18.07.2011

Themenreihe Berufsbild

Berufsbilder im Kulturbereich

Kulturjournalist

In dieser Serie stellen wir in Interviewform Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Berufsbildern des Kulturmanagements vor. Heute: Dr. Thomas Trenkler, Kulturjournalist bei "Der Standard".
KMN: Können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Stationen beschreiben? Welche haben Sie auf besondere Weise geprägt?

Thomas Trenkler: Während des Studiums, ab 1984, begann ich, als freier Journalist zu arbeiten. Von 1985 bis 1990 war ich Mitarbeiter (ab 1988 Pressereferent) des Festivals steirischer herbst in Graz. 1986 gewann ich einen Journalistenwettbewerb der Wochenpresse, für die ich in der Folge kontinuierlich schrieb. Seit 1993 bin ich Kulturredakteur bei der Tageszeitung Der Standard. Geprägt wurde ich nicht so sehr von Stationen, sondern von Menschen. Ganz besonders hervorheben möchte ich Peter Vujica, meinen langjährigen Chef.

KMN: Welche Aufgaben und Themenfelder fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich? Welche erfüllen Sie dabei mit besonderer Freude?

Thomas Trenkler: Ich bin beim Standard als Redakteur für Kulturpolitik zuständig. Ich wollte schon in der Schulzeit Journalist werden im Kulturbereich, da ich mich für Literatur und Kunst sehr interessiere. Zudem bin ich ein neugieriger Mensch. Es macht mir also generell Spaß, Geschichten zu recherchieren und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Beruf und Hobby gehen eine Symbiose ein. Dass es auch Tätigkeiten gibt, die keine besondere Freude machen: Das versteht sich von selbst.

KMN: Welche Aspekte Ihrer Ausbildung waren für Ihre berufliche Laufbahn hilfreich? In welchen Bereichen müssten Hochschulen in ihrem Ausbildungsprogramm nachjustieren?

Thomas Trenkler: Journalisten sind in der Regel Spezialisten: Der eine ist für das Theater zuständig, der andere für den Film und so weiter. Das gilt auch für die anderen Ressorts. Das heißt: Man benötigt ein Spezialwissen. Aus diesem Grund studierte ich Germanistik und Kunstgeschichte. Hochschullehrgänge, in denen man nur in alle Bereiche schnuppert (Fernseh-, Print-, Magazin-Journalismus u.s.w.) halte ich für wenig zielführend. Wo man nachjustieren müsste? Das weiß ich leider nicht.

KMN: Welche neuen Berufsfelder ergeben sich aufgrund der neuen Medien Ihrer Meinung nach in Zukunft im Kulturjournalismus?

Thomas Trenkler: Das kulturelle Angebot wird immer größer, die Kulturseiten der Zeitung bleiben aber mehr oder weniger gleich. Das heißt: Als Konsument muss man sich auch anderweitig informieren. Zukunftschancen sehe ich unter anderem für jene, die Informationen gebündelt anbieten (z.B. www.esel.at) beziehungsweise die für eine Zielgruppe relevanten Informationen zusammenstellen.

KMN: Ist eigenständige Kulturberichterstattung überhaupt noch möglich oder werden Ihnen Ihre Themen und Termine vorgegeben?

Thomas Trenkler:
Termine werden logischerweise vorgegeben aufgrund von Premieren, Ausstellungseröffnungen, Pressekonferenzen und so weiter. Wenn die Salzburger Festspiele eröffnen, wird man wohl darüber berichten müssen. Es kommt also darauf an, wie groß man über ein Ereignis berichtet und wie man dieses einordnet. Eigenständigkeit wird zudem durch Eigenrecherchen erreicht und durch die von den Redakteuren und Mitarbeitern getroffene Auswahl an Informationen.

KMN: Soll man dem KulturjournalistInnen-Nachwuchs überhaupt noch Hoffnung machen, diesen Weg einzuschlagen oder ist der Beruf des Kulturjournalisten ein eher karges und brotloses oder sogar schon sehr überlaufenes Berufsfeld?

Thomas Trenkler: Ein Beispiel: Das Kulturressort der Kleinen Zeitung hat sich in den letzten 25 Jahren personell fast nicht verändert. Da es in Graz zudem keine andere eigenständige Tageszeitung gibt, hatte man es nicht leicht, wenn man just als Kulturjournalist arbeiten wollte. Doch nun stehen die Zeichen wieder besser. Denn die Kollegen von der Kleinen Zeitung werden in den nächsten Jahren in Pension gehen (müssen). In Wien ist es nicht viel anders: Im Kulturbereich gibt es kaum Fluktuationen. Daher ist es auch nicht leicht, einen fixen Job zu bekommen. Die Idee, langfristig als freier Kulturjournalist zu arbeiten, sollte man besser verwerfen. Es gelingt nur ganz wenigen, sich ein tragfähiges Netz aufzubauen.

KMN: Gab es Situationen in Ihrer Karriere, in denen Sie das Gefühl hatten, das Ziel nicht mehr zu erreichen? Welchen Rat können Sie jungen Kulturjournalistinnen in solchen Situationen mit auf den Weg geben?

Thomas Trenkler: Meine Jahre als freier Journalist waren schon hart. Das Ziel, Redakteur zu werden, habe ich zum Glück recht bald erreichen können. Und der Standard ist die beste Zeitung in Österreich. Ich kann Ihnen daher nicht von Situationen berichten, in denen ich das Gefühl hatte, das Ziel nicht mehr zu erreichen. Einen Rat kann ich gerne geben: Man sollte immer mehrere Pferde im Rennen haben. Wenn eines lahmt, rennt trotzdem das andere weiter. Lehrbeauftragter an der Germanistik und nebenbei Literaturkritiker: Das ergänzt sich zum Beispiel recht gut.

KMN: Geben Sie dem Nachwuchs Hoffung! Gibt es eine Begebenheit, eine kurze Anekdote, bei der Sie heute noch kopfschüttelnd denken Was habe ich mir damals bloß dabei gedacht?!

Thomas Trenkler: Diese Begebenheit hat nur am Rande mit mir zu tun, aber sie macht Hoffnung. Heute begleitete mich unsere 21-jährige Volontärin in die Zehn-Uhr-Konferenz. Es wurde beschlossen, auf der Kommentarseite ein Pro und Kontra zum Thema Neun Wochen Sommerferien zu bringen. Wir diskutierten, ob nicht jemand vom Schüler-Standard das Pro schreiben sollte, verwarfen die Idee aber wieder. Die Volontärin meinte zögerlich, dass ihr viel zu diesem Thema einfiele. Und sie bekam die Chance, den Kommentar zu schreiben. Zuerst wurde ihr heiß und kalt, dann war sie nervös und meinte: Hätte ich doch bloß meinen Mund gehalten. Am Abend dann aber war sie mächtig stolz.
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