17.02.2016

Autor*in

Zenaida des Aubris
ist Beraterin für internationale kulturelle Events und kann auf über 25 Jahre Erfahrungen in Management und Produktion klassischer Musik in Amerika, Europa und Asien zurückblicken.
Rückblick KulturInvest-Kongress 2015

Kulturfinanzierung ist nicht tot zu kriegen

Wenn sich über 500 Teilnehmer aus Kultur, Marketing, Politik und Wirtschaft treffen, kann man sicher sein, dass die Networking-Komponente nicht zu kurz kommt. Auch fachlich gab es beim KulturInvest Kongress 2015 wieder viele Beiträge zu Kulturmarketing und -sponsoring, die für Kulturmanager mit wenig Recherchezeit die wichtigsten Entwicklungen des letzten Jahres zusammenfassten. KulturInvest bleibt damit die Adresse für die Erkenntnis, dass die Perspektiven der Kulturfinanzierung nicht tot zu bekommen und Veränderungen vor allem im digitalen Bereich zu finden sind.
Am 29. und 30. Oktober fand in Berlin zum siebten Mal der KulturInvest-Kongress statt, der "größte Branchentreff für Kulturinstitutionen und Kultur Investoren. Mit mehr als 75 Referenten und etlichen Podiumsdiskussionen waren zwei intensive und volle Tage zu erwarten. Über den inhaltlichen Input hinaus bot der KulturInvest Kongress außerdem die Gelegenheit, sich, wie üblich bei solchen Treffen, zu vernetzen, neue Leute und ihre Projekte kennenzulernen.
 
Zwischen Vielfalt und Detail
 
Die Vorträge waren in 10 Kategorien unterteilt:
 
  • Unternehmerische Kulturförderung aber nachhaltig!
  • Öffentliche Kulturförderprogramme
  • Chancen & Risiken betriebswirtschaftlicher Modelle
  • Impulse aus dem Kultursponsoring-Markt
  • Die Macht der Kulturmarke
  • Digitale Strategien für die Kulturkommunikation
  • Vermarktung und Inszenierung von Cultural Spaces
  • Szenarien für die Zukunft des Stadtmarketings
  • Personalmanagement Herausforderung im Kulturbetrieb
  • Stiftungswesen und Kulturförderung
Zu jeder dieser Kategorien gab es ca. 6 Vorträge inkl. einem Topic-Partner, der zum jeweiligen Thema eine ausführliche Fallstudie vortrug. So war beispielsweise das Goethe-Institut der Partner für die öffentlichen Kulturförderprogramme.
 
Da es unmöglich war, alles abzudecken, konzentrierte ich mich auf die Präsentationen, die sich eher mit Finanzierung und digitalem Marketing beschäftigten. Und um es vorweg zu sagen: there is no such thing as a free lunch. In diesem Fall heißt das, dass auch auf einem Kongress jeder etwas verkaufen will und sei es nur sich selbst. Beim KulturInvest haben die Vertreter der präsentierenden Unternehmen ebenfalls vor allem über ihre Erfolgsgeschichten oder über die Produkte und Dienstleistungen berichtet, die sie verkaufen. Dabei ist gerade der Austausch über Probleme, Herausforderungen und passende Herangehensweisen und Lösungen oft etwas, das dem Kultursektor fehlt und das eine Fachkonferenz wie diese mit passenden Formaten in ihr Programm aufnehmen sollte.
 
Marketing Marketing
 
Trotzdem boten nicht wenige der Vorträge wichtige neue Inhalte. Eine der wertvollsten Präsentationen war die Vorstellung der neuen Richtlinien für Kulturförderung der Europäischen Union. Sabine Bornemann, Leiterin des Creative Europe Desk/ Cultural Contact Point Germany, hat das neue Programm vorgestellt, welches bis 2020 läuft und sich von seinem Vorgänger deutlich unterscheidet. Bornemann und ihr Team sind eine Fundgrube an Informationen für die EU-Förderprogramme. Jeder, der plant, sich mit EU Finanzierung auseinanderzusetzen, ist gut beraten, sich kostenlos bei ihnen über die labyrinthischen Anforderungen zu informieren. Schon die kurze Einführung in die immer komplexer werdenden EU-Förderpolitik für Kultur und der Prioritäten, Ziele, Förderkriterien und Antragsverfahren für grenzüberschreitende Kooperationsprojekte in den neuen Förderprogrammen war ungemein erhellend. Obwohl das neue Programm die Navigation durch die Regeln und Vorschriften erleichtern wollte, ist es immer noch gut zu wissen, dass der Cultural Contact Point Germany Beratung und Hilfe durch die komplizierten EU-Gewässer bietet.
 
Unter dem Titel Kulturmarketing 4.0 Willkommen im Mobilitiy Only Zeitalter! sprach Frank Tentler über die Wichtigkeit für Kultureinrichtungen und -projekte, mit aktuellen Kommunikationstrends mitzuhalten. Einer dieser Trends, mit dem sich Frank Tentler wie kaum ein zweiter in der deutschen Kulturlandschaft auskennt, heißt eindeutig mobile. Alle Informationen zu einer Einrichtung, einer Ausstellung, einer Vorführung müssen leicht mobil erhältlich sein, besonders wenn man die demographische Gruppe der unter 35-jähriger erreichen will. Aber auch über sie hinaus wächst die Smartphone-Nutzung unter den Deutschen kontinuierlich. Eine durchdachte mobile Strategie und Kampagnen sind also zunehmend erforderlich, um in der Zielgruppenkommunikation mit der Konkurrenz mitzuhalten. Wichtig ist das insbesondere für traditionelle Kulturbetriebe, die sich noch immer schwer damit tun, die Effektivität von Kommunikationskanälen wie Facebook und Twitter zu erkennen und sie professionell zu bedienen obwohl dies in der heutigen Zeit unerlässlich ist und neue digitale Trends stets auf dem Fuße folgen.
 
Sabine Haas, Geschäftsführerin der result GmbH Institut für digitalen Wandel, sprach über die Zusammenarbeit mit Bloggern. Diese Netzmultiplikatoren stellen ein großes Potential dar, da sie fester Teil und nicht selten Zentrum einer lebendigen Community mit großer Reichweite sind. Die Mitglieder dieser Community lassen sich nicht selten dazu motivieren, sich für Kulturprojekte aktiv einzusetzen wenn sie von ihnen erfahren! Für Kultureinrichtungen ist es deshalb wichtig, sich mit dieser Zielgruppe zu vernetzen. Das ist aber nur durch direkte und persönliche Ansprache möglich. Eine gute Möglichkeit für Kultureinrichtungen, eine Bindung zu diesen Multiplikatoren herzustellen, sind Maßnahmen wie Blogger Relations.
 
Philipp Wilimzig, Geschäftsführer der ikusei GmbH sprach über die wichtigsten Dimensionen einer erfolgreichen Website. Welche Faktoren beeinflussen deren Erfolg? Wie baue ich meine Website so auf, dass sie ihre (auch finanziellen) Ziele erreicht? Basierend auf einem 5-Phasen-Kaufentscheidungsmodell zeigte er die wichtigsten Aspekte bei der Konzeption einer neuen Seite. Auch für die Verbesserung bestehender Seiten und zum Aufbau eines modernen Online-Marketing-Konzepts gab Wilimzig konkrete Tipps. Die wichtigsten: klare Kommunikation, Vertrauen vermitteln, einfache Navigation.
 
Katharina Langsch, Geschäftsführerin der IGA Berlin 2017 GmbH, referierte über die kommende Gartenausstellung in Berlin als moderne Inszenierung eines traditionellen Kulturgutes. Gartenausstellungen haben eine jahrhundertealte Tradition. Im 20. Jahrhundert waren sie ein wirksames Werkzeug zur Stadtentwicklung und auch im 21. Jahrhundert gelten sie als Motor für die Neuausrichtung ideeller und städtebaulicher Maßnahmen national wie international. Mit der ersten Internationalen Gartenausstellung in Berlin soll traditionelle Gartenkunst mit modernen Konzepten einer urbanen Lebenskultur sichtbar und erfahrbar gemacht werden. So sollen die Gärten der Welt in Marzahn zwar als Grundlage dienen, aber grundlegend verändert und vergrößert werden. Ob die IGA Berlin an die Besucherzahlen der IGA 1983 in München mit 11,5 Millionen Besuchern herankommt, wird sich zeigen. Sicher ist, dass die IGA 2017 in Berlin sich als Impulsgeber für die gesamte Region versteht.
 
Als Fazit für den 7. KulturInvest kann man das altbewährte Sprichwort Kenne Dein Zielpublikum und richte die Marketingmaßnahmen danach zitieren. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Herausforderungen an die traditionelle kulturpolitische Gestaltung in Europa, wie z. B. die (alternde) demografische Zusammensetzung und zunehmende Generationslücken; Mehrheiten- vs. Minderheitenfragen mit anschließenden Diversitäts- und Kohäsionspolitischen Diskussionen; Schutz des kulturellen Erbes; Kreativwirtschaft; Digitalisierung und dergleichen Überlegungen.
 
So wie bei den früheren Ausgaben, ist und bleibt der KulturInvest Kongress ein Event mit guten Möglichkeiten der Selbstdarstellung jener Firmen, die zum Teil auch einige der Themen sponsorn. Den 2014 neu eingeführten, aber 2015 leider wieder verworfenen Ansatz der Internationalisierung hätte man unter dem Gesichtspunkt des Networkings ausbauen können und auch, um einen Eindruck davon zu bekommen, was sich in anderen Ländern im Bereich Marketing und Finanzierung tut. Aber nichtsdestotrotz bleibt KulturInvest eine exzellente Möglichkeit für Wissenstransfer und Networking, besonders auf der Gala-Nacht der Kulturmarken.