15.11.2006
Rückblick "MIXED UP 2006"

Kultur macht Schule

Workshop und Preisverleihung MIXED UP 2006
Auf Einladung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder und Jugendbildung (BKJ) treffen sich am 26. Oktober Fachkräfte aus Theorie und Praxis, um der Frage nach neuen Anforderungen und Unterstützungssystemen nachzugehen, die sich aus der Kooperation zwischen Trägern kultureller Jugendbildung und den Ganztagsschulen ergeben. Dies ist als Reaktion auf die Chancen und Herausforderungen zu lesen, die sich im Zuge des Investitionsprogramms Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB) der Bundesregierung zum Auf- und Ausbau der Ganztagsschulen für die außerschulischen Kultureinrichtungen ergeben. Der Dachverband BKJ hat das auf drei Jahre (bis 31.3.2007) angelegte Projekt Kultur macht Schule ins Leben gerufen, um diese zahlreichen
Kooperationen konzeptionell mit zu gestalten, zu dokumentieren und zu evaluieren und um die kulturellen Träger in der Praxis zu beraten und zu unterstützen. Dass die Veränderungsprozesse für die außerschulischen Einrichtungen in vielerlei Hinsicht signifikant sind, ergaben die von der BKJ erhobenen Daten: 45% der befragten Träger gaben an, dass sie es mit einer anderen Zielgruppe zu tun haben; 40%, dass sie mehr Teilnehmer haben; 38%, dass Formate und Inhalte neu sind. Durch die notwendigen curricularen Abstimmungen verändert sich das Themenspektrum; neue Kommunikationspartner wie FachlehrerInnen und schulische Kontaktpersonen verlangen ein Mehr an Zusammenarbeit; die erweiterten und heterogenen Zielgruppen fordern die Träger heraus, auch sozialpädagogisch und methodisch-didaktisch. Nicht nur die organisatorischen Bedingungen (Zeitstrukturen,
Räume) sind neu, sondern auch der finanzielle und rechtliche Rahmen (Kooperationsverträge, Versicherungsschutz etc.).
 
Unter dem Credo Kooperationen brauchen Unterstützung und sie brauchen Input zielt die Veranstaltung
primär auf Austausch und Vernetzung. In diesem Sinne erscheint auch der Name des Veranstaltungsorts, das MACHmit Museum in Berlin, geradezu programmatisch: Die sehr gut besuchte Veranstaltung ist als Workshop konzipiert worden, im Zentrum stehen die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmer. In moderierter Kleingruppenarbeit wird uber mögliche und notwendige Unterstützungssysteme diskutiert, um den genannten
neuen Anforderungen in der Zusammenarbeit mit Schulen zu begegnen - ohne das eigene Profil als Kultureinrichtung zu verlieren. Diese Dialektik zwischen Integration und Differenz formuliert auch Prof. Dr. Wolfgang Zacharias in seinem Rück- und Ausblick: Was machen wir aus Schule? Was macht die Schule aus uns?
 
Dass die im Plenum gesammelten Gelingensbedingungen nur z.T. die Träger selbst verantworten, versteht sich von selbst. Es kann nicht um eine Anpassung an schulische Strukturen und Anforderungen gehen, entsprechende politische und institutionelle Rahmenbedingungen mussen gegeben sein, um eine neue Lernkultur zu ermöglichen.Hier wird z.B. eine Verankerung des Rechts auf kulturelle Bildung gefordert. Weniger grund(ge)setzlich, aber elementar ist die Forderung nach einem neuen Verständnis von Schule als Bildungsort, das mit einer Flexibilisierung der Raum- und Zeitstruktur und Klassengrößen einher geht. Um auf Augenhöhe zusammenarbeiten zu können, wird an den Kompetenznachweis Kultur erinnert, der schon existiert und Schlüsselkompetenzen erfassen und nachweisen soll, und eine sog. Kultur PISA ins Spiel gebracht, deren Inhalte noch zu definieren wären.
 
Von der Mehrheit der Beteiligten wird die Beziehungsdimension als zentrales Moment genannt. Gemeinsame Fort- und Weiterbildungen können helfen, die Sprache des anderen kennen zu lernen, und somit als vertrauensbildende Maßnahme wirken. Basis einer funktionierenden Zusammenarbeit bleibt es, auf sich ergänzende Kompetenzen zu setzen, d.h. Lehrer werden durch die kulturellen Angebote nicht ersetzt, sie bleiben
(auch körperlich) dabei.
 
Viel versprechend scheint die Überzeugungskraft der Selbsterfahrung: Künstlerische Tage als Workshopangebot für Lehrer können diese für Kulturarbeit in der Schule gewinnen und nachhaltig ein günstiges Klima für diese schaffen.
 
Sinnvoll erscheint den Teilnehmern auch eine kommunale Koordinationsstelle/-agentur, die Informationen und Erfahrungen bündelt, für Übersichtlichkeit sorgt, aber auch moderierend und vermittelnd agiert. Ein solches Zentrum könnte Interessensvertretung sein und Botschafter- Funktion in der lokalen Bildungslandschaft übernehmen. In diesem Sinne, als Lobbyist und Koordinator zwischen Angebot und Nachfrage, arbeitet in Berlin die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung.
 
Beliebtes Anerkennungsinstrument der Lobbyarbeit ist neben Botschaftern und Events auch der Wettbewerb. Wie die Zusammenarbeit zwischen Kultur und Schule auf hohem Qualitätsniveau in der Praxis umgesetzt werden kann, demonstrieren die vier preisgekrönten Kooperationen aus der MIXED UP Wettbewerbsrunde 2006.
 
Gerd Hoofe, Staatssekretär beim Bundesministerium fur Familie, Senioren, Frauen und Jugend überreicht den
Gewinnern aus 80 Bewerbern ihre Anerkennungspreise im Wert von je 2.500 Euro. Prämiert werden das Stadtteilkulturzentrum KÖLIBRI/GWA St. Pauli- Süd e.V. aus Hamburg, das Kulturhaus Pusdorf aus Bremen, die Jugendkunstschule der Freien Kunstakademie Mannheim und das Berliner JugendKunst- und Kulturzentrum Schlesische 27. Jeweils im Duo, bestehend aus einer Person in Vertretung der Kultureinrichtung und einer in Vertretung der Partnerschule, berichten die Preisträger von ihrer beispielhaft gelungenen gemeinsamen Arbeit.
 
Gerd Hoofe zeigt sich von dem Mehrwert kultureller Bildungsangebote in allgemein bildenden Schulen überzeugt: Bei der Bildung, Erziehung und Betreuung der jungen Menschen müssen viele Bildungsorte und Lernwelten einbezogen werden. Tanz, Theater, Musik, Bildende Kunst, Spiel, Medien und Literatur, so der Staatssekretär, fördern das soziale Klima sowie das kulturelle Leben in den Schulen. Sie sollten fester Bestandteil
eines jeden ganztägigen Bildungsangebotes werden!
 
Der Sinn der Kooperationen steht für die eingeladenen Fachkräfte außer Frage, nun gilt es die Unterstützungssysteme in die Praxis umzusetzen und da sind nicht nur diese Fachkräfte gefragt!
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