08.11.2009

Autor*in

Diana Betzler
Rückblick Arbeitstagung des Verband der Museen Schweiz 2009

Was ist ein gutes Museum? Qualität und Erfolg

Arbeitstagung des vms/ams Verband der Museen Schweiz, am 19. Oktober 2009 in Baden.
Arbeitstagung des vms/ams Verband der Museen Schweiz, am 19. Oktober 2009 in Baden

Wie sollen Erfolg und Qualität eines Museums gemessen werden? Die Museen müssen sich ihre Qualitäts- und Erfolgskriterien in einem permanenten Diskurs abringen. Der vms/ams Verband der Museen Schweiz lud in die wunderschönen Räumlichkeiten des Museum Langmatt in Baden ein, um über Qualität und Erfolg von Museen zu streiten.

Die Tagungsverantwortliche Cornelia Meyer, Verband der Museen der Schweiz VMS und die Moderationsleitung Dr. Susanne Jost, mmBO Verein der Museen im Kanton Bern begrüssen die Tagungsteilnehmer.

Léontine Meijer -van Mensch, Reinwardt Akademie/ NL, Dozentin für Theoretische Museologie und Ethik an der Reinwardt Academie in Amsterdam, stellt die Frage, wer entscheiden darf, was ein gutes Museum ist: Das Museum oder die Besucher? Neue Konzepte zur gesellschaftlichen Rolle und Bedeutung der Museen fragen nicht nur nach der Beziehung zwischen Museum und Publikum, sondern grundsätzlicher nach der zwischen Museum und Gesellschaft. Dabei wird die Hypothese vertreten, dass ein Museum keine Zukunft hat, wenn es nicht sowohl wirksam (effektiv) als auch wirkungsvoll (effizient) ist.

Prof. Dr. Peter van Mensch, Professor für Heritage Studies, Dozent an der Reinwardt Academie in Amsterdam, stellt die Frage, ob ein standardisiertes Akkreditierungsmodell den Neuentwicklungen des Museums Rechnung tragen kann. Hierzu weist er auf die grundlegenden Veränderungen in der Museumslandschaft hin, die die Museen fordert, vernetzt zusammenzuarbeiten, heritage communities herauszubilden und gleichzeitig klare Positionen
zu entwickeln. In Bezug auf die Standardisierung und Leistungsmessung empfiehlt er eine auf die Zukunft gerichtete Perspektive.

Prof. Peter Jezler, Direktor Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW Basel, ehemaliger Leiter des Historischen Museums Bern, skizziert den erfolgreichen Weg des Historischen Museums Bern und nennt eine klare Vision, die Erfüllung der klassischen Kernaufgaben des Museums und strategische Planung als Erfolgskriterien.

Dani Suter, Kaufmännischer Leiter Augusta Raurica in Augst, betont die zentrale Rolle eines integrierten Qualitätsmanagements als wichtigen Erfolgsfaktor für ein Museum. Am Beispiel des Zertifizierungsprozesses nach ISO 9001 zeigt Suter das Lernpotenzial in einer Museumsorganisation auf und weist auch auf die Grenzen eines Total Quality Management hin. Wichtig ist eine klare Zielsetzung und Vorstellung über die angestrebten Qualitätsziele, ein permanenter Einbezug aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und das Beginnen in kleinen Schritten nach dem Motto: Think Big Start Small.

Janina Dittes, Marketingleiterin der Fondation du Château de Chillon in Veytaux, zeigt auf, wie das Ziel der Stiftung Qualität und Authentizität der Leistung im Bereich des Marketing auf höchst professionellem, anspruchsvollem Niveau umgesetzt werden kann. Neben der Vorstellung effektiver Marketinginstrumente und dem Schutz der Marke weist die Referentin auf die Wichtigkeit des Einsatzes von Controllinginstrumenten hin. In einer lebendigen Abschlussdiskussion zwischen den Referenten und Referentinnen unter späterem Einbezug der Tagungsbesucher wird der Zusammenhang von Erfolg und Qualität diskutiert, denn: es gibt Institutionen mit einer hohen
Qualitätsperformance, die dennoch nicht erfolgreich sind und einige Diskussionsteilnehmer sind umgekehrt davon überzeugt, dass es erfolgreiche Museen gibt, bei denen Qualität nicht an vorderster Stelle steht. Von einer Akkreditierung beziehungsweise Zertifizierung sind die Experten der Diskussionsrunde wenig überzeugt. Vielmehr sollten die Museen ihren eigenen Weg zur Qualität finden. Fazit der Korrespondentin: Zur Qualität eines Museums gehört neben der fehlerfreien Abwicklung der Prozesse und einer konsequenten Kundenorientierung (effizienz) auch eine klare Vision der Museen, welchen Beitrag sie zur Gesellschaft leisten möchten (Wirkung, effektivität). Die Entwicklung eines Qualitätskonzeptes und die Durchführung der Qualitätsmessung, wie das Finden von Indikatoren und die Anwendung von Messmethoden und -instrumenten scheint die Grosszahl der Museen zu überfordern. Eine enge Zusammenarbeit des Verbandes und der Museen mit Forschungsinstitutionen könnte einen qualitätsvollen Beitrag auf dem Weg zu einem Guten Museum leisten.¶

, ist Dozentin für Qualitätsmanagement/Evaluation und Projektleiterin für Forschungs- und Dienstleistungsprojekte am Zentrum für Kulturmanagement (ZKM) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Seit Jahren führt das ZKM Publikumsbefragungen und Marktanalysen durch und trägt mit seinen Gutachten und Evaluationen, Business- und Strategiekonzepten zur Förderung der Qualität in der Kultur bei.
www.zkm.zhaw.ch
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