22.11.2010

Themenreihe Berufsbild

Berufsbilder im Kulturbereich

Kaufmännischer Leiter eines Museums

In dieser Serie stellen wir in Interviewform Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Berufsbildern des Kulturmanagements vor. Heute: MMag. Markus Enzinger, kaufmännischer Leiter des Universalmuseums Joanneum.
KMN: Können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Stationen beschreiben? Welche haben Sie auf besondere Weise geprägt?

Markus Enzinger: Bereits während meines Studiums (Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte) konnte ich wichtige berufliche Erfahrungen sammeln. So lernte ich beispielsweise als Tutor an der Universität Graz sehr genau den Lehrbetrieb hinter den Kulissen kennen. Die darauf folgende dreijährige Tätigkeit als Unternehmensberater nutzte ich vor allem, um praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der datenbankgestützten Unternehmensplanung zu sammeln. Dieses Wissen konnte ich im Rahmen meines Zivildienstes bei der Lebenshilfe erproben und erfolgreich umsetzen. Dieses Jahr war für mich aber auch insofern prägend, als ich erstmals in einen großen Non-Profit-Betrieb organisatorisch eingebunden war und im zwischenmenschlichen Umgang vieles dazulernte.

Der wichtigste berufliche Schritt war im Jahr 2003 der Wechsel zum Universalmuseum Joanneum, das im selben Jahr aus der Landesverwaltung ausgegliedert wurde. Meine Aufgabe war zunächst die Einführung und laufende Betreuung des Controlling-Systems. Drei Jahre später übernahm ich im Universalmuseum Joanneum die kaufmännische Leitung und somit die Führungsverantwortung für rund 60 Mitarbeiter/innen.

Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit war es mir immer ein Anliegen, Lehraufträge und Seminare zu den Themen Controlling und Kulturmanagement zu halten, um für mich selber eine Balance zwischen theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung zu halten.

KMN: Welche Aufgaben fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich? Welche erfüllen Sie dabei mit besonderer Freude?

Markus Enzinger: Als Prokurist und kaufmännischer Leiter des Universalmuseums Joanneum bin ich für die gesamte interne Verwaltung zuständig. Dazu zählen nicht nur finanzielle, personelle und technische Angelegenheiten, sondern auch spezifische Anforderungen eines Museums wie z.B. die Sammlungs- und Ausstellungsregistratur, die Restaurierung sowie der Ausstellungsaufbau.

Das Controlling stellt nicht nur meinen Kernaufgabenbereich dar, sondern auch jene Tätigkeit, die mich mit besonderer Freude erfüllt. Dazu zählen sämtliche Schritte von der strategischen Planung, der Budgetierung und der Kostenrechnung bis hin zum Berichtswesen. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Koordination zwischen den 24 Abteilungen des Universalmuseums Joanneum und die Vermittlung zwischen divergierenden Interessen im Unternehmen.

KMN: Welche Aspekte Ihrer Ausbildung waren für Ihre berufliche Laufbahn hilfreich? In welchen Bereichen müssten Hochschulen in ihrem Ausbildungsprogramm nachjustieren?

Markus Enzinger: Die Kombination aus Betriebswirtschaft- und Kunstgeschichtestudium war für meinen Beruf natürlich optimal. Das im BWL-Studium erlernte Wissen über Organisation, Personal, Rechnungswesen und Controlling bildet sicher die Basis für die Tätigkeit eines Kulturmanagers. Das Kunstgeschichtestudium spielt aber insofern auch eine wichtige Rolle, als dadurch die Kommunikation mit Sammlungsleiter/innen und Künstler/innen erleichtert und die Akzeptanz wesentlich erhöht wird.

Die in Österreich an Hochschulen angebotenen Ausbildungen zum Kulturmanager muss meiner Meinung nach darauf achten, dass die Grundlagenfächer der Betriebswirtschaftslehre (insbesondere das Rechnungswesen) nicht vernachlässigt werden.

KMN: Gab es Situationen in Ihrer Karriere, in denen Sie das Gefühl hatten, das Ziel nicht mehr zu erreichen? Welchen Rat können Sie jungen KulturmanagerInnen in solchen Situationen mit auf den Weg geben?

Markus Enzinger: Für die Tätigkeit als Manager einer öffentlichen Kultureinrichtung muss man vor allem Geduld, Ausdauer und Diplomatie lernen. Aufgrund von politischen Einflüssen und personellen Restriktionen lassen sich bestimmte Ziele nicht von heute auf morgen erreichen. Durch die Tatsache, dass es mir bisweilen gelungen ist, Situationen und Entwicklungspotenziale realistisch einzuschätzen und trotzdem meine Überzeugungen hartnäckig durchzusetzen, bin ich bisher von herben Enttäuschungen verschont geblieben.

KMN: Geben Sie dem Nachwuchs Hoffung! Gibt es eine Begebenheit, eine kurze Anekdote, bei der Sie heute noch kopfschüttelnd denken Was habe ich mir damals bloß dabei gedacht?!

Markus Enzinger: Als mir im Frühjahr des Jahres 2003 der Job als Controller am Universalmuseum Joanneum erstmals angeboten wurde, sagte ich zunächst ab, weil mir von einer anderen Firma eine vielversprechende berufliche Entwicklungsmöglichkeit in Aussicht gestellt wurde. Wenige Wochen danach, als sich diese Zukunftsperspektiven zerschlagen hatten, fragte ich nochmals beim Universalmuseum Joanneum nach, ob das Jobangebot noch aufrecht sei, und erhielt Gott sei Dank eine positive Antwort. Kopfschütteln kann ich nachträglich nur darüber sagen, dass mir damals beinahe mein Traumjob durch die Lappen gegangen wäre. Die Anekdote zeigt, dass man manchmal im Leben einfach das Glück braucht, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
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