25.11.2013

Autor*in

Johannes Ellrott
Rückblick KulturInvest & KM Konkret 2013

KulturInvest und KM Konkret - Rückblicke II

In diesem Jahr vereinen die Causales GmbH und die KM Kulturmanagement Network GmbH die beiden Tagungen KulturInvest und KM Konkret erstmals unter einem Dach. So war der Berliner Tagesspiegel am der 24. und 25. Oktober eine Meeting-Plattform für mehr als 450 VertreterInnen zahlreicher Kulturinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der zweite Nachbericht beschreibt die Impressionen und Anregungen zweier Tage aus Sicht des Nachwuchses der Branche, des jungen Kulturmanagers Johannes Ellrott.
Vorträge zwischen Theorie und Praxis
Schlag auf Schlag folgten auf dem diesjährigen KulturInvest-Kongress in sieben Foren Vorträge und Workshops aufeinander. Das Spektrum reichte dabei von Präsentationen einzelner Kulturinstitutionen, die ihre Arbeit und Erfolge aufzeigten, bis hin zu Fachvorträgen aus Bereichen wie Marketing, Sponsoring oder Personalmanagement. Wie die straffe Taktung von halbstündigen Vorträgen vermuten lässt, boten einzig die kurzen Kaffee- und die etwas längeren Mittagspausen sowie ein Kontakt-Board die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und kurz Ideen zu reflektieren.
 
Tipps für die Stellensuche und Stellenbesetzung
Besonders von Interesse für den Nachwuchs der Kulturbranche waren die Inhalte, die Oliver Scheytt und Dirk Schütz im Rahmen des KM-KONKRET-Forums präsentierten: In der Vorstellung der Unternehmen KulturPersonal GmbH und Kulturexperten GmbH wurde deutlich, dass die Auswahl geeigneter Kandidaten zur Besetzung von Stellen eine zentrale Rolle der Personalentwicklung im Kulturbetrieb spielt.
Ihr Anliegen: das Angebot qualifizierter Fachkräfte und die Nachfrage nach selbigen zusammenzubringen. Wie auch in dem Workshop des Folgetages zum Thema Lebenslaufcoaching spielt dabei ein Schlagwort die zentrale Rolle für den Personalbeschaffungsprozess: Die Wirkung. Welche Wirkung möchte der Bewerber in der Kulturinstitution erzielen und welche erwartet diese wiederum von ihren Bewerbern?
Die Idee der beiden Unternehmen ist dabei sicher interessant, ausgeklammert wurde jedoch bei der Diskussion nur zu gerne, dass dem Überangebot an Bewerbern nur wenige Stellen gegenüberstehen. Der Bewerber hat somit nur beschränkt die Möglichkeit, die für ihn optimale Stelle zu finden, geschweige denn Stellenangebote ernsthaft zu selektieren. Die Fragestellung beginnt somit viel früher: ob überhaupt eine Stelle gefunden werden kann. Diese Thematik sicher eine sehr schwierige, jedoch für den qualifizierten Nachwuchs, der auf den Arbeitsmarkt strömt, die zentrale wurde im Rahmen des Kongresses ausgespart. Eine Jobbörse, um den jungen Teilnehmern des Kongresses die Möglichkeit zu geben, sich direkt bei potenziellen Arbeitgebern vorzustellen, wäre hierfür ein erster Schritt. Die berechtigte Frage dabei lautet natürlich: Muss, sollte und kann ein solcher Kongress dies überhaupt leisten?
 
Neue Anregungen, Ideen und Konzepte
Daher waren es wohl eher die Vorträge der Kultur- und Wirtschaftsunternehmen, in denen akute Themen wie Social-Media-Marketing oder Möglichkeiten neuer Finanzierungsformen im Mittelpunkt standen, die die Mehrzahl der TeilnehmerInnen interessierte und diesen auch vielseitig geboten wurde. Der Menge an Vorträgen schuldete man dabei sehr komprimierte Inhalte und auch interessante Ergebnisse konnten nur selten intensiv diskutiert werden. Neben eher werbenden Vorträgen im Kontext der Sponsorensuche fand man auch immer wieder solche mit neuen Erkenntnissen (oder alten im neuen Gewand) und wertvollen Informationen, so auch im Rahmen des Vortrags der Unternehmerinnen von Schwarz+Weiss. Er zeigte auf, wie darstellende und bildende Kunst Mittel zur Weiterbildung darstellen können. Sie zeigten auf, welche Potenziale diese für artistic thinking-Seminare bieten und wie somit die Werte und Güter der Kulturbranche längst genutzt werden, um Personal in Unternehmen zu fördern, während der Kulturbetrieb noch unbeholfen mit den Fragen umzugehen scheint, wie, auf welchem Wege und mit welchen Mitteln Personalentwicklung umgesetzt werden kann.
 
Als Ergänzung zu diesem Vortrag kann das praktische, den Kongress abschließende Seminar Führen und Dirigieren gelten. Hier wurde den TeilnehmerInnen metaphorisch vor Augen geführt, wie Führungsverhalten des Dirigenten eines Orchesters enorme Parallelen zur Führung von Mitarbeitern im Betrieb aufzeigt. Mit dem Zuhören, dem Bewusstsein um die Bedeutung der Körpersprache, dem Zusammenhang von Wirkung und Reaktion und der Wichtigkeit von Rückmeldung und Priorisierung seien hier ein paar zentrale Führungseigenschaften genannt, welche besonders in Erinnerung geblieben sind.
 
Deutlich wird an diesen beiden letzten Beispielen, dass in der Kultur Tätige und Künstler sich offensichtlich längst damit beschäftigen, wie sie mit Kunst im Wirtschaftskontext Geld verdienen können. Dabei lässt sich eines feststellen: Während sich ein Manager mit Hilfe des Führen und Dirigieren-Seminars weiterbildet, geht für das Orchester wertvolle Zeit verloren, in welcher die Kunst reifen und sich entwickeln könnte.
Inhalte, die nachhaltig sind?!
 
Am Ende der beiden Tage bleibt die Frage: Wie kann man etwas verändern, wie können neue Ideen und Erkenntnisse in den eigenen Alltag transferiert werden? In Bezug auf die Thematik der Personalentwicklung waren sich die TeilnehmerInnen auch im Rahmen des World-Cafés, einer interaktiven Austauschrunde, einig: durch das Zulassen von Neuem, das strukturelle Verankern der Thematiken in den Institutionen, das zu Hilfe Ziehen von Fachpersonal und zwar langfristig und nicht nur temporär , das Aufbrechen alter und Zulassen neuer Ideen und Strukturen. Diese Wünsche dürften wohl auch auf die vielen anderen Themen des Kongresses zutreffen.
 

Johannes Ellrott studierte Kulturmanagement M.A. an der HfM FRANZ LISZT Weimar, schloss 2010 sein Studium der Wirtschaftspädagogik B.A. an der FAU Erlangen-Nürnberg ab. Diese Fächerkombinationen ergänzend, war er u.a. in der Personalabteilung der Bosch-Gruppe sowie im KBB der Ludwigsburger Schlossfestspiele tätig. Seine Masterthesis verfasste er zu der Thematik Personalmanagement im öffentlich subventionierten Theaterbetrieb.
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