08.10.2014

Autor*in

Martin Zierold
studierte Kultur, Kommunikation & Management. Er war im Bereich Kommunikation in verschiedenen Kultureinrichtungen und als wissenschaftlicher Geschäftsführer des International Graduate Centre for the Study of Culture der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig und Professor für Kulturmanagement an der Karlshochschule University. Seit 2017 hat er die Zajadacz-Stiftungsprofessur für Innovation durch Digitalisierung am Institut für Kultur- und Medienmanagement (KMM) der Hochschule für Musik und Theater Hamburg inne.
KM Kolloquium

Know Why - Die Kunst der Übersetzung. Kulturmanagement an der Karlshochschule International University

Ein Beitrag von Prof. Dr. Martin Zierold, Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft an der Karlshochschule. Nach Tätigkeit als Pressesprecher des Internationalen Musik-Festivals Grafenegg und des Tonkünstler-Orchesters in Österreich arbeitete er zuletzt als wissenschaftlicher Geschäftsführer des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften.
Ein Beitrag von Prof. Dr. Martin Zierold, Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft an der Karlshochschule. Nach Tätigkeit als Pressesprecher des Internationalen Musik-Festivals Grafenegg und des Tonkünstler-Orchesters in Österreich arbeitete er zuletzt als wissenschaftlicher Geschäftsführer des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften.

Wenn Kulturmanagement selbst eine Kunst ist, dann ist es die Kunst des Übersetzens und der Transformation. Kulturmanager stehen täglich in Kontakt mit vielfältigen, oft sehr selbstbewussten Akteuren aus unterschiedlichen sozialen Feldern mit je spezifischen Zielsetzungen und Wertvorstellungen. Unabhängig von den konkreten Tätigkeitsfeldern sei es beispielsweise im Fundraising, im Marketing, dem Controlling, der Kunstvermittlung oder der strategischen Führung eines Hauses ist es die Aufgabe des Kulturmanagements, diese mit ihren jeweiligen Handlungslogiken so miteinander in Verbindung zu bringen, dass sehenswerte Kunst entstehen kann. Kulturmanagement übersetzt unterschiedliche Ideen und Ziele so, dass gemeinsame Projekte sich entwickeln und gelingen können.

Dabei ist Kulturmanagement mehr als bloße Mediation zwischen potenziell konfligierenden Akteuren. Es geht vielmehr darum, zwischen herausfordernden Stakeholdern (wie Künstlern, Publikum, Politikern, Sponsoren) zu
Vermitteln und die Partner gleichermaßen herauszufordern und zu Veränderungen einzuladen. Im Sinne des translational turns in den Kulturwissenschaften ist Übersetzung also nicht als eine bloße Übertragung von Sinn zu verstehen, sondern als ein Prozess, der neuen Eigen-Sinn generiert und dadurch das Potenzial hat, die Bereiche, zwischen denen übersetzt wird, zu transformieren. Kulturmanagement muss dafür selbst bereit sein, mutig zu experimentieren, sich neuen Themen anzunehmen und diese in Organisationen und Projekten zu integrieren und zu entwickeln.

Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Management

Das Studium von Kunst- und Kulturmanagement an der Karlshochschule ist geprägt von diesem Verständnis eines auf Übersetzung und Transformation ausgerichteten Managements. Mit dieser Ausrichtung reagiert der Studiengang auf die Herausforderungen der Kulturmanagement-Praxis. Zugleich ist diese Konzeption tief in dem Leitbild der Hochschule verwurzelt: Als wohl erste Managementhochschule Deutschlands hat die Karlshochschule ein kultur- und sozialwissenschaftlich ausgerichtetes Profil entwickelt, das systematisch die cultural turns für Managementforschung und -lehre fruchtbar macht. Diesem Leitgedanken, Management anders denken, folgend, sind Forschung und Lehre von Bachelor bis Promotion interpretativ und qualitativ ausgerichtet. Dieses Profil bewährt sich gerade im anwendungsorientierten Austausch mit der Managementpraxis und zwar unabhängig vom Anwendungsfeld. Auch wenn das grundlegende ökonomische Handwerkszeug von Budgetierung bis Controlling selbstverständlich gelehrt wird, liegen die größten Management-Herausforderungen oft jenseits der klassischen Management-Tools, Modelle und Methoden: Dies gilt für die Aufgabe, einen common ground zwischen unterschiedlichen Akteuren zu schaffen, ebenso, wie für traditionelle Management-Themen wie etwa das Projektmanagement.

Die sogenannten Praktiker verstehen daher meist schneller als akademische Vertreter der klassischen Managementlehre, wieso eine kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektive auf Management so wichtig ist. Dies gilt verstärkt für Kulturmanager, die die Erfahrung gemacht haben, dass das unreflektierte ,Importieren von kommerziell ausgerichteten, traditionellen Management-Modellen in die Kunst- und Kulturpraxis oft nicht hilfreich und bisweilen sogar kontraproduktiv ist: Management, das auf das Optimieren von Zahlen ausgerichtet ist, mag zwar erfolgreich darin sein, gut auf von Beratern ersonnenen balanced scorecards abzuschneiden. Über die Qualität der Kunst sagt dies jedoch wenig aus. Dies heißt nicht, dass Zahlen nicht wichtig sind. Aber sie müssen von Akteuren genutzt werden, die die Spezifik von Kunst- und Kulturmanagement kennen und verteidigen und in diesem Sinne ein holistisches oder systemisches Verständnis ihrer Aufgabe haben.

Perspektivenwechsel als Bildungsziel

Die Ausbildung eines solchen Verständnisses von Kulturmanagement als einer Kunst der Übersetzung und Transformation ist das Ziel des Studiengangs Kunst- und Kulturmanagement an der Karlshochschule. Fundamental notwendiges Sachwissen (bspw. über Kulturpolitik, Kulturfinanzierung oder Marketing) und praxisrelevante Kompetenzen (bspw. im Projektmanagement, in wissenschaftlichen Methoden und in der Selbstorganisation) werden dabei ergänzt um die Entwicklung einer spezifischen Haltung für Kulturmanagement, die es ermöglicht, das erlernte Know How in ein Know Why zu integrieren und die Eigenlogik von Kunst und Kultur zu verstehen und zu verteidigen.

Im Sinne dieser Orientierung an einer Übersetzungskompetenz werden im Studium vielfältige relevante Vermittlungsprozesse untersucht und erprobt in Bezug auf Kunstvermittlung, die Übersetzung zwischen Akteuren aus unterschiedlichen sozialen Feldern und deren Interessen, zwischen verschiedenen Kulturen, zur kritischen Übersetzung akademischer Modelle aus dem For-Profit-Management für non-Profit und zwischen Wissenschaft und Praxis insgesamt. Diese vielfachen, systematischen Perspektivenwechsel im Studium werden besonders gefördert durch die konstruktivistisch ausgerichtete Lernkultur in kleinen Gruppen, die Studierende selbst aktiv werden lässt, und durch die intensive Zusammenarbeit mit Partnern aus der Kulturmanagementpraxis in allen Phasen des Studiums. Schließlich ist auch die internationale Ausrichtung ein zentraler Bestandteil des Konzepts: Dass alle Module ab dem dritten Semester vollständig auf Englisch gelehrt werden, ist nicht nur ein Beitrag zur notwendigen Internationalisierung des Fachs, sondern auch ein weiterer Baustein, der die (Aus-)Bildung von Kulturmanagern fördert, die die Kunst der Übersetzung beherrschen.

Die ausführliche Vorstellung des Studienganges »Kunst- und Kulturmanagement« an der Karlshochschule International University in der Reihe KM Kolloquium im KM Magazin Juni 2014.

Informationen zum Studiengang "Kunst- und Kulturmanagement" an der Karloshochschule International University finden Sie hier.
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