16.10.2014
Konferenzen

Museen als Popstars, Freunde als Fans. Die 12. Tagung des Arbeitskreises Museumsmanagement

Am 10. und 11. November findet im Freilichtmuseum am Kiekeberg die Tagung With a little help from my friends. Fördervereine und Freundeskreise von Museen des Arbeitskreises Museumsmanagement statt. Marketing-, Vermittlungs- und Finanzierungsexperten können sich hier über Entwicklungen und Best-Practice-Beispiele der Kommunikationsarbeit deutscher Museen austauschen.
Kultureinrichtungen sind, obwohl es manchmal anders erscheint, nicht nur ständigen Kämpfen um Geld und Besucher ausgesetzt. Für ihre engsten Besucher haben sie beinahe eine Aura wie Popstars, werden geschätzt und unterstützt. Was die Beatles Spezialisten für Fankulturen vor fast 50 Jahren gesungen haben, lässt sich also auch auf die moderne deutsche Museumslandschaft übertragen: Museen brauchen ihre Freunde heute mehr als je zuvor.

Friendraising darf sich dabei nicht darauf beschränken, das Geld, die Ideen und die Arbeitskraft der freiwilligen Unterstützer zu nutzen. Vielmehr ist es ein System des Anreizens, das Besucher zu aktiven Helfern werden lässt. Grundlage eines jeden Fördervereins ist also, die Menschen zu binden und dafür braucht es gute Konzepte. Interesse am Thema, Spaß an ehrenamtlicher Arbeit oder Lust auf die Unterstützung der eigenen Heimat sind dabei nur einige der vielfältigen Gründe, warum aus Bürgern Kulturfreunde werden.

Sie durch Markenbuilding und Kommunikationsstrategien anzusprechen, resultiert daher in einem Mehrwert für die Museen. Empfehlungsmarketing ist mit dem Web 2.0 eines der großen Schlagwörter geworden und gerade wenn es um eine wirkliche Bindung geht, werden Freunde auf diesem Weg zu einem Marketinginstrument und zu Fürsprechern für ihr Haus, gegenüber ihrem Umfeld oder auch der Politik. Über das Internet können zudem Häuser und ihre jungen Freundeskreise ein jüngeres Publikum an die Museen heranführen.

Voraussetzung hierfür ist, dass sich die Häuser aktiv um die Mitglieder in den Fördervereinen und Freundeskreisen kümmern, sie mit speziellen Angeboten binden und die Wertschätzung für ihre Arbeit zeigen. Das stellt die Leitungen von Museen und Vereinen mitunter vor große Herausforderungen, denn dafür sind geschultes Personal, aber auch erfolgreiche und innovative Belohnungs- und Kommunikationsstrategien notwendig, die über das Schlagwort der gesellschaftlichen Verantwortung hinausgehen. Fördervereine und Freundeskreise als organisatorische Plattform für das Ehrenamt oder als Träger zusätzlicher musealer Angebote müssen deshalb gut geführt werden.

Die Tagung am Kiekeberg deckt die Planung, die gezielte Ansprache, rechtliche Aspekte und auch die Betreuung von potentiellen und schon existierenden Freundeskreisen ab. Sie diskutiert die vielfältigen Möglichkeiten, die Fördervereine und Freundeskreise Museen bieten und die ihnen geboten werden müssen. Drei einführende Beiträge legen die Grundlagen der Tagung:

Markus Walz, Professor für Museologie an der HTWK Leipzig, spannt in seinem Beitrag den Bogen von der historischen Entstehung der Vereine zu den zukünftigen Perspektiven. Dabei stehen unter dem Motto Gründerväter, Adoptivmütter, ratgebende Onkel, sponsernde Omas, Vettern und Kusinen nicht nur die verschiedenen Rollen für Museumsvereine gestern, heute und morgen im Mittelpunkt, sondern auch um die unterschiedlichen Motivationen und Hintergründe ihrer Mitglieder.

Unter den Blickwinkeln von Tradition und Professionalisierung arbeiten Dr. Matthias Dreyer, Leiter der Verwaltung der Stiftung Niedersachsen, und Prof. Dr. Rolf Wiese, Direktor der Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg, den Vergleich musealer Vereine zu anderen Förder- und Finanzierungsinstrumenten heraus. Dabei geht es auch um die ideellen und managerialen Leistungen, die strategische Ausrichtung und Beziehungspflege zwischen ihnen und den Museen.

Valentin R. Seidenfus, Partner der KSB INTAX v. Bismarck Rechtsanwälte Steuerberater PartGmbB, Hannover, gibt mit seinem Beitrag einen Überblick über rechtliche und steuerliche Aspekte bei der Errichtung, Leitung und Arbeit von Fördervereinen und Freundeskreisen. Die professionelle Ausgestaltung des rechtlichen Rahmens ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Vereinsarbeit.

Die verschiedenen Aspekte des Themas Vereine und Freundeskreise von Museen werden vor allem am zweiten Tag mit einer Vielfalt an Praxisbeispielen beleuchtet, die Anregungen für das eigene Handeln bieten sei es zu Erfolgsgeheimnissen großer Fördervereine, zur Gründung neuer und Konkurrenz unter bestehenden Freundeskreisen, zur Arbeit mit der nachwachsenden Besucher- und damit potentiellen Unterstützergeneration, zu Vereinen in verschiedenen Trägerformen oder den möglichen Aufgaben von Ehrenamtlichen.

Das Themenspektrum der Museumsmanagement-Tagung greift damit auch weiterreichende Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Bindung und Partizipation in Museen auf. Sie sind grundlegend für die Zukunftsfähigkeit zwischen Legitimationsdruck und Finanzierungsproblemen.

Da gerade Kommunikationsstrategien und die Bindung der Fans an ein Haus mit dem Web 2.0 eine neue Dimension für das Selbstverständnis und Management von Kultureinrichtungen bekommen haben, wird das Symposium der Stiftung Zukunft im Januar 2015 diesen Aspekt der Arbeit in und mit Freundeskreisen in verschiedensten Kultursparten nochmals vertiefen. Weitere Infos dazu folgen im November. Gemeinsam mit dem Freilichtmuseum am Kiekeberg wird Kulturmanagement Network zur Dokumentation beider Tagungen im Frühjahr 2015 eine Ausgabe des KM Magazins den vielfältigen Facetten von Vereinen im Kulturbetrieb widmen.

Weitere Informationen und das Programm zur Tagung With a little help from my friends. Fördervereine und Freundeskreise von Museen finden Sie hier und einen Rückblick auf das Symposium der Stiftung Zukunft 2013 hier.
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