20.06.2010

Themenreihe Berufsbild

Berufsbilder im Kulturbereich

Kulturmanagerin für Museums- und Ausstellungstechnik

In dieser Serie stellen wir in Interviewform Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Berufsbildern des Kulturmanagements vor. Heute: Barbara Sommerer, Kulturmanagerin für Museums- und Ausstellungstechnik.
KMN: Können Sie uns Ihre wichtigsten beruflichen Stationen beschreiben? Welche haben Sie auf besondere Weise geprägt?
 
Barbara Sommerer: Am Anfang standen sicherlich die ersten Erfahrungen, die ich durch meine Ausbildung, in Wien und Prag sammelte. Begonnen hatte ich in Prag, kurz nach der samtenen Revolution in einer Klasse für 3-dimensionale Gestaltung und alternative Techniken, danach wechselte ich nach Wien, in die Meisterschule für Tapisserie an der Akademie der bildenden Künste. Ein kleines Zweitstudium führte mich in die Naturwissenschaften, zur Astronomie.
 
Einer der spannendsten Aspekte, die für mich prägend waren, ist aber weniger die reine künstlerische Entwicklung sondern das textile Handwerk. Im speziellen prägte mich die Weberei, die einerseits meinen Zugang zu Handwerk und Technik, andererseits aber auch mein Verständnis von Logik und strukturellem Denken durch die Systematik des Textilen beeinflusste. Ich merke selbst heute noch, dass ich bei komplexeren Projekten gerne auf die Ordnungssysteme des Textilen zurückgreife.
 
Da ich schon immer sehr an handwerklichen und technischen Prozessen interessiert war, war es aber für mich zunehmend interessant, weiter hinter die Kulissen des Kulturbetriebes zu treten. So wechselte ich schon in Studienzeiten die Seite und eigene Projekte wurden zunehmend seltener und ich arbeitete vermehrt als Ausstellungstechnikerin.
 
2003 folgte dann der Ruf nach Graz, die damalige Kulturhauptstadt Europas, wo ich als Freelancerin für die befreundete Firma Mit Loidl oder Co. an vielen Projekten für die Kulturhauptstadt mitarbeitete und Projekt- und Bauleitungen übernahm. Insgesamt war das Kulturhauptstadtjahr ein ziemlich ereignisreiches Jahr, mit vielen technischen wie logistischen Herausforderungen, großen Projekten und Aufgaben, bei denen ich ungeheuer viel Erfahrungen sammeln konnte. Dies bestärkte mich, weiter in der Ausstellungstechnik zu arbeiten.
 
2005 gründete ich gemeinsam mit 5 Kolleginnen und KünstlerInnen das ambitionierte Kunst und Dienstleistungs-Projekt RAM. Mit Frühjahr 2009 erhielt des Unternehmen nach drei spannenden Jahren des Aufbaus und des Experiments ein neues Format und einen neuen Namen: eeza - Entwicklung und Erforschung zeitgenössischer Ausdrucksmittel.
 
In den darauffolgenden Jahren, zwischen 2004 und 2007 hatte ich das Glück, an einem gleichermaßen spannenden wie außergewöhnlichen Projekt in Wien mitzuarbeiten. Es handelte sich um den Aufbau und die Entwicklung eines medizinhistorischen Museumskonzeptes für das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, das übrigens vor kurzem den Kenneth Hudson Award bei EMYA 2010 gewonnen hat. Gemeinsam mit dem Initiator Dr. Christian Fiala und der Archivarin und Publizistin Dr. Susanne Krejsa arbeiteten wir Stück für Stück an der Transformation der Inhalte zu einem Gesamtkonzept. Ich selbst war mit ausstellungstechnischen und gestalterischen Entwicklung betraut, und betreue das Museum auch heute noch. Gemeinsam mit Fox Media, Mit Loidl oder Co und damals noch RAM setzten wir dann auch das Projekt bis zur Eröffnung im Frühjahr 2007 um.
 
KMN: Welche Aufgaben fallen in Ihren derzeitigen Tätigkeitsbereich? Welche erfüllen Sie dabei mit besonderer Freude?
 
Barbara Sommerer: Derzeit führe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Jakob Pock das Unternehmen eeza. Ich bin dabei zuständig für Projektmanagement, Kommunikation, sowie für technische Planung, Service und Bauplanung. eeza. bietet das Service, ein Projekt über alle Schritte der Planung bis zur Produktion zu begleiten und zu unterstützen. Wir wollen Auftraggebern ein Gesamtpaket schnüren, das nach Ideenfindung und Konzeptionierung auch transparente Budgetplanung, technische wie handwerkliche Detailplanung bietet. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei in der handwerklichen und technischen Realisation sowie in der Qualitätssicherung der Produktion von Projekten und Kunstwerken.
 
KMN: Welche Aspekte Ihrer Ausbildung waren für Ihre berufliche Laufbahn hilfreich? In welchen Bereichen müssten Hochschulen in ihrem Ausbildungsprogramm nachjustieren?
 
Barbara Sommerer: Ideen funktionieren im Kopf meist wunderbar, jedoch sieht der Schritt in die Umsetzung dann oft ein wenig anders aus. Ich denke, dass Praxisnähe und praktische Erfahrungen die wesentlichsten Aspekte in der Ausbildung sind. Ein Überblick über die technischen und handwerklichen Gebiete, in denen man einmal arbeiten möchte, sind ganz wesentlich, um solide Planung und Ausführung bieten zu können. In die Hand nehmen und machen, sind die Grundlagen jedes Handwerks, denn ohne Übung verhalten sich die Dinge meist anders als man es gerne hätte...
 
Auch die Fragen: Was ist meine Arbeit wert? Wie viel kann ich dafür verlangen? Das sind sicher zentrale Fragen, wofür in der Ausbildung Platz sein sollte. Da es keine allgemein gültigen Regeln oder Honorarrichtlinien gibt, braucht man auch hier Erfahrung, um für sich ein vertretbares System zu finden.
 
KMN: Gab es Situationen in Ihrer Karriere, in denen Sie das Gefühl hatten, das Ziel nicht mehr zu erreichen? Welchen Rat können Sie jungen KulturmanagerInnen in solchen Situationen mit auf den Weg geben?
 
Barbara Sommerer: Man kommt unweigerlich manchmal an seine Grenzen - körperliche und auch geistige, die man leicht übersehen kann. Ich plädiere immer gerne dafür, dass man je stressiger die Zeit ist und je mehr man scheinbar dahinhechten möchte und müßte, damit sich das alles noch ausgeht, dann eher das Gegenteil machen sollte einen Schritt zurücktreten, durchatmen, einen Gang runter schalten, damit man eben nicht den Überblick verliert. Das entspannt, und macht vor allem Laune.
 
KMN: Geben Sie dem Nachwuchs Hoffung! Gibt es eine Begebenheit, eine kurze Anekdote, bei der Sie heute noch kopfschüttelnd denken Was habe ich mir damals bloß dabei gedacht?!
 
Barbara Sommerer: Ich hatte mal die Bauleitung über eine ziemlich große Ausstellung, knapp 1800 qm Ausstellungsfläche, Aufbauzeit war ca. 5 Wochen, viele unterschiedliche und tw. sehr große Installationen waren zu bauen und Pläne und Vorgaben waren unterschiedlichst im Vorfeld von den KünstlerInnen ausgearbeitet worden. Das Aufbau-Team gab sein Bestes jedoch kam mit zunehmendem Stress in der Arbeit auch immer wieder die Sinnfrage ins Spiel, was sich die KünstlerInnen wohl bei einzelnen Arbeiten so gedacht haben und was sie wohl bedeuten würden.
 
Mit der Zeit bremste dann die Sinnsuche des Teams die Arbeit so sehr, sodass ich mir was überlegen musste, und verordnete ein Verbot für inhaltliche Diskussionen auf der Baustelle. Erstaunlicherweise hatte das dann funktioniert und die technische Arbeit erleichtert. Und die inhaltlichen Fragen haben wir dann Abends gemütlich und genüsslich mit den KünstlerInnen beim Bierchen erörtert.
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