10.01.2018
Spartenbericht

Museen, Bibliotheken und Archive in Deutschland 2017

Das kulturelle Erbe Deutschlands wird in derzeit 6 710 Museen, 9 117 Haupt- und Zweigstellen der Öffentlichen Bibliotheken sowie 83 Staatlichen Archiven des Bundes und der Länder gesammelt, bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach dem neuen Spartenbericht des Statistischen Bundesamtes (Destatis) standen im Jahr 2015 8 Museen und 11 Öffentliche Bibliotheken je 100 000 Einwohner zur Verfügung.
Ermöglicht wird die umfassende Datenrecherche und -aufbereitung für den Spartenbericht dank der Zusammenarbeit des Statistischen Bundesamtes mit einer Vielzahl von Verbänden und Institutionen. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Statistiken verschiedener Institutionen der Jahre 2015 und 2016. Die Vielzahl an kommunalen, privat oder gemeinnützig getragenen Archiven ist dabei nicht einbezogen. Wo möglich, wurden die Ergebnisse der beschriebenen Recherche-, Definitions- und Zusammenstellungsarbeiten auf das 3-Sektoren-Modell öffentlich geförderter Sektor, intermediärer Sektor und privatwirtschaftlicher Sektor bezogen.
Museen
Die Kennzahlen zu dem Bereich Museen in Deutschland basieren auf den Daten der Statistischen Gesamterfassung an den Museen in der Bundesrepublik Deutschland, die vom Institut für Museumsforschung (IfM) erhoben und publiziert werden.
  • In Deutschland gab es 2015 insgesamt 6.710 Museen
  • Jeder Einwohner besuchte 2015 im Schnitt 1,4-mal ein Museum
  • Insgesamt zählten die Museen in Deutschland 114 Millionen Besuche. Am häufigsten besucht wurden die historischen und archäologischen Museen
  • Die Anzahl der Beschäftigten in Museen 2015 lag bei insgesamt 15.370 Personen
  • Die Steuerpflichtigen im Wirtschaftszweig Museen erwirtschafteten 2012 insgesamt 511 Millionen Euro Umsatz. Mehr als ein Drittel davon erwirtschaftete weniger als 17.501 Euro pro Jahr.
  • Im Jahr 2015 konnten in 467 Ausstellungshäusern 1.835 Ausstellungen besucht werden
  • Dieses Angebot nutzten insgesamt 5,7 Millionen Besucher, was im Bundesschnitt 70 Besuchen je 1.000 Einwohnern entsprach
  • Bund, Länder und Gemeinden gaben 2013 insgesamt 1,9 Milliarden Euro für Museen, Sammlungen und Ausstellungshäuser aus
  • Im Bundesländervergleich (ohne Stadtstaaten) fallen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern durch eine überdurchschnittlich hohe Dichte an Museen je 100.000 Einwohner auf (jeweils 13). In Nordrhein-Westfalen kamen lediglich 4 Museen auf 100.000 Einwohner.
Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken
Die Kennzahlen zu den Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland beruhen auf der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS), die jährlich vom Hochschulbibliothekszentrum (HBZ) des Landes Nordrhein-Westfalen erhoben, aufbereitet und nach Bibliotheksart öffentliche, wissenschaftliche und wissenschaftliche Spezialbibliothek ausgewiesen wird. Die Angaben der wissenschaftlichen Spezialbibliotheken sind aufgrund der geringen Rückmeldequote nicht geeignet, um allgemeine Aussagen zu treffen. Eine weitere Datenlücke besteht, da es keine statistischen Informationen über die soziodemografischen Merkmale der Besucherinnen und Besucher gibt.
  • In 9117 öffentlichen Bibliotheken waren 2015 insgesamt 119 Millionen physische Medien nutzbar
  • Jede Einwohnerin beziehungsweise jeder Einwohner war im Schnitt 1,4-mal in einer öffentlichen Bibliothek und hat im Schnitt 4,4 Medien entliehen. Die Anzahl der Entleihungen physischer wie virtueller Medien insgesamt lag bei 363 Millionen.
  • Die Zahl der Beschäftigten in den Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland lag bei insgesamt 69.114 Personen beziehungsweise 16.480 Vollzeitäquivalenten. Hinzu kommen rund 3.100 Vollzeitäquivalente ehrenamtlich Mitwirkender.
  • Die öffentliche Hand gab 2013 insgesamt 1,4 Milliarden Euro für Bibliotheken aus
  • In Deutschland gab es 2015 insgesamt 741 Standorte Wissenschaftlicher Bibliotheken. Dort wurden 87 Millionen physische Materialien wurden entliehen das entspricht 1,1 Entleihungen je Bürger
  • Den Wissenschaftlichen Bibliotheken stand Personal in Höhe von 10.998 Vollzeitäquivalenten zur Verfügung
  • Bund, Länder und Gemeinden gaben 2013 insgesamt 660 Millionen Euro für Wissenschaftliche Bibliotheken aus. Zu beachten ist, dass die zugrundeliegende haushaltssystematische Abgrenzung hierunter auch staatliche Archive fasst.
  • Die Dichte an Öffentlichen Bibliotheken war in Rheinland-Pfalz (16 Einrichtungen) und Bayern (15 Einrichtungen) besonders hoch, wohingegen in Schleswig-Holstein nur 5 Einrichtungen auf 100.000 Einwohner kamen.
Archive in Deutschland
Die Archivlandschaft in Deutschland ist statistisch weniger gut beleuchtet. Das Bundesarchiv, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, aber auch die Staatlichen Archive der Länder erheben Daten. Für die weiteren Archivsparten (Kommunalarchive, kirchliche Archive, Medienarchive etc.) liegen kaum Daten vor.
  • Die 25 Standorte der Staatlichen Archive des Bundes verwalten insgesamt 515.106 laufende Meter Schriftgut
  • Dort sind laut Stellenplan 1.195 Mitarbeiter beschäftigt
  • Die 58 Staatlichen Archive der Länder verwalten und verwahren Archivalien im Umfang von rund 1,4 Millionen laufenden Metern
  • Die meisten Landesarchive sind in Bayern mit neun Standorten sowie in Baden-Württemberg mit acht Standorten zu finden.
  • 1.451 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren 2016 in den Staatlichen Archiven der Länder tätig
Im Rahmen des Projektes Bundesweite Kulturstatistik im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kultusministerkonferenz veröffentlicht das Statistische Bundesamt den Spartenbericht Museen, Bibliotheken und Archive. Nach dem Spartenbericht Musik liegt damit der zweite statistische Bericht zu einer Kultursparte vor. Im ersten Halbjahr 2018 wird der dritte Spartenbericht erscheinen, der sich passend zum Europäischen Welterbejahr (ECHY 2018) mit Baukultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege beschäftigt.