02.08.2006

Autor*in

Isabella Urban
Claudia Stemberger
Rückblick "4. Internationale Konferenz zur kulturpolitischen Forschung" 2006

4. Internationale Konferenz zur kulturpolitische Forschung

Den Abschluss des offiziellen Programms der 4. Internationalen Konferenz zur kulturpolitischen Forschung (iccpr 2006, Wien, 12.-16. Juli 2006) bildete eine prominent besetzte Plenardiskussion mit Fragen nach der Beziehung zwischen Kulturpolitikern und Forschern. Die teils provokanten Statements zeigten am euphorischen Ende dieser Konferenz den kritischen Blick der Forscher auf die Politik und die Sorge vor der drohenden Instrumentalisierung der Forschung - die auffällige Abwesenheit österreichischer Kulturpolitiker/innen mochte anzeigen, wie wenig Bedeutung jene der Forschung beimessen.
Organisiert wurde die in Wien stattfindende Konferenz zur kulturpolitischen Forschung von Educult (Institut für Vermittlung von Kunst und Wissenschaft). Das Gebäude der Universität für Musik und Darstellende Kunst bot ideale Räumlichkeiten für die Umsetzung der Konferenz. Bei der beinahe unüberschaubaren Fülle angebotener Themen half die exzellente Organisation, sich zurechtzufinden. Nicht weniger als zwölf Themenschwerpunkte wurden gelegt:

1_Theoretical and Methodological Approaches to Cultural Policy,
2_Political Aspects of Cultural Policy,
3_Local, Urban and Regional Development,
4_Cultural Participation,
5_Sociological Approaches to Cultural Policy,
6_Cultural Institutions,
7_Cultural Policy and Media Policy;
8_Transformations of Cultural Work,
9_International Approaches to Cultural Policy,
10_Creative and Cultural Industries,
11_Cultural Identity-Cultural Diversity,
12_Funding, Sponsoring and Patronage of Cultural Policy


Verleihung des CPR Award an Marcello M. Mariani

Die internationale Relevanz dieses Branchentreffs bewies die große Anzahl von Besuchern, die aus allen Teilen der Welt angereist waren. Gleichzeitig ist aus der geringen österreichischen Beteiligung ersichtlich, dass sich die kulturpolitische Forschung hierzulande noch nicht so recht als Forschungsdisziplin durchgesetzt hat. In Deutschland findet sich auf universitärer Ebene das Institut für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim.

Ein erster Schritt, jedoch noch nicht zu vergleichen mit der Fülle kulturpolitischer Studien- und Forschungsmöglichkeiten im englischsprachigen Raum, deren Vertreter zahlreich auf der Konferenz anzutreffen waren.

Dennoch - dank der internationalen Beteiligung, auch und vor allem unter den Vortragenden, wurde ein breites Spektrum an Forschungsergebnissen präsentiert: Den Teilnehmer/innen standen 58 Abstract Sessions, in denen rund 160 Referate präsentiert wurden, und 5 Plenardiskussionen zur Wahl. Diese unglaubliche Vielfalt ging leider in manchen Fällen zu Lasten der Qualität. Die Bandbreite der Referate reichte von herausragenden kulturpolitischen Abhandlungen, über spannende Diskussionen und praxisrelevante Darstellungen bis hin zur Präsentation wenig neuer Erkenntnisse aus Diplomarbeiten Studierender. Diese "kleinen Forschungsarbeiten" waren aber auch Zeichen für das wachsende Interesse an der Disziplin der kulturpolitischen Forschung und tragen die Hoffnung auf eine heranwachsende junge Forschergeneration in sich.

Der Förderung der jungen Forscher widmete sich die Konferenz daher auch in besonderer Weise. Sie gewährte ihnen nicht nur eine Plattform für die Präsentation in den Abstract Sessions, sondern gab ihnen mit dem Young Researcher's Forum auch die Möglichkeit, sich innerhalb der jungen Generation zu vernetzen. Darüber hinaus wurde auf den iccpr-Konferenzen heuer zum dritten Mal der Young Researchers Award verliehen. Die Reihe der Preisträger/innen zeigt, dass insbesondere unter den jungen Kulturpolitik- Forscher/innen ausübende Künstler/innen den Brückenschlag zwischen dem aktiven Künstlerleben und der theoretischen Auseinandersetzung mit der kulturpolitischen Forschung wagen. Die Arbeit der ersten Preisträgerin - Nina Obuljen - "Why we need European Cultural Policies" wurde rechtzeitig zur Konferenz vorgelegt und gibt Einblick in die Forschungsergebnisse, die mit dem mit dem Preis verbundenen Stipendium der Preisträger/innen erarbeitet werden konnte.

Ob sich Theorie und Praxis in Zukunft näher kommen werden oder sich gar voneinander entfernen, ließ sich nach der Paneldiskussion 'The Growing Importance of Cultural Participation' nicht eindeutig beantworten. So manche/r Forscher/in mag dabei Community Work mit klassischer Kulturvermittlung als Marketingtool verwechselt haben.


Michael Wimmer, Educult Wien

Kulturvermittlung als verpflichtenden Bestandteil künstlerischer Ausbildung einzuführen, erscheint doch allzu fragwürdig. Long-Life-Learning wurde hier proklamiert, doch warum müssen gerade Künstler/innen diesen Job übernehmen? Können, aber müssen nicht? Nicht, dass sich Kunst nicht vermitteln sollte, doch kulturelle Zwangsbeglückung in Zeiten, in denen der Staat vielleicht an anderer Stelle sozial und gesellschaftlich versagt hat, mag rein der Rechtfertigung der Vergabe von Fördergeldern dienen?

Die einzelnen Beiträge der Konferenz sind auf einer CD zusammengestellt, die bei den Organisatoren erworben werden kann. Sie sind freilich nur ein geringer Ersatz für die Nichtteilnahme an der Konferenz, denn besonders herausragend waren die anregenden Diskussionen, die sich zwischen Vortragenden und dem sich aktiv beteiligenden Publikum nach den Vorträgen entspannen. Sie waren der eigentlich wohltuende und Ergebnis orientierte Output der Konferenz.
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