22.07.2008

Autor*in

Veronika Schuster
ist ausgebildete Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin. Sie hat mehr als 10 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Kuratorin für verschiedene Ausstellungsprojekte und Kultureinrichtungen (u.a. Museum Georg Schäfer, Klassik Stiftung Weimar, Marion Ermer Stiftung) gearbeitet. Nebenbei arbeitet sie als Lektorin und Projektleiterin für unterschiedliche Publikationsformate.
Management einer Kulturstiftung

Zwischen Bottom-Up und Top-Down

Kulturmanagement Network befragte den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger, zu seiner Definition des Arbeitsfeldes als Manager einer Kultureinrichtung. Er spricht über notwendige Fähigkeiten einer Führungskraft, sein eigenes Rollenverständnis und kommende Vorhaben der Stiftung.
KM Magazin: Herr Prof. Parzinger, im Management von Organisationen müssen Führungskräfte täglich unterschiedlichste Rollen mit dementsprechenden Verantwortungsbereichen ausfüllen können. Wie definieren Sie Ihr Arbeitsfeld als "Manager" in der größten deutschen Kulturstiftung, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz? Worauf legen Sie dabei Ihr Hauptaugenmerk?

Prof. Dr. Hermann Parzinger: Als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) zeichnet man verantwortlich für die großen Strukturen und Zielvorgaben und deren Vermittlung nach innen wie nach außen. Angesichts der großen Teileinrichtungen der SPK kann es nicht darum gehen, in die einzelnen Häuser hineinzuregieren, doch es ist wichtig, mit den GeneraldirektorInnen und DirektorInnen gemeinsam Ziele für die zukünftige Weiterentwicklung der Teileinrichtungen wie der Stiftung als Gesamtheit zu definieren und dann auch zu realisieren. Nach innen hin halte ich deshalb das bottom-up-Prinzip ebenso wichtig wie das top-down, denn jeder Betrieb lebt vom Engagement und vom Grad der Identifikation seiner MitarbeiterInnen. Nach außen hin muss die SPK als gut organisierte, dynamische und zukunftsgewandte Kultureinrichtungen sichtbar gemacht werden, gegenüber der Öffentlichkeit, aber auch gegenüber der Politik und den Unterhaltsträgern. Dies geht nicht nur über Veranstaltungen, die herausragend sind und große Aufmerksamkeit erregen, sondern hier geht es auch um Imagebildung und Markenmanagement. Die SPK muss als Marke ein klares Profil und deutliche Sichtbarkeit erreichen; daran arbeiten wir ganz besonders, aber es ist nur ein Aspekt eines umfangreichen Arbeitsfeldes.

KM: Welche Fähigkeiten eines Managers werden in Ihrer Position am meisten gefordert?

HP: Schnelles Eindenken in die unterschiedlichsten Frage- und Problemstellungen, zügige und zugleich wohlbegründete Entscheidungsprozesse, nach innen eine Mischung aus Transparenz und klarer Ansage und nach außen eine gelungene Kombination aus Diplomatie und Überzeugungskraft.

KM: In dieser Position müssen Sie täglich eine Balance zwischen den Herausforderungen und den Erwartungen von Innen- und Außenwelt Ihrer Institution finden. (u.a. Kulturpolitik, Öffentlichkeit, Geldgeber, Wünsche und Anforderungen der Mitarbeiter und Gremien) Welche Strategien haben Sie, um diese Balance halten zu können?

HP: Neben dem bereits Gesagten, das wichtige Teile einer Gesamtstrategie umschreibt, kommt es darauf an, erfolgreich zu sein. Erfolg zu haben, das heißt für mich zunächst schon einmal, Innen- wie Außenwelt davon überzeugen zu können, dass die Ziele und die Wege zu ihrer Realisierung von beiden Seiten als richtig anerkannt und dann auch mitgetragen werden. Es ist dabei wichtig, Anregungen von innen wie außen aufzugreifen und wenn sie sinnvoll sind auch einzubeziehen. Darüber hinaus ist es aber unerlässlich, dass man an einmal eingeschlagenen Wegen keinen Zweifel aufkommen lässt. Wankelmütigkeit ist schädlich, Mut und Fähigkeit zu einer begründeten Korrektur darf dies aber nicht ausschließen, die Gründe dafür sind dann aber auch zu vermitteln.

KM: Derzeit kann man besondere Krisen großer Wirtschaftsunternehmen in Deutschland beobachten (Siemens, Deutsche Telekom, Banken). Aus Ihrer Sicht als Führungskraft einer großen Kulturinstitution: Was könnte die Wirtschaft und deren Manager von der Kultur lernen?

HP: Um diese Frage kompetent beantworten zu können, müsste ich mehr über die Innenwelten großer Wirtschaftsunternehmen wissen, deshalb möchte ich mich hier kurz fassen. Für ganz entscheidend halte ich: Im Vordergrund müssen die Inhalte stehen, von den Inhalten ausgehend müssen Strategien für die tägliche Arbeit und auch zur Erreichung der Ziele entwickelt werden, nicht umgekehrt. Darüber hinaus sind Transparenz und kooperative Führungskultur vielleicht in Kulturinstitutionen etwas stärker ausgeprägt.

KM: Wie wird oder muss sich die Stiftung nach Ihren Vorstellungen in den nächsten Jahren verändern?

HP: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird in den kommenden Jahren ihre Präsenz als Marke SPK stärken, sie wird auch deutlicher als Einheit nach außen hin auftreten, und zwar als eine Kultureinrichtung, die ihre Einzigartigkeit aus der Verbindung von Museen, Bibliotheken, Archiven und Forschungsinstituten bezieht. Künftig wird es entscheidend sein, diesen in der SPK vereinten Kosmos des Wissens über ein entsprechendes Stiftungsportal spk-digital erschließbar und erfahrbar zu machen ein Portal, das den Zugang zu den virtuellen Bibliotheken und digitalen Datenbanken der SPK-Einrichtungen ermöglicht. Wir werden ferner das Profil der SPK an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kultur auf der einen und Wissenschaft und Forschung auf der anderen Seite schärfen, indem wir die an der SPK betriebene Forschung stärken und besser sichtbar machen. Ganz entscheidend sind hierfür Kooperationen und strategische Partnerschaften mit anderen Wissenschafts- und Kultureinrichtungen in Deutschland und weltweit. Die internationale Zusammenarbeit ist eine weitere wichtige Zukunftsaufgabe, ob China, Golf-Region oder anderswo, aber die Häuser der SPK werden sich hier mit deutschen Partnereinrichtungen zukünftig stärker in der auswärtigen Wissenschaftspolitik einbringen müssen. Und zuletzt sind zukunftsweisende Konzepte für Fundraising, Sponsoring und Rechteverwertung zu entwickeln, weil die SPK auch im Merchandising-Bereich erfolgreicher wird arbeiten müssen.

KM: Herr Prof. Dr. Parzinger, vielen Dank für das Gespräch!
 
 
 
HERMANN PARZINGER geboren 1959 in München, ist ein deutscher Prähistoriker und Spezialist für die Kultur der Skythen. Er studierte in München, Saarbrücken und Ljubljana (Slowenien). Seit dem 1. März 2008 leitet er als Präsident die Stiftung Preußischer Kulturbesitz; zuvor war er bis Februar 2008 Präsident des Deutschen Archäologischen Institutes in Berlin. In seiner Tätigkeit als Archäologe führte er zahlreiche Ausgrabungen durch, u.a. im Iran, in Russland,
Kasachstan, Spanien und der Türkei.
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