18.02.2019

Themenreihe Karriere

Autor*in

Jaana Rasmussen
ist Kultur- und Medienmanagerin und berät Unternehmen und Organisationen in Strategie, Kommunikation und Führung. Sie lehrt an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und an der Hochschule für Musik und Theater.
Nikolas Schriefer
studierte Musik und Betriebswirtschaft. Er ist Gründer von Stagelink, einem Software-Unternehmen für Veranstalter und Vermarkter von Events, das digitale Marketing-Kampagnen algorithmisch steuert und Resultate vorhersagt.
Julia Jakob
studierte Musikwissenschaft und Kulturmanagement in Weimar. Praktische Erfahrungen im Kulturbetrieb sammelte sie bisher durch ihre Mitarbeit bei unterschiedlichen Festivals und in verschiedenen Veranstaltungsbüros sowie als Agentin bei weim|art e. V.
Kristin Oswald
leitet die Online-Redaktion von Kultur Management Network. Sie studierte Geschichte und Archäologie in Jena und Rom sowie Social Media-Marketing in Berlin. Sie ist freiberuflich in der Wissenschaftskommunikation und im Museumsmarketing mit Schwerpunkt online tätig.
Kultur-Karrieren

Keine Angst vor dem Außergewöhnlichen Teil V

Die meisten Kulturschaffenden haben schon als Kind eine Passion für Kunst und Kultur. Doch auch wenn man diese strikt verfolgt, kann sie die eigene Karriere in ungeahnte Bahnen lenken, wie bei Jaana Rasmussen und Nikolas Schriefer.
Jaana Rasmussen liebte schon immer Geschichten und wollte auch selbst welche erzählen. Dabei ist sie geblieben, auch wenn sie sich heute weniger mit Mac Beth als mit Erzählungen und Visionen von und für ManagerInnen beschäftigt.
 
Was war Ihr Traumberuf als Sie ein Kind waren?
 
Als ich Teenager war, wurde in Bremen die Shakespeare Company gegründet. Ich war jeden Tag nach der Schule bei den Proben und wollte unbedingt am Theater arbeiten. Mein Traumberuf war, Geschichten auf die Bühne zu bringen und genau das mache ich heute als Storydeveloper, indem ich Menschen und Organisationen im Storytelling unterstütze.
 
Wie verlief Ihr bisheriger beruflicher Werdegang? Würden Sie ihn als außergewöhnlich bezeichnen?
 
Nach dem Abitur habe ich Bühnenbild und Audiovisuelle Medien in Groningen studiert, habe dann für eine Spielzeit am Bremer Theater gearbeitet und schnell gemerkt, dass mich Führung und Organisation mehr begeistern als die Kunst. Ich habe dann in Hamburg Kultur- und Medienmanagement studiert und war anschließend in verschiedenen NGOs und Beratungsunternehmen tätig. Nach der Geburt meiner Söhne habe ich angefangen, als Dozentin am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und interimsweise als Managerin in verschiedenen Positionen zu arbeiten. Beratung, Training und Coaching machen mir großen Spaß, deswegen habe ich zusätzlich eine Coachingausbildung und eine Weiterbildung zur Systemischen Prozessberaterin gemacht. Inzwischen arbeite ich sowohl mit großen Unternehmen als auch mit gemeinnützigen Organisationen des Kultur- und Bildungssektor und für Behörden. Die Vielfalt ist gut, weil ich immer wieder die Perspektive wechsele.
 
Wie strategisch haben Sie Ihre Karriere geplant? Hatten Sie an bestimmten Punkten Zweifel oder sind unvorhergesehene Dinge geschehen? Wie sind Sie damit umgegangen?
 
Meine Karriere habe ich bis vor ca. 2 Jahren nicht strategisch geplant, sondern eher interessengeleitet. Meine größte Krise war, als ich von einem Tag auf den anderen eine Stelle aufgeben musste, weil mein Sohn in der Grundschule große Probleme hatte. Ich habe mich dann intensiv in Bildungspolitik und Begabtenförderung eingearbeitet und nach zwei Jahren einen Bürgerschaftsbeschluss für mehr Begabtenförderung an den staatlichen Schulen Hamburgs bewirkt. In der Zeit habe ich kaum Geld verdient, aber unheimlich viel über Kommunikation, Politik und professionelle Interessensvertretung gelernt.
 
Welche Tipps oder Ratschläge würden Sie anderen KulturmangerInnen für eine Karriere im Kulturbetrieb mitgeben?
 
Baut Euch so früh wie möglich ein berufliches Netzwerk auf und pflegt das professionell. Werdet Spezialisten für bestimmte Themen und werdet damit sichtbar, mit Veröffentlichungen, Aufritten und auf Konferenzen. Sorgt selbst für Engagements und Arbeit; wartet nicht darauf, dass euch jemand eine Chance gibt oder mitzieht. Investiert in Weiterbildung und sprecht mit Menschen, die spannende Dinge machen. Engagiert euch gesellschaftlich.
 
 
 
Musik und Mathematik liegen nicht weit auseinander. Vielleicht konnte Nikolas Schriefer sich deshalb lange nicht zwischen beiden entscheiden – und hat schließlich in einer eigenen Unternehmensgründung einen Weg gefunden, sie miteinander zu kombinieren.
 
Was war dein Traumberuf als Kind?
 
Als Kind habe ich nicht über eine professionelle Karriere nachgedacht. Meine Leidenschaft war immer die Musik; schon während der Schule habe ich im In- und Ausland Tourneen gespielt, Alben aufgenommen, Musik komponiert und produziert. Damit habe ich auch Geld verdient, einen Beruf als Musiker allerdings nie ernsthaft in Betracht gezogen. Da ich mich außerdem sehr für Wirtschaft, Mathematik und Technologie interessiert habe, bewarb ich mich um ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik. Erst als ich diesen Platz bekommen hatte, realisierte ich, dass sich damit mein Leben extrem verändern würde, und der Gedanke, die Musik derart in den Hintergrund zu rücken, gefiel mir nicht. Daher entschloss ich mich kurzerhand, doch Musik und nur "nebenbei" auch Betriebswirtschaft zu studieren.
 
Wie verlief dein bisheriger beruflicher Werdegang? Würdest du ihn als außergewöhnlich bezeichnen?
 
Gibt es heute überhaupt noch einen "gewöhnlichen" Werdegang? Von meinen Freunden und Kollegen höre ich fast ausschließlich verrückte Geschichten mit einer Vielzahl von persönlichen und professionellen "Pivots". Bei mir nicht anders: Den Studienplatz in Wirtschaftsinformatik an einer privaten Eliteuniversität gab ich für das Musikstudium auf und ging für ein Jahr nach New York, um mich voll auf die Musik zu konzentrieren. Im Verlauf stellte ich fest, dass die Musikindustrie extrem konservativ ist, mit vielen ineffizienten, analogen Prozessen in einer digitalen, datengetriebenen Welt. Daher gründete ich mein eigenes Unternehmen (stagelink.com), um diese Situation zu verbessern.
 
Wie strategisch hast du deine Karriere geplant? Hattest du an bestimmten Punkten Zweifel oder sind unvorhergesehene Dinge geschehen? Wie bist du damit umgegangen?
 
Bis zur Unternehmensgründung nach dem Studium war nur wenig in meinem Leben langfristig geplant. Vielmehr genoss ich viele glückliche Zufälle, traf viele großartige Menschen und lernte ständig neue Fertigkeiten, was einen großen Teil meiner täglichen Motivation ausmacht. Damals und auch jetzt als Unternehmer muss ich stets mit großer Ungewissheit umgehen. Das kann manchmal beängstigend, aber auch befreiend sein.
 
Welche Tipps oder Ratschläge würdest du anderen KulturmangerInnen für eine Karriere im Kulturbetrieb mitgeben?
 
Ich kann es nur gut auf English ausdrücken: "Embrace the serendipity." Außerdem lohnt es sich, ein starkes Netzwerk von Freunden, Lern- und Geschäftspartnern aufzubauen und zu pflegen. Und hört nie auf zu lernen, sonst kommt ihr irgendwann nicht mehr mit.
 
 
Die Interviews führten Julia Jakob und Kristin Oswald.