02.12.2014

Autor*in

Tessina-Larissa Schramm
Tessina-Larissa Schramm, geboren 1989 in Fulda, BA-Studium Volkskunde/Kulturgeschichte und Erziehungswissenschaft an der Universität Jena, studiert aktuell MA Museumsmanagement und -kommunikation im 3. Fachsemester an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Julia Maier
Julia Maier, geboren 1987 in Wiesbaden, BA-Studium Kunst, Musik und Medien: Organisation und Vermittlung an der Universität Marburg, erstes MA-Studium in Art History an der University of Nottingham, studiert aktuell MA Museumsmanagement und -kommunikation im 3. Fachsemester an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Kommentar

Der Museumsnachwuchs setzt auf Crowdfunding

Seit 20 Jahren widmet sich die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin der Ausbildung von engagierten und fachkundigen jungen MuseumskundlerInnen und MuseumsmanagerInnen. Im Spannungsfeld zwischen Publikum, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft müssen sie die unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Aufgaben der Museen erlernen. Dabei bedarf dieses komplexe Aufgabenfeld frischer Ideen und kompetenter Akteure. Dabei sind besonders in Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Zuwendungen auch praktische Erfahrungen mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding ein wichtiger Aspekt.
Die HTW Berlin auf der MUTEC

Der Besuch und Auftritt der HTW Berlin auf der Internationalen Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik (MUTEC) in Leipzig ist ein wichtiger Aspekt des Studiums, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten. Dass die Studierenden in Sachen Organisation, Kommunikation und neuen Finanzierungsmöglichkeiten fit sind, stellten sie hier auch in diesem Jahr Beweis. Sie war für den Museumsnachwuchs der HTW nicht nur hinsichtlich der neuesten Museumssoftware oder der innovativsten Möglichkeiten der Ausstellungsgestaltung interessant, sondern diente vor allem als Kontaktbörse und Bühne zur Selbstpräsentation. So lockte zum Beispiel ein auffällig gestalteter Aufsteller die Besucher zum eigenen Stand. Dort wurde u.a. ein alter PC-Bildschirm gezeigt, der als Sinnbild für das Computermuseum steht, das auf dem Gelände der HTW Berlin von Bachelor- und Mastergruppen seit 2007 sukzessive aufgebaut wird. Ebenfalls beliebt war das Modell einer Fotoausstellung im Museum für Naturkunde Berlin, an der das dritte Masterfachsemester gerade arbeitet. Neben aktuellen Projekten stellten die Studierenden auch vergangene vor und informierten über den Studiengang, seine Inhalte und Ziele.

Doch was die Kulturlandschaft generell vor große Schwierigkeiten stellt, betrifft auch die Hochschulen: der Mangel an finanziellen Mitteln. So war es der HTW Berlin in diesem Jahr nicht möglich, den Messeauftritt ihrer angehenden MuseumskundlerInnen und MuseumsmanagerInnen voll zu finanzieren. Aus diesem Grund organisierten die Studierenden innerhalb von nur vier Monaten in Eigeninitiative und als Teil eines Praxisprojekts ihren Auftritt auf der MUTEC. Dafür wurde das im Unterricht erlangte Fachwissen umgesetzt und innerhalb von vier Wochen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Crowdfunding was, wie wo?

Crowdfunding ist ein online-basiertes Finanzierungsmodell, bei dem möglichst viele Personen davon überzeugt werden sollen, Kleinstbeträge in ein Projekt zu investieren und dafür Gegenleistungen zu erhalten. Der Erfolg einer solchen Kampagne hängt vor allem von einer geschickten Kommunikationsstrategie ab. Mit Hilfe von KommilitonInnen wurde ein knackiger Crowdfunding-Film für die Projektseite auf crowdfans.de produziert, der auf das Vorhaben humorvoll beschreibt und zur Beteiligung aufruft. Mit gezielten Posts über Social Media-Kanäle wie Facebook und Twitter und der direkten Ansprache von Multiplikatoren aus der Branche wie auch dem näheren Umfeld wurde immer wieder auf die Kampagne und deren Internetadresse aufmerksam gemacht. Die inhaltliche Ausarbeitung der einzelnen Posts sowie deren gezielte Streuung wurde von zwei Beteiligten übernommen, die ihre Kanäle alle drei bis vier Tage mit Neuigkeiten (z.B. über hinzugekommene Unterstützer) oder Informationen zur Kampagne (z.B. über noch zu habende Gegenleistungen) fütterten. Die größte Herausforderung war dabei einerseits die knappe Zeitspanne, in der die Kampagne auf die Beine gestellt werden musste, und andererseits ein fehlendes Budget ,vor allem für die Produktion des Crowdfunding-Films. Dieser ist das zentrale Instrument in der Gewinnung von Interessenten und Unterstützern.

Trotzdem konnten innerhalb einer Laufzeit von etwa fünf Wochen 19 Unterstützer erreicht werden. Mit dieser scheinbar kleinen Zahl konnte etwas mehr als die Hälfte der angestrebten 2500 Euro erreicht werden, das Engagement der Studierenden beeindruckte jedoch die Hochschule. Sie bemühte die letzten Töpfe und der Fehlbetrag konnte noch aufgebracht werden.

Nachdem mit der gesicherten Finanzierung die größte Hürde genommen war, mussten sich die Studierenden noch mit logistisch-organisatorischen sowie gestalterischen Aufgaben auseinandersetzen. Doch auch hier konnte die Projektgruppe von bereits erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten profitieren, sodass der MUTEC-Stand der HTW Berlin nicht nur pünktlich, sondern auch ansprechend gestaltet eröffnet werden konnte.

Alles in allem erwies sich das Nichtvorhandensein finanzieller Mittel, das zunächst als Tatsache feststand und zu einer Prüfung des Willens und der Kompetenzen der Studierenden wurde, als eine positive Herausforderung für die Gruppe. Die Studierenden waren mit einer Herausforderung konfrontiert und konnten an dieser wachsen. Der Zugewinn an Erfahrungen war dabei größer, als wenn die Gruppe einfach so zur MUTEC hätte fahren können. Doch Not macht erfinderisch. An dieses Credo sollten sich die MuseumskundlerInnen und MuseumsmanagerInnen von morgen schon gewöhnen, denn auch die tägliche Arbeit in Museen ist zunehmend auf kreative Ideen und Lösungsansätze angewiesen.

Die abgeschlossene Crowdfunding-Kampagne kann hier aufgerufen werden.
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