20.01.2016

Autor*in

Nicole Schwarz
KM Kolloquium

Ein guter Auftakt: Die Kulturmanagement-Pioniere aus dem Saarland

Seit dem Wintersemester 2014/15 bietet die Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes (htw saar) den Masterstudiengang Kulturmanagement an. Die Idee zur Etablierung eines Kulturmanagementstudiengangs entstand an der Hochschule für Musik Saar (HfM Saar), der es ein besonderes Anliegen war, ihren AbsolventInnen im Anschluss an ihr Bachelorstudium eine solide kaufmännische Ausbildung bieten zu können. Denn gerade angehende Künstler sind sich immer mehr darüber bewusst, dass sie den Spagat zwischen Kreativität und Sicherung ihres Auskommens meistern müssen, um später auch von ihrer Kunst leben zu können.
Egal, ob sie selbstständig arbeiten oder eine leitende Position in einem Kulturbetrieb übernehmen: das Wirtschaften mit knappen Mitteln bleibt eine unausweichliche Kernherausforderung, auf die sie in ihrem künstlerischen Studium nicht vorbereitet werden. Was lag also näher, als hier ein passendes Konzept mit der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der benachbarten htw saar zu entwickeln? Dies bot sich insbesondere auch daher an, weil beide Hochschulen durch den hohen Praxisbezug sehr ähnliche Ausbildungskonzepte verfolgen. Umgekehrt war es für die htw saar spannend, ihre Management-Kompetenz auf den Kultursektor auszudehnen und somit auch Bachelor-AbsolventInnen aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich interessante Alternativen zum bisherigen Angebot zu bieten, gerade auch weil der Ausbau und die Umstrukturierung des Kultursektors in den letzten Jahren zu einem immer größer werdenden Bedarf an professionellen Kulturmanagern geführt hat.

Mit diesem gemeinsamen Ziel und viel Motivation konnte so zum Wintersemester 2014/2015 der Masterstudiengang »Kulturmanagement« an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der htw saar in Saarbrücken starten. Der Studiengang wurde gleich so gut angenommen, dass die jährlich zur Verfügung stehenden 20 Studienplätze bereits im ersten Jahr voll besetzt werden konnten.

Zielgruppe und inhaltliche Ausrichtung


Der Master-Studiengang Kulturmanagement stellt ein Angebot für Studierende dar, die bereits einen ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss in einem wirtschaftswissenschaftlich oder künstlerisch orientierten Studiengang (wie z.B. Bachelor oder Diplom in Betriebswirtschaft, Musik, Freie Kunst...) erworben haben. Auch AbsolventInnen aus kultur-, sozialwissenschaftlich o.ä. orientierten Bachelor-Studiengängen zählen unter Festlegung vorab definierter Auflagen zu den Studierenden. Der Studiengang bietet eine gezielte Qualifizierung für eine anspruchsvolle Management-Tätigkeit in einem kulturell ausgerichteten Umfeld. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird Kulturmanagement aus sehr verschiedenen Perspektiven beleuchtet. So umfasst das Studienprogramm sowohl betriebswirtschaftliche Aspekte des Nonprofit-Bereichs als auch die Vermittlung kultur- und kunstspezifischer Fachkompetenzen selbstverständlich neben der Vermittlung methodischer, sozialer und wissenschaftlicher Kompetenzen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit im Kultursektor. In den Lehrveranstaltungen wird großer Wert auf eine ständige Verzahnung von theoretisch-wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischer Anwendung gelegt. Diese Ausrichtung wird untermauert durch vielfältige disziplinübergreifende praxisorientierte Lehrangebote, die möglichst mit Projektpartnern aus der kulturellen Praxis angeboten werden, oder auch durch Vorträge von Gastdozenten aus den unterschiedlichsten kulturellen Sektoren. Gerade auch dieser direkte und häufige Austausch mit Kulturschaffenden aus der Praxis wird von den Studierenden als besonders bereichernd empfunden.

Schaffen einer gemeinsamen Wissens-Basis

Die Lehrveranstaltungen sind insgesamt darauf ausgerichtet, die Absolventen in allen erforderlichen Kompetenzfeldern zu einer modernen Führungskraft zu qualifizieren. Gelobt wird vom diesjährigen Pionier-Jahrgang vor allem auch die einzigartige Kombination von künstlerischer und betriebswirtschaftlicher Ausbildung durch zwei kooperierende Hochschulen, der htw saar und der HfM Saar.

Die Harmonisierungsmodule im ersten und zweiten Studiensemester sollen den Studierenden für die zweite Studienhälfte eine gemeinsame Wissensbasis zu verschaffen. Dafür erfolgt für die Studierenden eine bislang einzigartige »maßgeschneiderte« Zusammenstellung des 1. und 2. Fachsemesters, die sich an der jeweiligen Vorbildung der/des Studierenden orientiert und zu Beginn des Studiums für jede(n) Studierende(n) individuell anhand der Überprüfung ihrer/seiner Leistungsnachweise der Vorbildung festgelegt wird. Dadurch wird sichergestellt, dass die Studierenden, egal in welchem Bereich sie ihr Bachelorstudium absolviert haben, bis dato defizitäre Bereiche ausgleichen können und in der zweiten Studienphase eine breite gemeinsame Wissensbasis besitzen. Studierenden ohne BWL-Kenntnisse wird also zunächst grundlegendes betriebswirtschaftliches »Handwerkszeug« vermittelt und umgekehrt lernen Studierende ohne künstlerische Vor-Ausbildung künstlerische Grundlagen kennen und sind bereits im 2. Semester an der HfM Saar in die Organisation künstlerischer Projekte eingebunden.

Eine weitere Besonderheit bietet der Studiengang auch durch die räumliche Nähe zu Frankreich, mit dem das Saarland in besonderer Weise verbunden ist, die es auch immer wieder erlaubt, interkulturelle Bezüge in die Lehre mit einzubringen. Wahlpflichtangebote wie Eventmanagement oder Theaterpädagogik ergänzen das Curriculum. Auch für die Masterthesis, die auf Wunsch auch im Ausland angefertigt werden kann, die für die Studierenden des 1. Jahrgangs im Sommer 2016 relevant werden wird, wird ein besonderer Fokus auf die Vergabe von Problemstellungen aus der konkreten Berufspraxis gelegt werden, ohne jedoch die Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens zu vernachlässigen. Mit diesem Ausbildungsprofil sind die AbsolventInnen für Institutionen und Organisationen im Kultursektor interessante Bewerberinnen und Bewerber.

Studienverlauf


Das Studium wird als gebührenfreies Vollzeitstudium durchgeführt. Die Regelstudienzeit beträgt einschließlich der Anfertigung der Masterabschlussarbeit vier Semester, kann aber auch mit entsprechender Verlängerung als Teilzeitstudium durchgeführt werden. Studienbeginn ist das jeweilige Wintersemester eines Jahres (Bewerbungsfrist 15. Juli des gleichen Jahres). Bei erfolgreich absolviertem Studium erhalten die Studierenden schließlich den Abschluss Master of Arts.

Das erste und zweite Studiensemester dienen wie oben beschrieben der Harmonisierung der unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen und der Vermittlung methodisch-sozialer sowie kulturspezifischer Kompetenzen. Das dritte Studiensemester legt anschließend den Fokus auf die Vertiefung und Weiterführung von betriebswirtschaftlichen Kenntnissen im Bereich der Non-Profit-Organisationen und auf weitere kulturspezifische Kompetenzen. Im letzten Studiensemester wird der Schwerpunkt auf die Anfertigung der Masterabschlussarbeit (Master-Thesis) gelegt.

Prof. Dr. Nicole Schwarz ist Professorin für Marketing und Leiterin des Masterstudiengangs Kulturmanagement an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kulturmarketing, Interkulturelles und strategisches Marketing, Eventmanagement, Kulturnutzerforschung, Kultur im Saarland, Kulturtourismus. Sie ist Autorin der Studie Kultur im Saarland eine empirische Studie zum Kulturinteresse und zur Kulturnutzung im Saarland (Conte-Verlag).

Die ausführliche Vorstellung des Studiengangs Kulturmanagement an der htw saar erschien in der Reihe KM Kolloquium im KM Magazin Juli 2015.

Alle bisher erschienenen Beiträge zu KM Kolloquium finden Sie hier.

Informationen zum Studiengang Kulturmanagement an der htw saar in unserem Ausbildungsführer finden Sie hier.