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23. Juli 2017

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Bücher

Buchrezension: Einführung in das Kulturmanagement. Themen – Kooperationen – Gesellschaftliche Bezüge

Das Lehrbuch von Bernhard M. Hoppe und Thomas Heinze bietet eine übersichtliche Einführung für angehende und bereits praktizierende Fachkräfte in die wesentlichen Bereiche des Kulturmanagements. Es adressiert relevante und derzeit diskutierte Spannungsfelder auf differenzierte Weise und ist gleichzeitig ein originelles Plädoyer für die wissenschaftliche Einordnung des Kulturmanagements als eigenständige Fachdisziplin.

Vollständiger Überblick über das Fachgebiet

Der Anspruch auf eine vollständige Bestandsaufnahme der akademischen Auseinandersetzung mit den Themen, Kooperationen und gesellschaftlichen Bezügen, die das Kulturmanagement prägen, wird in der Gliederung des 2017 im Springer VS Verlag erschienenen Werkes deutlich. Dabei hinterfragen die Autoren nach der chronologischen Entwicklung des Kulturbegriffs zunächst die Beweggründe, aus denen sich kulturelle Organisationen mit Steuerungsfragen auseinandersetzen sollten. Erst nach dieser Diskussion der „Fragestellung des Kulturmanagements“ werden die Begriffe des Managements und des Kulturmanagements definiert. 

In diesem Kontext verdeutlichen Hoppe und Heinze nicht nur Potentiale und Stärken, sondern auch Risiken und Schwächen. So stellen die Autoren heraus, dass die Anwendung des Managementbegriffs an den spezifischen Aufgaben der Kulturinstitutionen orientiert sein sollte. Damit kann beispielweise vermieden werden, dass die Vielfalt kultureller Einrichtungen durch Konkurrenzdenken beeinträchtigt wird, während erfolgsversprechende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, wie die Definition konkreter strategischer und operativer Ziele, angepasst und übernommen werden können.

Vor dem Hintergrund dieser objektiven Erörterung begründen die Autoren die Notwendigkeit einer selbständigen Kategorisierung und hinterfragen traditionelle Schlussfolgerungen auf Grundlage eines kooperativen Verständnisses der Verbindung von Kultur und Management. Die Anwendung dieser Sichtweise resultiert in dem Fazit, dass sich beide zwar teilweise politische und strukturelle Rahmenbedingungen teilen, deren Terminologien und Instrumente jedoch jeweils in angepasster Form verwendet werden sollten. Es wird dementsprechend angenommen, dass der Kulturmanagementdisziplin eine einzigartige Sichtweise auf die behandelten Themen, wie den Kulturtourismus oder Modelle der Kulturfinanzierung, innewohnt, von der auch die Managementlehre profitieren kann. Hierfür steht exemplarisch die Erforschung von Kooperationsformen zwischen Staat, Wirtschaft und Non-Profit-Organisationen und dem damit verbundenen Konfliktpotential. 

Die letzten beiden Kapitel beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Rolle des Kulturmanagements im 21. Jahrhundert, die sich nach Ansicht der Autoren von der organisationalen Auseinandersetzung mit sozialen Strömungen wie der Globalisierung oder der Technologierevolution ableitet. Von diesem Bezugsrahmen ausgehend betrachtet das letzte Kapitel die Annäherung zwischen Kultur und Publikum als einen wichtigen und zukunftsträchtigen Maßstab für die Effektivität von Kulturmanagement 

Argumentativ schlüssig und wissenschaftlich fundiert 

Auch nach der Definition grundlegender Begriffe wird eine sorgfältige Argumentationsweise beibehalten, die es dem Leser erleichtert, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Dies ist notwendig, da sich aus dem Anspruch auf eine eigenständige Kategorisierung der Kulturmanagementdisziplin immer wieder argumentative Spannungsfelder auftun. Das Werk adressiert diese nicht nur, sondern nimmt zu ihnen aktiv Stellung. So gelingt es zum Beispiel, die Notwendigkeit für Kulturmanagement durch den Anschluss von Kulturbetrieben an das wirtschaftliche System schlüssig zu rechtfertigen, ohne zu suggerieren, dass alle Instrumente und Methoden der Betriebswirtschaftslehre übernommen werden könnten. 

Die Begründung eines geänderten Verständnisses des „Wirtschaftens“ beseitigt dieses scheinbare Paradox. Durch die Argumentation, dass der Begriff der Wirtschaftlichkeit stets von der jeweiligen Zielsetzung abhängig ist, gelingt es den Autoren, aufzuzeigen, inwiefern auch unter kulturellen Gesichtspunkten wirtschaftlich bzw. unwirtschaftlich gehandelt werden kann. Dadurch muss der wirtschaftliche Erfolg dem kulturellen Erfolg zumindest theoretisch nicht untergeordnet werden, sondern kann mit diesem einhergehen. An anderer Stelle können die Autoren durch diese konsequente Argumentation Missstände – wie das Ungleichgewicht in der strategischen Ausrichtung von gewerblichen und nichtgewerblichen Kulturbetrieben – aufzeigen und die altbekannte Forderung nach mehr Kulturmanagement mit neuer Glaubhaftigkeit wiederholen. 

Auch wenn dem Werk eine optimistische Einstellung zu Grunde liegt, wird immer wieder deutlich, dass der Prozess der Umstellung noch nicht von allen Seiten angenommen wird. Beispiele werden nicht nur mit großer Effektivität benutzt, um aktuelle Bezüge herzustellen, sondern auch, um dem Leser die Vorteile aufzuzeigen, die durch den Einsatz von Managementinstrumenten erzielt werden können. Gleichzeitig stellen die hierfür benutzten Studien, wie die Messung der ökonomischen Effekte der Landesausstellung „Konstantin der Große“ durch die Universität Trier (2008), einen lobenswerten Beitrag zur wissenschaftlichen Verankerung des Fachgebiets dar. Denkansätze, Definitionen und Terminologien nach Heinrichs, Klein und anderen Verfassern einschlägiger Lehrwerke werden in den seltensten Fällen ohne eigene Ergänzung gelassen und fügen sich nahtlos in die Hauptargumentation ein. 

Fazit

Das Werk reiht sich als zeitgemäße Einführung in die Reihe sorgfältig recherchierter Lehrbücher zum Thema Kulturmanagement ein. Es ist verständlich genug, um Einsteiger mit den wichtigsten Fragestellungen vertraut zu machen, die sich aus der Anpassung des Kulturbetriebs an ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen ergeben. Die Antworten auf diese Fragen entwickeln die Autoren auf der Grundlage von aktueller Forschung, statt sich auf bisherige Ansätze zu stützen, weshalb auch praktizierende Kulturmanager von der Lektüre nur profitieren können.  

Jan Huber absolvierte den Bachelorstudiengang »Kulturwirt« an der Universität Duisburg-Essen und wird im Herbst an der Erasmus Universität in Rotterdam den Masterstudiengang »Cultural Economics and Entrepreneurship« antreten. Zudem ist er als freier Texter tätig. 

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Jan Huber
14.07.2017, Julia Jakob
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