10.10.2018

Themenreihe Karriere

Autor*in

Tom Schößler
ist kaufmännischer Geschäftsführer der Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen. Zuvor war er Verwaltungsleiter im Theaterhaus Stuttgart. Er studierte Betriebswirtschaft in Stuttgart und Madrid und Kulturmanagement in Ludwigsburg. Zudem arbeitet er freiberuflich als Finanz- und Marketingberater für verschiedene Kulturbetriebe sowie als Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen.
Patrick S. Föhl
ist Gründer und Leiter des »Netzwerks Kulturberatung« in Berlin. Er ist ein international agierender Kulturentwicklungsplaner und Kulturmanagement-Trainer und führte über 20 Kulturentwicklungsplanungen im In- und Ausland durch. Als Referent und Trainer ist er weltweit an Hochschulen und Einrichtungen tätig. Er publiziert regelmäßig in den Bereichen Kulturpolitik sowie Kulturmanagement und ist Beirat im Bereich »Bildung und Diskurse« des Goethe-Instituts.
Julia Jakob
studierte Musikwissenschaft und Kulturmanagement in Weimar. Praktische Erfahrungen im Kulturbetrieb sammelte sie bisher durch ihre Mitarbeit bei unterschiedlichen Festivals und in verschiedenen Veranstaltungsbüros sowie als Agentin bei weim|art e. V.
Kristin Oswald
leitet die Online-Redaktion von Kultur Management Network. Sie studierte Geschichte und Archäologie in Jena und Rom sowie Social Media-Marketing in Berlin. Sie ist freiberuflich in der Wissenschaftskommunikation und im Museumsmarketing mit Schwerpunkt online tätig.
Kultur-Karrieren

Keine Angst vor dem Außergewöhnlichen Teil II

In einer öffentlichen Kultureinrichtung arbeiten? Oder lieber gründen? Theater oder Museum? Der Kulturbereich bietet verschiedenste Karriereoptionen. Wie diese aussehen können, zeigt unsere Interviewreihe mit karriere-mutigen Kulturschaffenden. Diesmal haben uns Tom Schößler und Patrick Föhl Rede und Antwort gestanden.
Tom Schößler hat als Betriebswirtschaftler ganz ohne Kulturkontext begonnen, seitdem verschiedene Kultursparten durchlaufen und ist heute, mit Mitte 30, kaufmännischer Geschäftsführer eines Museums.
 
Was war dein Traumberuf als du ein Kind warst?
 
Wahrscheinlich Fußballspieler.
 
Wie verlief dein bisheriger beruflicher Werdegang? Würdest du ihn als außergewöhnlich bezeichnen?
 
Nach dem BWL-Studium war ich einige Jahre bei einem großen Automobilzulieferer. Auch wenn das ein sehr abwechslungsreicher Job war, wollte ich irgendwann etwas machen, was mehr Sinnstiftung verspricht. Ich habe dann ein freies Theater nebenberuflich unterstützt und kam darüber zum Aufbaustudium Kulturmanagement in Ludwigsburg. Nach dem Studium dort bin ich als stv. Verwaltungsleiter beim Theaterhaus Stuttgart eingestiegen. Seit letztem Jahr bin ich kaufmännischer Geschäftsleiter in der Weserburg | Museum für moderne Kunst in Bremen. Für mein Empfinden und für heutige Verhältnisse sind Branchenwechsel völlig normal. Ich kenne sehr viele Leute, die mittlerweile etwas völlig anderes machen als noch vor zehn Jahren. Auch der Schritt vom Theater zum Kunstmuseum ist für Kulturmanager vielleicht nicht alltäglich, aber auch das erscheint mir nicht außergewöhnlich.
 
Wie strategisch hast du deine Karriere geplant? Hattest du an bestimmten Punkten Zweifel oder sind unvorhergesehene Dinge geschehen? Wie bist du damit umgegangen?
 
Ich würde sagen, mit jeder Joberfahrung entwickelt sich eine gewisse Vorstellung von dem, was ich gerne machen möchte und was nicht. Aber es gibt keinen genauen Plan. Wer weiß, vielleicht macht meinen Job bald eine Künstliche Intelligenz. Das Wort Zweifel finde ich zwar ein bisschen negativ konnotiert, aber wenn man nicht ab und an hinterfragt, was man tut, wird man träge. Unsicherheit auszuhalten ist eines dieser Dinge, die man als Manager von der Kunst lernen kann.
 
Welche Tipps oder Ratschläge würdest du anderen KulturmangerInnen für eine Karriere im Kulturbetrieb mitgeben?
 
Allgemeine Tipps sind sehr schwer zu geben, weil jedem etwas anderes wichtig ist. Ich denke, wenn man Karriere nicht als Leiter versteht, sondern als Abschnitte, in denen man das jeweils Passende zur eigenen Lebenslage finden muss, ist man schon ganz gut beraten.
 
 
 
Patrick Föhl schaut lieber von außen auf Kultureinrichtungen als in ihnen zu arbeiten. Schon kurz nach dem Studium hat er sich selbstständig gemacht und berät und forscht seitdem dazu, wie man den Kulturbereich in die Zukunft bringen kann.
 
Was war Ihr Traumberuf als Sie ein Kind waren?
 
Zuerst habe ich eine professionelle Basketball-Karriere angestrebt, dann wollte ich Pilot werden, allerdings war ich für diesen Beruf bei der Lufthansa 2 cm zu groß.
 
Wie verlief Ihr bisheriger beruflicher Werdegang? Würden Sie ihn als außergewöhnlich bezeichnen?
 
Ich habe bereits mit 18 meinen ersten Job im Kulturbereich gehabt und vieles ausprobiert. Im Studium beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Seitdem habe ich als Kulturbegleiter, -experte und -moderator für rund 100 Auftraggeberinnen und Auftraggeber im In- und Ausland gearbeitet, viel publiziert und als Dozent sowie Trainer in zahlreichen Ländern der Welt arbeiten dürfen.
 
Meinen Werdegang würde ich nicht als außergewöhnlich bezeichnen. Vielmehr ist er eine individuelle Entwicklung entlang meiner Fähigkeiten, die ohne Netzwerke, Kooperationen, großartige Kolleginnen und Kollegen sowie Mut zu neuen Wegen nicht denkbar wäre.
 
Wie strategisch haben Sie Ihre Karriere geplant? Hatten Sie an bestimmten Punkten Zweifel oder sind unvorhergesehene Dinge geschehen? Wie sind Sie damit umgegangen?
 
Der Sprung in die Selbstständigkeit war nicht durchgeplant. Vielmehr hat sich mit dem Ausbau von Wissen, Netzwerken und Erfahrungen sehr schnell gezeigt, wo es im Feld strategischer Kulturentwicklung Bedarfe gibt, für die sich auch eine Finanzierung finden lässt. Ein Schlüssel war hier die Verbindung von praktischen Zugängen mit theoretischen Ansätzen sowie wissenschaftlichen und partizipatorischen Methoden.
 
Zweifel an der eigenen Arbeit bzw. an deren Wirkung ist wichtig, um nicht stehen zu bleiben. Für neue Ansätze braucht es eine offene Kommunikation mit den Partnerinnen sowie Partnern darüber, dass Transformation häufig auch mit Konflikten verbunden ist, die sich konstruktiv auflösen lassen, wenn man dem gemeinsam entwickelten Prozess Vertrauen und Zeit schenkt.
 
Welche Tipps oder Ratschläge würden Sie anderen KulturmangerInnen für eine Karriere im Kulturbetrieb mitgeben?
 
Eine Karriere im Kulturbereich ist m.E. nur fruchtbar und erfüllend wenn man von den ästhetischen sowie gesellschaftlichen Gestaltungskräften von Kunst und Kultur überzeugt ist, Freude und Interesse daran hat. Essentiell ist dabei auch die eigene Nutzung von Kultur, also Lesen, Sehen, Besuchen, Erleben oder gar selber etwas »produzieren«.
 
Darüber hinaus ist es m.E. wichtig, dass man sich rasch seiner Fähigkeiten und Interessen bewusst wird, um seinen Platz im Kulturbereich zu finden. Neben spezifischen Kenntnissen von Theorie und kulturmanagerialen Instrumenten wächst der Bedarf an sog. »Masters of Interspaces«, ein Modell, dass Gernot Wolfram und ich entwickelt haben. Diese wirken als Moderatoren, Mediatoren und Netzwerker in den vielfachen Zwischenräumen innerhalb des Kulturbereichs (z. B. bei spartenübergreifenden Projekten) und mit anderen Feldern wie der Bildung, dem Tourismus oder der Stadtentwicklung. Dafür ist der Aufbau eigener – bestenfalls internationaler – Netzwerkstrukturen heutzutage unabdingbar.
 
 
Die Interviews führten Kristin Oswald und Julia Jakob.