25.01.2019

Themenreihe Karriere

Autor*in

Karin Wolf
ist Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, Wien. Sie ist seit 1984 im internationalen Kulturbereich tätig und hat regelmäßig Lehraufträge zu Kulturmanagement inne, u.a. in Wien, Graz und Belgrad. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Personalentwicklung, Jobcoaching und Karriereplanung, Teamentwicklung und Führungskräftetraining, PR- und Marketing.
Neue Aufgaben für KulturmanagerInnen

Die Chance der Transformation

Die Gesellschaft verändert sich in ungeheurem Tempo. Kulturschaffende sind dabei nicht nur passiver Teil dieser Transformationen, sondern MitgestalterInnen. Für den Beruf der KulturmanagerIn bedeutet das, sich auf immer neue Aufgabenfelder einzustellen und diese auch in die eigene Karriereplanung einzubeziehen.
Der Kultursektor ist als Arbeitsplatz unverändert attraktiv und insbesondere Kulturmanagement-Ausbildungen, egal ob einzelne Seminare oder mehrsemestrige Lehrgänge, sind gut gebucht. Paradoxerweise werden die Arbeitsbedingungen im Kultursektor von den zuständigen Interessensgemeinschaften aber zu Recht immer wieder kritisiert. In Österreich hat die IG Kultur z.B. die Kampagne Fair Pay ins Leben gerufen, die Lohndumping entgegentritt und Honorarrichtlinien erstellt, um auf den Wert von Kulturarbeit (künstlerisch produzierender ebenso wie organisatorischer Arbeit) hinzuweisen. Damit soll bei allen Beteiligten, den ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen, ein Bewusstsein für faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden und längerfristig nachhaltige Verbesserungen erreicht werden.

Für Menschen, die in der Kultur arbeiten, ist der ideelle Gewinn oft wichtiger als der monetäre. Sie wollen sinnstiftende Arbeit leisten und die Gesellschaft mitgestalten. Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten und Themen ist ihnen eine persönliche Bereicherung, ebenso wie der Umstand, dass sie gemeinsam mit anderen eigene Ideen verwirklichen können. Auch das Bild vom „schönen“ Arbeitsplatz ist nicht unwesentlich. Viele Kulturschaffende besuchen auch oft nach Dienstschluss Aufführungen und Ausstellungen in dem Bewusstsein, einen wesentlichen Teil zu deren Zustandekommen geleistet zu haben. Damit partizipieren sie am Erfolg und erleben immer wieder eine Bestätigung der eigenen Leistung. Wenn ein Kulturbetrieb gut geführt wird, gibt es zudem Kollegialität, Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit, eine funktionierende Work Life-Balance zu finden. Zugleich stellen KulturmanagerInnen oft Selbstverwirklichung vor Auftragserfüllung sowie Gestaltungswillen vor Gewinnmaximierung, sie möchten sich im Laufe ihres Arbeitslebens kontinuierlich weiterentwickeln und dazu lernen.
 
Eine typische Karriere im Kulturmanagement kann als Studentenjob, an der Kasse oder an der Garderobe beginnen und im Lauf der Jahre Positionen in verschieden Abteilungen beinhalten bis zu einer Führungsposition wie Leitung des Marketings oder der Personalabteilung. Typisch ist auch die „Durchlässigkeit“ der verschiedenen Szenen: Menschen starten in der Alternativkultur und übernehmen später Positionen in etablierten Häusern. Auch die Kunstsparte kann sich im Laufe einer Kulturmanagement-Karriere ändern: Von der Musik zum Theater, vom Filmfestival zur Oper.
 
Ein zweiter Karriereverlauf ist die Selbstständigkeit, die manchmal eine Notlösung mangels Jobangebot, manchmal eine bewusste Entscheidung mit einer Geschäftsidee ist. Selbstständige KulturmanagerInnen sind oft im Umfeld der Creative Industries tätig, im Medien-, Design- oder Architekturbereich. Egal, ob angestellt oder selbstständig, die Basis für alle notwendigen Kompetenzen ist eine unternehmerische Grundhaltung. Diese zeichnet sich aus durch eine Klarheit über die eigenen Ziele, eine realistische Einschätzung des Risikos und durch eine deutliche Haltung gegenüber aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Themen.
 
Gesellschaftlicher Auftrag für Kulturbetriebe
 
Die aktuellen gesellschaftlichen Transformationen führen dazu, dass KulturmanagerInnen immer öfter Aufgaben übernehmen, die über das Produzieren und Organisieren von Kunst und Kultur hinausgehen, wie z.B. soziales Engagement im Kontext der Flüchtlingsbetreuung oder der Bildungs- und Sozialarbeit. Auch die Politik knüpft Förderungen zunehmend an soziale Aufgaben oder Bildungsaufträge und ruft Programme und Projekt ins Leben, die gesellschaftlich benachteiligte Gruppen an die Kultur heranführen sollen. Damit ist kultur- und gesellschaftspolitische Haltung mehr gefragt denn je. Das wiederum ist eine Möglichkeit mehr, sich aktiv und gestaltend bei seinen Aufgaben einzubringen und mit anderen gesellschaftlichen Akteuren in Kontakt zu treten, denn der Kulturbetrieb kann es sich nicht mehr leisten, ein Elfenbeinturm zu sein.
 
Was gilt es also zu beachten, wenn eine Karriere im Kulturmanagement geplant wird? Im Kultursektor ist es besonders wichtig, auf die Wertschätzung der eigenen Leistung zu achten, das zeigt sich in der Qualität der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Ein realistisches Karriereziel ist es, sich gut bzw. sehr gut die Existenz zu sichern und zugleich eine erfüllende Tätigkeit zu verrichten. Dies kann nur gelingen, wenn man von Beginn an selbstbewusst und mit Nachdruck den Wert der eigenen Arbeit kommuniziert und sich um die Bereitstellung ausreichender Ressourcen kümmert.
 
Es besteht stets die Gefahr, dass man sich durch das eigene Engagement für die Kunst und die Freude an der Sache dazu verleiten lässt, sich selbst und andere auszubeuten. Die eigenen Bedürfnisse und die des Teams dürfen aber immer nur in Ausnahmesituationen und nur für kurze Zeit (Premiere, Ausstellungseröffnung, etc.) hinter das künstlerische Anliegen gestellt werden.
 
Kompetenzen zur Bewältigung der Transformation
 
Traditionellerweise erlernen KulturmanagerInnen die notwendigen Fähigkeiten in der Praxis, individuelles Erfahrungswissen spielt in diesem sehr facettenreichen Beruf nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Praxiserfahrung hat an Relevanz nichts verloren, wie ein Blick in Stellenausschreibungen beweist, in denen diese immer gefordert ist. Gerade am Beginn der Karriere ist es wichtig, rasch in die Praxis einzusteigen und durch Projekte oder Praktika in möglichst unterschiedlichen Organisationen und Sparten Erfahrungen sammeln zu können.
 
Um mit den aktuellen und immer schneller stattfindenden Entwicklungen Schritt halten zu können, ist es unerlässlich, auch die eigene Weiterbildung als Teil der Karriereplanung zu verstehen und sich regelmäßig neues Wissen anzueignen. Die Auswahl der Inhalte und Formate, die man sich aneignen möchte, hängt von den individuellen Bedürfnissen, Interessen und Stärken ab. Zu den Kenntnissen und Kompetenzen, die sich Menschen während einer Kulturmanagementausbildung aneignen möchten, zählen unverändert die „Klassiker“ Projektplanung und -organisation, Kommunikations- und Präsentationstechniken, Finanzierung und Förderung. Das Feld PR und Marketing befindet sich in permanenter Veränderung und Erweiterung. Auch Wissen über Audience Development ist im Kontext einer transkulturellen Gesellschaft notwendig. Unternehmerisches Handeln (strategisches Denken, Führungskompetenz, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse) gewinnt ebenso an Bedeutung, dem Umstand geschuldet, dass die staatlichen Förderungen zurückgehen und Geld zunehmend erwirtschaftet werden muss.
 
Wie stellt sich die Sache aus Sicht der Kulturbetriebe dar und was erwarten sie von ihren MitarbeiterInnen? Kulturbetriebe sind durch die Reduktion der Förderungen oft vor die Entscheidung gestellt: Sparen am Programm oder Sparen am Personal? Leider führt das nicht selten dazu, dass weniger Personal den gleichbleibenden Arbeitsaufwand leisten muss. Führungskräfte beantworten die Frage nach dem/r perfekten MitarbeiterIn oft mit folgenden Schlagworten: selbstständiges Denken, in der Lage Verantwortung zu übernehmen und Branchenkenntnis. Ungewöhnliche und abwechslungsreiche Lebensläufe stoßen durchaus auf Interesse, hier besteht in der Regel Offenheit für Individualität und Persönlichkeit. Das Bewusstsein, dass MitarbeiterInnen, einmal ausgewählt und eingestellt, auch Unterstützung innerhalb der Organisation bekommen sollen, setzt sich allerdings erst sehr langsam durch und manifestiert sich in einzelnen Häusern in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, Inhouse-Trainings und Team-Entwicklungsseminaren. Es zeichnet sich ab, dass jene Kulturinstitutionen, die in ihre MitarbeiterInnen und deren Weiterentwicklung investieren, die anstehenden Transformationen besser bewältigen werden.
 
Dieser Beitrag erschien zuerst im Kultur Management Network Magazin Arbeitsmarkt Kultur.