstförderung. Heutzutage wird der Ruf des Staates nach neuen Sponsoren immer lauter. Hier müssen jedoch erst die notwendigen gesetzlichen Vorraussetzungen geschaffen werden, um das Instrument Sponsoring für die Wirtschaft interessanter zu machen. Die IWK plädieren schon seit Jahren für einen transparenteren Sponsoringerlass, für die generelle Absetzbarkeit von Spenden, die Absetzbarkeit des Kunstankaufs und aktuell natürlich auch für eine Überarbeitung des Antikorruptionsgesetzes.

KM: Apropos Antikorruptionsgesetz: Viele prominente Kulturmanager weltberühmter Kulturinstitutionen wie z.B. der Generalsekretär des Wiener Musikverein Thomas Angyan, der Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder und sogar die Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler beklagen in den Medien das Abspringen großer Sponsoren aufgrund des Antikorruptionsgesetzes. Aufgrund der Geringfügigkeitsgrenze von 100 Euro traut sich keine Firma mehr hohe Beamte, Manager staatsnaher Unternehmen oder prominente Politiker zu Festspielen einzuladen, da sie sich sonst der Bestechung schuldig machen würden und schlimmstenfalls Strafen bis zu fünf Jahren Haft riskieren müssten. Wie wird sich das Gesetz in den kommenden Jahren auf die Sponsoringszene auswirken?

BK: Das Gesetz muss dringend überarbeitet werden. Sponsoren müssen die Sicherheit haben, Personen ihrer Wahl zu den jeweiligen Veranstaltungen einladen zu dürfen.

KM: Kunstsponsoring hat sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit erfreut. Wie wird es in Zeiten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise weitergehen?

BK: Im Angesicht der aktuellen Finanzkrise sollte gerade jetzt der Staat für Sponsoren die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen bzw. ausdehnen. Dennoch wird der Bereich der Spendenaufbringung sehr schnell betroffen sein. Sollte es zu einer lang anhaltenden Finanzkrise kommen, so wird sich dies auch im Bereich des Sponsorings auswirken, wobei dies erst in ca. ein bis zwei Jahren spürbar sein wird, da viele Sponsoringverträge noch bestehen und ihre Gültigkeit haben. Trotz aller Krisenstimmung: Es wird zunehmend für Unternehmen interessant, künstlerisches Schaffen in das Unternehmen zu integrieren und neue kreative Sponsoringformen so zu entwickeln, dass sie auf der einen Seite dem Sponsor eine neue Originalität sichern und auf der anderen Seite der Kunst neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.


MAECENAS 2008

164 Unternehmen bewarben sich heuer mit insgesamt 202 Projekten für den österreichischen Kunstsponsoringpreis MAECENAS 2008, der am 25. November im Rahmen der MAECENAS-GALA 2008 im Wiener Hotel Imperial an die Preisträger vergeben wurde. Die begehrten Trophäen, heuer gestaltet von Christian Kvasnicka, haben rein ideellen Charakter und sind mit keiner finanziellen Dotierung verbunden. Sie wurden in vier verschiedenen Kategorien überreicht, wobei nach Angaben der Jury ausschließlich die Kriterien Qualität, Innovationskraft und Kreativität maßgebend sind.

DIE GEWINNER

In Kategorie I Einsteiger ging der Preis an das Projekt Baloise Kunstpreis MUMOK der Basler Versicherungs-AG, die sich erstmalig in Österreich im Bereich der Kunstförderung engagiert. In Kategorie II Klein- und Mittelbetriebe konnte sich die Schlossgärtnerei Wartholz mit dem Literatursalon und Literaturwettbewerb Wartholz durchsetzen. Augrund ihrer 40jährigen Sponsorpartnerschaft mit den Wiener Festwochen ging der Preis in Kategorie III Projekt an die Casinos Austria AG. Mit dem besten Kunstsponsoring in Kategorie IV Kunst & Medien wurde die EPAMEDIA Europäische Plakat- und Außenmedien GmbH für ihre Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien im Rahmen einer crossmedialen Außenwerbekampagne für die Ausstellung 100 Jahre Venus von Willendorf ausgezeichnet.

MAECENAS in Zahlen

Das genannte Gesamtbudget der eingereichten Kunstsponsoring-Projekte zum Maecenas 2008 belief sich auf rund 9,3 Millionen Euro. Budgetmäßig stärkste geförderte Kunstrichtung war die Musik mit 2,79 Millionen Euro, gefolgt von der Bildenden Kunst mit 1,98 Millionen Euro, der Darstellenden Kunst mit 1,27 Millionen Euro und den Festivals mit 1,18 Millionen Euro. Bei 50% der Projekteinreichungen waren keine Budgetangaben vorhanden. Seit dem Jahr 2000 wurden Projekte mit einer Gesamtsumme von ca. 60 Millionen Euro eingereicht. Mit der 20. Vergabe des Österreichischen Kunstsponsoringpreises Maecenas haben über 2.070 Unternehmen insgesamt 2.954 Projekte eingereicht.

Das Interview vor Ort führte Mag. Thomas Mersich, Korrespondent, Eisenstadt (A)
Email: tm (at) kulturmanagement.net