30.12.2015

Autor*in

Thomas Heinze
Wolfgang Neuser
KM Kolloquium

Reflexives Kulturmanagement. Der Fernstudiengang Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen an der TU Kaiserslautern

Kultur eröffnet der Bürgergesellschaft einen Raum zu ihrer Entwicklung und zu ihrer Identitätsfindung. Dies kann nur sinnvoll geschehen, wenn die BürgerInnen selbst beteiligt werden und das Kulturschaffen im Rahmen des wirtschaftlich Machbaren bleibt. Das nötige Wissen dazu zu erwerben, kulturelle Subtexte und Implikationen zu reflektieren, kulturelle Arrangements zu entwerfen und zu projektieren, das Spektrum praktischer Handlungsformen zu kennen und Kommunikation mit Kultur leben und umsetzen zu können, dazu bilden wir KulturmanagerInnen in dem postgradualen Fernstudiengang Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen (MKN) an der Technischen Universität Kaiserslautern aus.
MKN als modulares Weiterbildungssystem

Die Einrichtung von Kulturmanagement-Studiengängen ist eine Reaktion auf eine Entwicklung in der modernen Wissensgesellschaft, die weltweit zu immer mehr Informationsberufen führt, aber den ebenfalls zunehmenden Bedarf an kultureller Selbstverständigung in der Gesellschaft und bei ihren Individuen nicht angemessen befriedigen kann. Hier zeichnet sich ein eigener Sektor ab, der als Informations- und Kommunikationssektor bezeichnet werden kann. Unabhängig davon, ob es um Wissensproduktion und Wissensorganisation oder Informationsverarbeitung und Informationsverteilung geht, sind im interkulturellen Kontext in wachsendem Umfang kommunikative und mediale Kompetenzen unerlässlich, wenn eine konstruktive und produktive Zusammenarbeit gewährleistet werden soll. Diesen wachsenden Bedarf muss und kann Kulturmanagement in Gemeinden, Unternehmen und sozialen Gruppen in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen decken.

Entsprechend dem breiten Aufgabenspektrum zielt der postgraduale Studiengang Kulturmanagement auf die Vermittlung von Kenntnissen sowohl im kulturwissenschaftlichen als auch im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich. Die Besonderheit dieses Studienangebots liegt in der Verschränkung dieser Kompetenzen, die bislang getrennt in kunst-, kultur-, bildungs- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen einerseits bzw. betriebs- und wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung andererseits vermittelt werden.

Konzeptionelle und pragmatische Überlegungen zum Kulturmanagement

Kern des Kulturmanagements ist die Arbeit an der Schnittstelle zwischen kulturellem Inhalt sowie dem Management, das zur Produktion und Realisierung von Kultur im Sinne gesellschaftlicher Identitätsstiftung gehört. Zu den Aufgaben einer/s Kulturmanagerin/s gehört eine strategische Planung aller Abläufe einer Kultureinrichtung oder eines temporären Projekts; in Führungspositionen umfasst es alle geschäftsführenden Kompetenzen, Kenntnisse von kommunalen Vorschriften des öffentlichen Rechts oder Vorgaben einer ordentlichen Geschäftsführung nach dem Handelsgesetzbuch einschließen. Das Akquirieren von Fördermitteln, rechtliche Rahmenbedingungen, Antragsverfahren sowie abschließende Verwendungsnachweise sind ebenso von Bedeutung, wie das Einwerben von Spenden sowie das Initiieren und Umsetzen von Sponsoringvereinbarungen. Fundraising nimmt an Bedeutung zu und wird zu einer Schlüsselkompetenz. KulturmanagerInnen müssen kommunizieren, sich in die Denkweise und Sprache von Politik, Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen, Stadt- und Tourismusmarketing, Stadtentwicklung und Stadtplanung einlassen, dabei Entwicklungen und Verantwortlichkeiten berücksichtigen.

Die Kompetenz professioneller KulturmanagerInnen lässt sich mit der eines Grenzgängers beschreiben: Er muss fähig sein, in unterschiedlichen Kontexten zu denken und Spannungen durch inkongruente kulturelle Perspektiven in Bewegung umzusetzen. Er muss das Kunststück fertig bringen, die Fähigkeit zu indirekter Steuerung, zu Intervention und auch zum Eingriff in autonome Systeme kontextadäquat einzusetzen, ohne Autonomie zu zerstören. Darüber hinaus sollte er imstande sein, strategische Visionen kommunizierbar zu machen. Kulturmanagement wird damit Bestandteil des arbeitsteiligen Prozesses kollektiver Kreativität und bestimmt als solche auch künstlerisch-kulturelle Prozesse mit, ohne damit in einzelne Kunstwerke einzugreifen.

Das Konzept eines reflexiven Kulturmanagements

Kulturmanagement bezieht sich auf Institutionen, Initiativen und Projekte, in denen Kunst entsteht, Kunstergebnisse gefeiert oder ritualisiert werden, kunstnahe Unterhaltung angeboten oder ästhetische Praxis angeregt wird. Dabei ist das Kulturschaffen oft so komplex, dass der jeweilige Bezug zur gesellschaftlichen Identitätsfindung nicht offensichtlich ist und vom Kulturmanagement bewertet oder eingebracht werden muss. Dies kann reflexives Kulturmanagement leisten. Dabei vereint das Konzept zweierlei: erstens die Anleitung für erfolgreiche Praxis und zweitens eine Dimension des Nachdenkens zur Evaluation dieser Praxis. Beide Pole, Kreativität und Evaluation, sind dabei hierarchisch gleichwertig. Anspruch eines reflexiven Kulturmanagements ist es, Kultur einerseits davor zu schützen, bloßes Objekt wirtschaftlicher Interessen zu werden, andererseits das Kulturschaffen als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung zu vermitteln.

Das Konzept der Transkulturalität zielt auf ein vielmaschiges Verständnis von Kultur. Es gilt, nicht nur Ausdifferenzierungsbestände der eigenen Kultur, sondern ebenso transkulturelle Komponenten miteinander zu verbinden, ja ihnen in erster Linie Rechnung zu tragen. Im Zuge der wachsenden Industrialisierung, Technisierung und elektronischen (sichtbaren und unsichtbaren) Vernetzung aller gesellschaftlichen Prozesse, muss ein reflexives Kulturmanagement sowohl den neu entstehenden Formen von Kultur als auch der Verflechtung der internationalen Szene Rechnung tragen, um die zunehmende Komplexität kultureller Prozesse durch Integration zu reduzieren. Je mehr Differenziertheit und Vernetzung kulturelle Angebote widerspiegeln, desto wichtiger kann ihr Beitrag zum Aufweis und zur Lösung von Kulturvermittlungsproblemen sein. Diese Probleme müssen in den Zielekanon eines modernen, transkulturellen Kulturmanagements aufgenommen werden. Kulturmanagement muss auch den Diskurs über die conditio humana unter den Bedingungen gesellschaftlicher Modernisierung führen. Reflexives Kulturmanagement ist aufgrund seiner transkulturellen und ökonomischen Managementperspektiven nachgerade prädestiniert, die Kulturpolitik im eigenen Lande im internationalen Kontext zu denken und insbesondere auch auf europäischer Ebene einzubinden und fruchtbar zu machen.

Adressaten des Studiengangs Management von Kultur und Non-Profit-Organisationen" an der TU Kaiserslautern sind:

  • Führungskräfte und MitarbeiterInnen in Non-Profit-Organisationen
  • in Wirtschaft und Unternehmen (Produzierendes Gewerbe, Handel, Fremdenverkehr)
  • im Kultur- und Kunstbereich (Museen, Theater, Galerien, Musik u.a.)
  • im Medienbereich
  • im Bildung- sund Sozialbereich (Bildungsverwaltung, Sozialwesen, Erwachsenenbildung)
  • sowie Hochschulabsolventen (Musik-, Kunst-, Fachhochschulen, Universitäten)
Weitere Informationen

Die ausführliche Vorstellung des Studiengangs Management von Kultur und Non-Profit-Organisationen" erschien in der Reihe KM Kolloquium im KM Magazin Juni 2015.

Alle bisher erschienenen Beiträge zu KM Kolloquium finden Sie hier.

Informationen zum Studiengang "Management von Kultur und Non-Profit-Organisationen" an der TU Kaiserslautern in unserem Ausbildungsführer finden Sie hier.
Kommentare (0)
Zu diesem Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden.