12.02.2016

Autor*in

Michaela Trauchburg
Eva Göbel
verantwortet die Drittmittelakquise für den städtischen Eigenbetrieb „JenaKultur“. Zuvor arbeitete sie als Kulturmanagerin u.a. für die IBA Thüringen, als Redakteurin und Journalistin, unter anderem bei Kultur Management Network. Sie studierte Literatur, Kunst und Kultur in Göttingen, Paris und Jena.
Rückblick Fachtag Kulturfundraising in Österreich

Es geht um mehr als Geld

Am 6. November veranstaltete der Fundraising Verband Austria in Wien seinen Fachtag Kulturfundraising. ExpertInnen aus der Praxis beschäftigten sich dabei ausgiebig mit der Frage nach erfolgreichen und vor allem nachhaltigen Sponsoring- und Fundraisingstrategien.
Kulturfinanzierung ist ein Dauerthema. Kein Wunder also, dass die Diplomatische Akademie Wien zum Fundraising Kongress 2015 viele BesucherInnen anzog, die dem Wissen internationaler ExpeterInnen lauschen wollten. Wie gewinnt meine Einrichtung Großsponsoren? Wie etabliert und pflegt man Freundeskreise in der Kultur? Welche steuerlichen Implikationen sind bei den unterschiedlichen Finanzierungsmodellen zu beachten? Das waren die häufigsten Fragen vieler TeilnerhmerInnen aus dem österreichischen Kultursektor.
 
Die 10 Mythen des Kulturfundraisings
 
Die Antworten auf diese Fragen aus dem Kulturbetrieb sind leider selten originell und halten auch oft empirischen Untersuchungen nicht stand. David Dixon, Experte für Kulturfundraising aus Großbritannien, veranschaulichte mit seinem Vortrag über die 10 Myths of Cultural Fundraising die größten Missverständnisse und Halbwahrheiten, über die viele deutschsprachige Kulturmanager auf ihrer Suche nach finanziellen Mitteln stolpern.
 
  1. Das klappt hier nicht (erfolgreiche Fundraising-Strategien aus anderen Ländern übertragen)
  2. In den USA und Großbritannien gibt eine ausgeprägtere Kultur des Gebens
  3. Großunternehmen bieten alle Vorteile
  4. Unternehmen sind die wichtigste Quelle für Fundraising-Netzwerke
  5. Steuervergünstigungen sind entscheidend für die Spender
  6. Die Spender wollen Gegenleistungen
  7. Partnerschaften und Schirmherrschaften sind für den Erfolg der Fundraisingstrategie wichtig
  8. Wir (Kulturschaffende) streiten uns alle um dasselbe Stück Kuchen
  9. Wenn wir einen Fundraiser engagieren, ist das Problem gelöst
  10. Im Fundraising gehts ums Geld
Das Fundraising einer Kultureinrichtung sollte statt diesen Wahrheiten zu folgen besser ganzheitlich auf ihre Führungspersönlichkeiten, das Wesen der Einrichtung, ihre Inhalte und anderweitigen Kooperationen ausgerichtet sein. Potenziell jede/r MitarbeiterIn sollte das Fundraising-Konzept der eigenen Einrichtung verstehen und im Rahmen der Corporate Identity nach außen vertreten können. Glaubwürdigkeit und Authentizität sowie der persönliche Kontakt zu spendenbereiten Gruppen sind ausschlaggebend.
 
Trotzdem bleibt alles beim Alten
 
Obwohl die Key Note von David Dixon verdeutlichte, dass es bei Kooperationen zwischen Wirtschaft und Kultur um weit mehr als Spendenabsetzbarkeit bzw. monetäre Gegenleistungen geht, blieben viele Diskussionen bei dem Thema Steuerrecht und gesetzliche Rahmenbedingungen hängen. Und das aus aktuellem Anlass: in Österreich soll das Gemeinnützigkeitsgesetz reformiert werden. Die 2015er Gesetzesvorlage sieht vor, dass erstmals auch Körperschaften, die die österreichische Kunst und Kultur fördern, zum Kreis begünstigter Spendenempfänger gehören. Das bedeutet, dass die Spender ihre Spenden etwa als Unternehmensausgaben steuerlich absetzen können. Das war bisher für gemeinnützige kunst- und kulturfördernde Organisation nicht automatisch gegeben. Allerdings enthält das neue Gesetz eine Reihe von Einschränkungen, über die auf dem Podium Perspektiven und Potenziale der Kulturfinanzierung Andrea Ecker (Bundeskanzleramt), Ruth Goubran (ERSTE Group, Leitung Sponsoring), Kathryn List (AVL Cultural Foundation) und Gabriele Gerbasits (IG Kultur) diskutierten.
 
Von der Spendenabsetzbarkeit profitieren laut dem neuen Gesetz nur Einrichtungen, die regelmäßig, d.h. mindestens alle zwei Jahre, eine Förderung von Ländern oder Bund erhalten. Kulturelle Organisationen, die sich noch nicht durch staatliche Förderung etabliert haben, haben demnach keine Chance auf eine steuerbegünstigte Behandlung ihrer Spender. Dies bleibt den etablierten Organisationen vorenthalten. Gabi Gerbasits von der IG Kultur Österreich merkte kritisch an, dass bei der Entwicklung des neuen Gesetzes zur Spendenabsetzbarkeit von Kultur, das von der Intention her durchaus zu begrüßen sei, die Stimmen der kleineren und mittleren Kulturbetriebe nicht gehört wurden. Gerade diese Betriebe leisten aber als kulturelle Nahversorger österreichweit einen ganz unverzichtbaren Beitrag zum Kulturangebot und sind von Finanzkürzungen existenziell bedroht, so betonte sie. Dementsprechend werden jene bestraft, die keine kontinuierliche staatliche Förderung erhalten, aber mit viel privatem Engagement und unzähligen ehrenamtlichen Stunden ihr Programm umsetzen.
 
Allerdings kommt eine Evaluierung der ausgeweiteten steuerlichen Spendenabsetzbarkeit in Österreich zu dem Schluss, dass die Spendenabsetzbarkeit nur einer von mehreren Faktoren ist, der das Spendenverhalten beeinflusst. Tatsächlich zeigten bereits ältere Studien, dass der steuerliche Aspekt ein weniger bedeutender Grund zum Spenden ist als andere.
 
Heißt gemeinnützig automatisch unprofitabel?
 
Unter dem Titel die Kunst des Neuen Geldes widmete sich Paul Gessl, Geschäftsführer der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft (NÖKU), den Auswirkungen politischer Gesetzgebung auf die erfolgreiche Durchführung von Fundraising. So wird in der steuerrechtlichen Gesetzgebung oft nicht hinreichend beachtet, dass Kulturbetrieben auch eine gewisse wirtschaftliche Rentabilität eingeräumt werden muss. Wenn etwa durch die Gemeinnützigkeit einiger Organisationsformen ausgeschlossen wird, dass unternehmerisch gehandelt werden kann, führt das langfristig zu einer fortbestehenden Abhängigkeit des Kultursektors von der öffentlichen Hand. Hier Freiräume zu schaffen, die unternehmerisches Handeln und gemeinnützige, kulturelle Werte zusammen bringen, sei für eine nachhaltige finanzielle Selbststabilisierung des Kultursektors wichtig. Als spezifisch österreichisches Hindernis beklagte Gessl den Anti-Korruptionsparagrafen, der erfolgreiches Sponsoring unnütz erschwere. Die Finanzierungsprinzipien der NÖKU Gruppe stützen sich auf Gemeinnützigkeit, Private Public Partnership, Fördervereine und Sponsoren. Dabei wird kontinuierlich an der steuerlichen und abgabentechnischen Optimierung gearbeitet. Wichtig dabei ist auch die Sicherstellung der Prinzipien der Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitiger Sicherstellung der kulturellen Interessen, so Gessl. Ziel aller Maßnahmen sei die Integration und langfristige Bindung von Anteilseignern und Sponsoren.
 
Erkenntnisse umsetzen und Neues wagen
 
Der Fachtag Kulturfundraising hat gezeigt, wie wichtig und interessant es für Kultureinrichtungen sein kann, Input und Vergleiche aus dem Ausland heranzuziehen, um Finanzierungsansätze und Fundraising auszubauen und attraktive Partner für externe Geldgeber zu werden. Anstatt diese Ansätze für die hiesigen Bedarfe zu vertiefen, stand der Aspekt der Steuervergünstigungen jedoch im Mittelpunkt der Diskussionen, obwohl er vor Ort von Dixon als Mythos entlarvt worden war. Die Kritik an den Rahmenbedingungen des Staates dominierte hier also, wie oft in der Kultur, vor der Reflexion nach innen.
 
Den Kernsatz der Veranstaltung sprach Kathy List, Chairwoman der AVL Cultural Foundation, indem sie die persönliche Interaktion und das authentische Engagement als zentralen Erfolgsfaktor von Fundraising benannte: People give to people!
 
Mehr Informationen auf der Fundraising Verband Austria
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