06.06.2006
Rückblick Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes e.V. 2006

Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes e.V.

Der tiefgreifende Wandel der Leipziger Museumslandschaft führte vor 2 Jahren zur Einladung an den Deutschen Museumsbund, seine Jahrestagung 2006 in der sächsischen Metropole auszurichten.
Die Stadt hatte mit Hilfe von Land und Bund in den letzten 10 Jahren erheblich in Kultur investiert: der Neubau des Museums der Bildende Künste ("Bildermuseum", siehe Interview mit dem Direktor Dr. Schmidt im Kulturmanagement Newsletter Nr. 80, April 2006), die Renovierung des Stadtmuseums (dort fand die Tagung im wesentlichen statt), die Rekonstruktion des Grassimuseums mit allein drei Einrichtungen und schließlich die Etablierung der Galerie für zeitgenössische Kunst im Rahmen einer Public Private Partnership. Zusammen mit den bekannten Aushängeschildern in Musik und Theater hatte Kulturdezernent Dr. Girardet so allen Grund, die Teilnehmer stolz in Leipzig begrüßen zu können.

Mit über 300 Teilnehmern verzeichnete die Jahrestagung des Museumsbundes vom 7. bis 10. Mai die größte Resonanz seit Bestehen der Organisation. Staatsministerin Barbara Ludwig verwies im zweiten Grußwort darauf, dass der Kulturraum Sachsen erheblich dazu beiträgt, dass seine Einwohner den Freistaates als ihre Heimat empfinden. Hier nimmt Sachsen mit dem Kulturraumgesetz sogar eine Vorreiterrolle bei der staatlichen Verantwortung für die Kultur ein. Die Landesstelle für Museumswesen entwickelt sich zudem zur zentralen Beratungs- und Kompetenzstelle für nichtstaatliche Museen in Sachsen. Hauptziel ist die weitere Professionalisierung der Museen und der Museumsteams. In Bayern gibt es freilich eine solche Einrichtung für 1250 nichtstaatliche Museen bereits seit genau 30 Jahren. Barbara Ludwig betonte, dass die Besucherforschung in Sachsen eine lange Tradition hätte, ohne jedoch dafür konkrete Anhaltspunkte zu liefern. Die Entwicklung von Standards bei der Besucherforschung diente der allgemeinen Orientierung, das konkrete Konzept muss jedes Museum indes selbst bestimmen.
Frau Pfeiffer-Poensgen von der Kulturstiftung der Länder, die Mitveranstalter war, goss im anschließenden Grußwort Wasser in den Wein. Sie sprach die Finanzen an, mit denen insbesondere Häuser außerhalb der großen Zentren zu kämpfen haben. Museen müssten sich "im Verteilungskampf um öffentliche Gelder" schlichtweg besser positionieren.
Man müsse zudem mehr über die Folgen des demographischen Wandels oder die Etablierung erfolgreicher Trägerkonstellationen reden. Frau Pfeiffer-Poensgen machte in ihren Ausführungen darauf aufmerksam, dass es eine spürbare Akzentverschiebung hin zur Vermittlungsrolle der Museen als außerschulische Lernorte gäbe. Dies wäre allein schon Anlass, dass die Museen herauskommen müssten aus der Verteidigungshaltung. Sein Museum als außerschulischen Lernort aufzuwerten, sei im übrigen Chefsache eines Museumsdirektors, fügte sie hinzu.
"Ein Museumsbesuch ist gewinnbringender als der wöchentliche Geschichtsunterricht", erläuterte Hermann Schäfer, Abteilungsleiter beim Staatsminister für Kultur und Medien. Die Museen würden als Massenmedien unterschätzt. In ihnen könne man "en passant" verstehen lernen. Im gelegentlichen Disput zwischen Michael Eissenhauer, Präsident des Deutschen Museumsbundes, und Hermann Schäfer, der vor dem 1. Februar noch Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war, traten allerdings die üblichen Missverständnisse zwischen Vertretern der Museen und der Kulturpolitik zu Tage. Noch immer richten Museumsvertreter wie Eissenhauer Erwartungen an die Politik, die diese gar nicht zu leisten imstande ist. Schließlich müssten die Museen selbst den Dialog mit der Politik auf Augenhöhe lernen.
Vielleicht hilft hier der neue Optimismus im Museumssektor. "Der Anteil der Senioren mit guter Bildung nimmt zu", meint Michael Eissenhauer. Der demographische Wandel wird in dieser Kultursparte also offenbar als positive Entwicklung gesehen. Aber dies ist kein Automatismus. Während die Besucherforschung inzwischen viel über die jüngere Zielgruppe weiß, sind die Bedürfnisse älterer Besucher weitestgehend unbekannt.
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