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Kulturmanagement Network

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20. Oktober 2017

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Konferenzbericht

KulturInvest und KM Konkret - Rückblicke I

In diesem Jahr konnten die Causales GmbH und die KM Kulturmanagement Network GmbH die beiden Tagungen „KulturInvest“ und „KM Konkret“ erstmals unter einem Dach vereinen. Am 24. und 25. Oktober trafen sich mehr als 450 VertreterInnen zahlreicher Kulturinstitutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Berliner Tagesspiegel, um über die Themenbereiche Kulturmanagement, Förderung und Sponsoring, Kulturvermittlung, Kulturtourismus und Standortattraktivität, Kulturmarken und –marketing, Kulturimmobilien und schließlich Kulturpersonal zu diskutieren. Auf diesen ersten, internen Nachbericht zu dieser spannenden Tagungskombination von Kulturmanagement Network als Mitorganisator werden in der kommenden Zeit noch einige weitere aus anderen Blickwinkeln folgen.

Während gerade die Panels zu Marketing, Tourismus und Kulturvermittlung und die vorgestellten Beispiele viel Anklang fanden, hätten die Vorstellungen von Kultureinrichtungen als Sponsoringpartner größere Aufmerksamkeit verdient. Der Austausch zwischen Kultur und Wirtschaft sollte im neu geschaffenen Forum „Kulturmarkt + Börse“ befördert werden. Hier gibt es aber vor allem von Seiten der Kultureinrichtungen noch viel Optimierungsbedarf. Dies verwundert nur bedingt. Angesichts sinkender Förderungen und Besucherzahlen bekommen Werbung sowie der neue „Türöffner“ Online-Marketing auch im Kulturbereich zwar viel Aufmerksamkeit, Innovationen sind aber nur bedingt festzustellen. Stattdessen zeigten die Vorträge, dass klassische regionale Werbung weiterhin fester Bestandteil, jedoch nur wenig attraktiv für Sponsoren ist, während Ideen wie das sogenannte Guerilla-Marketing als unkonventionelle Ansprache neuer Zielgruppen oder auch die Entwicklung spezifischerer Kommunikationspakete für Sponsoren und Förderer bisher eher stiefmütterlich behandelt werden.
Kreativ – und entsprechend mit dem Preis als beste Trendmarke ausgezeichnet – stellten sich die RuhrKunstMuseen im Forum Kulturtourismus vor. Sie nutzen für die zahlreichen Häuser unter ihrer Dachmarke internes und externes Networking, Empfehlungsmarketing sowie crossmediale und zielgruppenübergreifende Werbung. Dabei wird neben den Themenschwerpunkten der Häuser das Ruhrgebiet als außergewöhnlicher Standort betont und mit Produkten wie dem Guide „Ruhrselection“ auch über die Museen hinaus als Urlaubsort beworben – Crossmarketing im besten Sinne. Die Möglichkeiten und Prinzipien des Social Web auf die Realität zu übertragen und keine Scheu vor ungewöhnlichen Wegen zu zeigen, erwies sich für die RuhrKunstMuseen als äußerst erfolgreich und kann als eines der spannendsten Best-Practice-Beispiele bei KulturInvest betrachtet werden.

Innovativ und inhaltsreich zeigten sich auch die Panels zu dem im Rahmen des KulturInvest Kongresses neu platzierten Thema „Kulturimmobilien“ oder der Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Rein zu Nachhaltigkeit in der Kultur. Er stellte den ökologischen Aspekt des Begriffes „nachhaltig“ in den Mittelpunkt und zeigte anhand der Organisation „Melt!-Festivals“ auf, dass die junge Spaßgeneration vielfach bewusster und flexibler mit ihrem Lebensstil und ihren Bedürfnissen umgeht, als ihnen nachgesagt wird. Entsprechend hat sie auch Ansprüche an die Fortschrittlichkeit und Nachhaltigkeitsbemühungen von Kultureinrichtungen, die sie als Faktor langfristiger gesellschaftlicher Veränderungen sieht. Sie zeigt als Zielgruppe die Notwendigkeiten neuer Marketingstrategien auf und bedarf eines neuen Images unter Kulturmachern. Nachhaltige Kulturangebote gibt es bisher primär aus dem privatwirtschaftlichen Kultursektor in Form von Stadtführungen, bei dem Thema Kulturimmobilien oder durch die Initiative Green Music. Das Publikum zeigte sich recht überrascht vom Auftrag der Nachhaltigkeit an klassische Kulturinstitutionen und nannte mangelndes Interesse der Besucher als Ursache für die untergeordnete Rolle dieses Themas. In Anbetracht der Aufmerksamkeit, die nachhaltige Entwicklungen stets erhalten, scheint dies aber eher unwahrscheinlich und ein mangelndes Bewusstsein auf Seiten der Kultur, gepaart mit Fragen zu Finanzierung und Personalressourcen als realistischere Gründe.

Unter der Überschrift »Personalentwicklung - (k)ein Thema im Kulturbetrieb?« thematisierte die KM Kulturmanagement Network GmbH gemeinsam mit der KULTURPERSONAL GmbH das Personalmanagement als Innovationspotenzial und wichtigste Ressource im Kulturbetrieb. Investitionen in deren Entwicklung finden aber noch immer nur unzureichend statt und das obwohl bis zu 85 Prozent der Kulturetats für Personal ausgegeben werden müssen. Entsprechend der Bedeutung des Themas, war das Panel während der Vorträge am Donnerstag und der Workshops am Freitag sehr gut besucht. Prof. Dr. Oliver Scheytt machte bereits zu Anfang deutlich, dass die Leitfragen zum Personalmanagement für Kultureinrichtungen dieselben sind, wie bei jedem Betrieb in der freien Wirtschaft. Orientierung, Kommunikation und Administration sind die Basis, aber auch entsprechendes Fachwissen, Urteilskraft und Erfahrung notwendig. Gerade diese Punkte und die daran geknüpften Mittel sind aber dort, wo Kulturverantwortliche auch mit Personalfragen betraut sind, vielfach noch ausbaufähig. So stieß das betriebswirtschaftliche Grundwissen auf großes Interesse und zahlreiche Nachfragen. Deutlich wurde die Distanz zur freien Wirtschaft, in der Employer Branding als fester Bestandteil der eigenen ganzheitlichen Außenwirkung aufgefasst und entsprechende Mittel für Personalwerbung oder Kontaktpflege zu Praktikanten oder Studenten bereitgestellt werden. Solche Maßnahmen sind in anderen Wirtschaftsbereichen vermeintlich notwendiger als in der Kultur mit ihrer häufig breiten Bewerberauswahl. Auch das Know-how und die Möglichkeiten, geeignete Kandidaten zu finden und durch Weiterbildungen und andere Anreize zu binden, sind entsprechend besser und könnten langfristig auch im Kulturbereich zu einem Nachwuchsproblem führen, wie dies z.B. in Nordamerika an der Tagesordnung ist. Nach zwei Tagen intensiver Gespräche war deutlich festzustellen, dass kritisches Hinterfragen von Aufgabenfeldern, Ausschreibungen und geforderten Fähigkeiten sowie externe Entwicklungen technologischer und demografischer Natur wesentlich stärker Einzug in die Personalentscheidungen von Kulturbetrieben halten müssen, um deren Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Insgesamt deckte KulturInvest ein breitgefächertes Themenspektrum für Verantwortliche im Kulturbetrieb ab und bot vielfältige Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung bieten. Unter der Vielzahl an Panels und Vorträgen hätten Überraschendes und echte Handlungsanleitungen jedoch noch stärker vertreten sein können. Die Präsentationen des State of the Art primär großer und bekannter Kultureinrichtungen könnten stärker mit innovativen Konzepten und Projekten kleinerer Kultureinrichtungen und –Initiativen vermischt sein. Mit einem sehr vollen Plan und recht kurzen Pausen gestaltete sich das Networking denn auch als Herausforderung für diejenigen, die die Tagung zur Vertiefung von Kontakten nutzen wollten. Hier könnten Workshops oder Barcamp-Situationen statt konventioneller Vorträge Abhilfe schaffen. Entsprechend wurde das Dialogforum Kulturpersonal bei  „KM-Konkret“ im Format eines „World Café“ in kleinen Gruppen zu mehreren Themen sehr begrüßt. Einen guten Ansatz hätte auch Twitter (#KulturInvest) als Livebegleitung oder digitale Diskussionsplattform zwischen den einzelnen Räumen und Themen bieten können. Genutzt wurde dies aber nur von einer Handvoll Teilnehmer. Spannend wird die geplante Internationalisierung im nächsten Jahr, die die Benefits der Nutzung technischer und inhaltlicher Neuerungen besser aufzuzeigen verspricht. Gerade hierbei sollten anstatt der Präsentation der eigenen Institution die Vernetzung und das voneinander Lernen zentraler Bestandteil sein. Wir sind gespannt auf die Entwicklung dieses wichtigen Branchentreffs im kommenden Jahr!

Im KM Magazin wurden einige der Schwerpunktthemen bereits aufgegriffen: Personal, Sponsoring, Kulturimmobilien oder Kulturtourismus. Auch der Nachhaltigkeit wurde bereits ein Magazin gewidmet und ein Beitrag von Prof. Dr. Rein auf kulturmanagement.net wird in Kürze folgen.

Kristin Oswald
04.11.2013, Kristin Oswald
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