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22. September 2017

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Konferenzbericht

Architekturvermittlung als Partizipation und Inspiration

© Edition Saba

Baukultur liegt derzeit im Trend. Politik und Wirtschaft erkennen immer klarer, wie bestimmend Kreativität und Gestaltungsniveau für die Lebensweise und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft sind. Ein Symposium an der Bauhaus-Universität in Weimar stellte internationale Projekte der Architekturvermittlung vor.

 

Es ging aber nicht allein um kreative Ideen von und für Pädagogen sowie Architekten, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Nein, zahlreiche Vortragende betonten, dass Architekturvermittlung zugleich politische Bildung ist, sei es um mündige Bürger zu erziehen, die es gelernt haben, dass »in der Raumplanung auch Kompromisse eingegangen werden müssen«, wie die Pädagogin Barbara Shatry (LAG Architektur und Schule Bayern) feststellt. »Kinder sind unsere Zukunft« unterstrich auch der Moderator der Tagung, Hannes Hubrich, Vizepräsident der Architektenkammer Thüringen.

Neben einer politischen Motivation für die Vermittlung von Architektur ließen sich am Ende des Tages zwei weitere Themen erkennen, die für die Architekturvermittlung derzeit zentral sind: Ich möchte sie Partizipation und Inspiration nennen. Unter »Partizipation« ist das – teils sehr weitgehende – Einbeziehen von Kindern und Jugendlichen die Planung und Umsetzung von Bauvorhaben zu verstehen. »Inspiration« meint eine kreative Ausgangsbasis für das Entwerfen von Architektur durch die Verknüpfung mit fremden oder benachbarten Disziplinen. Ein weiteres Arbeitsfeld von Architekturvermittlern bildet zudem stets auch die Herausgabe von Materialien und Büchern als Ideensammlung und Anleitungen für die pädagogische Praxis, wie die von Suzanne de Laval aus Schweden entwickelte »Architecture Toolbox«.

Lese-Dschungel - Foto: Ali Altschaffel, Wolfsburg

Lese-Dschungel - Foto: Ali Altschaffel, Wolfsburg

 

Die Stadt Wolfsburg hat vor einigen Jahren eigens eine städtische Stelle zur Architekturvermittlung, das Forum Architektur, eingerichtet. Nicole Froberg, Leiterin am Forum Architektur der Stadt Wolfsburg, stellte das Konzept vor: Projekte werden auf der Grundlage von Themenjahren entwickelt. So stand 2010 unter dem Motto »Architektur für Kinder«. Zwei Projekte wurden mit Schülern umgesetzt: Ein Architekturwettbewerb und die Gestaltung eines farbenfrohen Platzes im, stark durch das Material Beton gekennzeichneten, Stadtteil Westhagen mit selbst gegossenen, farbigen Betonsteinen. Im Wettbewerb »Schule baut« ging der erste Preis an die Friedrich von Schiller-Schule mit ihrem Entwurf einer »Dschungel Bibliothek«.

Inspiration

Eine fremde oder angrenzende Disziplin, sei es Musik, Kunst, Bewegung oder Natur, als Inspirationsquelle zu nutzen, das ist ein vielversprechender Ansatz. Speziell Kinder können gut auf einer Materie aufbauen, die sie bereits kennen. Einen gewissen Erfahrungsschatz und Liebe zum Musizieren, sich Bewegen, Malen und für die Tierwelt bringen Kinder zumeist mit. 

So erzählte die Architektin Martina Nadansky in ihrem Vortrag mit dem vielversprechenden Titel »Haifischzahn und Eifelturm« von einer Reise nach Paris mit ihrer Tochter. Martina Nadansky kam auf die Idee, mehr über gewisse Analogien zwischen Tier und Architektur herauszufinden, als ihre Tochter mit viel Phantasie bei einem Pariser Museumsbesuch in einem ausgestellten Haifischzahn den Eifelturm en miniature wiedererkannte.

»lisztig_räume hören« war ein Projekt der Architektin Luise Nerlich von der Bauhaus-Universität Weimar. Sie entwickelte das Projekt 2011 zum 200. Geburtsjahr von Franz Liszt. Die Musik von Franz Liszt war Inspirationsquelle. Es hätte aber auch jede andere Musik sein können, meint Luise Nerlich. Wichtig war es ihr, zu zeigen, dass die Wahrnehmung von Tönen auch mittels Linien und Farben zu Papier gebracht werden kann. Über Striche und Zeichnungen kamen die Schülerinnen und Schüler im Workshop an einer Weimarer Grundschule zu ihrem Architekturmodell. Hier sehen wir den Prozess und das Ergebnis von Lennard. Foto: Luise Nerlich, Weimar

»Architektur erklärt sich nicht von selbst« meint Boris Szélpal, Projektleiter am Creaviva Kindermuseum im Zentrum Paul Klee in Bern. Diese Aussage mag insbesondere darin begründet sein, dass sich aufgrund der avantgardistischen Architektur des namhaften Architekten Renzo Piano – ausgehend von der Idee einer Landschaftsskulptur – notwendiger Erklärungsbedarf ergibt. Zugleich bildet das Werk und das Schaffen des deutschen Malers Paul Klee, dessen umfassenden Nachlass das Gebäude unter anderem beherbergt, eine Ausgangsbasis und somit Inspirationsquelle für die Arbeit des Creaviva Kindermuseums. Es gilt also Kunst und Architektur im Programm zu vereinen. 

Kann man Räume hören, fühlen oder riechen? Architekturvermittlung funktioniert über die Sinne, so Susanne Szepanski von der Hamburger Architektenkammer. Es sei entscheidend einzelne Sinne anzusprechen und Sinne gleichsam ein- und ausblenden zu können, meint sie. Um die Sinne als Inspiration für die Architekturvermittlung zu nutzen und somit einzelnen Raumsituationen sehr bewusst wahrnehmen zu können, hat die Architektenkammer Hamburg einen sinnlichen Architekturparcours, die Teaching Tubes, entwickelt und in einer Fabriketage aufgebaut.

Fazit

Neue Impulse wurden gesetzt! Die ausgewählten Projekte spiegeln zweifelsohne nur einen Teil der auf der Weimarer Tagung präsentierten innovativen Ideen zur Vermittlung von Architektur wider. So nutzte ein Team aus Studierenden der Architekturvermittlung an der Bauhaus-Universität Weimar z.B. Geocaching und Internet für eine Schnitzeljagd durch die Stadt. Es ist zu beobachten, dass das, unter Naturliebhabern und Kletterfreunden beliebte, Geocaching mehr und mehr auch im städtischen Raum in Mode kommt und neben dem Spaßfaktor der Wissensvermittlung dient.

Hier noch ein Buchtipp für Kinder und Erwachsene zum Thema: »Maria und der Geist der Architektur« eine Architekturgeschichte von Sabine Carbon mit Illustrationen von Maren Blaschke. Layout: Martha Hammerschreck. www.edition-saba.de

Informationen zur Tagung: www.architekten-thueringen.de/schule/symposium2012

Die Autorin lebt und arbeitet als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin in Weimar. Seit 2009 selbständige Geschäftsführung, Designgeschichten. Seit 2012 Mitglied im Beirat für Baukultur der Stadt Weimar.

 

 

Ein Tagungsbericht von Elke Beilfuß
05.06.2012, Dirk Heinze
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