Zur Navigation springen
Zum Inhalt springen

Kulturmanagement Network

Internationaler Informationsdienst für Kultur & Management

Sie sind nicht im
KM-Portal eingeloggt.
25. Juni 2017

Es folgt der Seiteninhalt

Es folgt der Seiteninhalt
Vorheriger Artikel Nächster Artikel
Nächstes Buch: Der exzellente Kulturbetrieb
Seite zurück Liste

Ausgespielt. Aufstieg und Fall der Klassikindustrie


Autor: Norman Lebrecht
384 Seiten
Veröffentlichung: März 2007
Verlag: Schott
Einband: gebunden
ISBN: 3795705932
Online bestellen

Verlagstext

In seinem fesselnden, häufig provozierenden Buch enthüllt Norman Lebrecht, einer der weltweit meistgelesenen Kulturjournalisten und Insider des Musikbusiness, die faszinierende Geschichte vom Aufstieg und Fall der Klassik-Tonträgerindustrie.Mit einer Fülle von denkwürdigen Begebenheiten über die Macher im Geschäft und unvergessliche Künstler wie Schnabel, Toscanini, Callas, Rattle und die Drei Tenören verschafft Lebrecht seinem Leser tiefen Einblick in die Branche: Er schildert, wie Plattenfirmen Stars gemacht und gebrochen haben, wie ein Profiteur des NS-Systems zusammen mit einer KZ-Überlebenden ein Plattenimperium aufbaute, wie fortschreitende Technologien, Machtkämpfe in Chefetagen, ein leichtgläubiges Publikum und skrupellose Ausbeutung die Musikkultur unseres modernen Lebens bestimmen.
Abschließend präsentiert er seine kritische Beurteilung der 100 größten Aufnahmen aller Zeiten - und der 20 furchtbarsten.

Rezension:

von Dr. Martin Lücke, Korrespondent und Prof. für Musikmanagement, Bochum/München
 
Die Musikindustrie befindet sich seit ca. zehn Jahren in einer anhaltenden wirtschaftlichen Krise. Vor allem die Tonträgerbranche hat mit teils gravierenden Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Worin die Lösung des durch Digitalisierung aber auch veränderten Nutzungsverhaltens ausgelösten Problems liegt, ist bisher noch längst nicht zufrieden stellend erörtert worden. Auch aufgrund dessen erscheinen seit einigen Jahren vermehrt wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen, die sich mit unterschiedlichsten Aspekten der sich verändernden Musikindustrie auseinandersetzen, sich jedoch meist ausschließlich mit populärer Musik zwischen Rock und Pop beschäftigen. Die klassische Musik bzw. die Klassikindustrie – immerhin hat die Klassik in Deutschland laut dem Bundesverband Musikindustrie einen gleich bleibenden Anteil am Tonträgermarkt von ca. 7 Prozent – spielte bei diesen Veröffentlichungen bisher kaum eine Rolle.
Nun hat Norman Lebrecht eine Publikation gleichzeitig in den USA, in England und in Deutschland veröffentlicht, die sich, zumindest deutet darauf der Titel hin, intensiv dem Untergang der Klassikindustrie – bezogen auf die Tonträgerindustrie – widmet. Der Brite Lebrecht ist im Bereich der Klassik sicherlich kein Unbekannter, schließlich gilt er laut Los Angeles CityBeat als „Genie“ unter den Musikkritikern. Darüber hinaus hat er seit den neunziger Jahren bereits mehrere Publikationen veröffentlicht, die sich alle mit derselben Thematik beschäftigen: die Klassikindustrie ist unweigerlich dem Untergang geweiht!

Und nun dieses Buch, das, so der Klappentext, „mit einer Fülle von denkwürdigen Begebenheiten über die Macher im Geschäft und die unvergesslichen Künstler von Enrico Caruso bis zu den Drei Tenören verschafft“. Eigentlich ist Lebrechts Publikation dreigeteilt. Zunächst beschreibt er im Kapitel „Maestros“ eine kleine Industriegeschichte der klassischen Musik, angefangen bei der Erfindung der Tonträger. Auf knapp 200 Seiten stellt Lebrecht – meist bekannte – Geschichten und Anekdoten aus der Klassikindustrie dar, beschreibt deren Aufstieg, um jedoch schon bald zum angeblich tiefen Fall zu gelangen, denn seines Erachtens haben die Manager der großen Labels über Jahrzehnte hinweg unbegreifliche Fehler begangen, so dass es kein Wunder sei, die Klassikindustrie am Boden zu sehen, so Lebrecht. Diese Geschicht(ch)en hängt er vor allem an bekannten Persönlichkeiten auf künstlerischer und Managementebene auf, und so liest sich dieses Kapitel wie ein „Who is Who“ der international agierenden Klassikindustrie. Für den Kenner findet sich kaum etwas nennenswert Neues, doch, und dies muss man dem Autor zugestehen, ist das gesamte Kapitel angenehm feuilletonistisch geschrieben; da erkennt man den Rezensenten Lebrecht. Es ist äußerst unterhaltsam zu lesen, wie Dirigent und Interpreten mit ihren Managern agierten, wie Manager – in guten Zeiten – mit Spesengeldern nur so um sich schmissen, und wie die Industrie laut Lebrecht unzählige Chancen der Besserung und Veränderung verpasst habe.

Lebrecht wiederum verpasst es, auch aktuellste Tendenzen der Klassikindustrie ausführlich aufzunehmen – vielleicht, weil sie nicht in das ansonsten negativ gezeichnete Bild gepasst hätten. Die Gefahr aber auch die Chance der Digitalisierung der Tonträgerindustrie findet keinen ausreichenden Platz, ebenso nicht die Tatsache, dass in den letzten Jahren immer mehr Klassik- und Opern-DVDs verkauft werden, es demnach doch noch genügend Käufer für dieses Genre gibt, die sich mit klassischer Musik verwöhnen lassen möchten. Natürlich hat die Klassikindustrie, wie auch der Rest der internationalen Musikindustrie, massive Probleme. Doch ist es definitiv keine Lösung nur deren Untergang zu beschreiben. Lösungsansätze sucht der geneigte Leser leider – fast – vergebens, denn auch auf das Wachstum der asiatischen Märkte geht Lebrecht nur in den letzten Zeilen des ersten Teils ein.

Nun fehlen noch die Teile zwei und drei. In „Meisterwerke“ stellt Lebrecht die 100 besten Aufnahmen der  klassischen Musik dar. Wie immer bei solchen Kanonbildungen ist die Auswahl allerdings rein subjektiv. Lebrecht versammelt also die seines Erachtens besten Klassikalben des Jahrhunderts, beginnend – natürlich – bei Caruso und endend – vielleicht etwas überraschend – bei Pascal Rogé. Einhundert Kritiken zu lesen ist weniger unterhaltsam und abwechslungsreich als der erste Teil der Publikation. Doch letztlich folgt noch der dritte: „Wahnsinn“. In diesem Kapitel nimmt sich Lebrecht die zwanzig schlechtesten Alben vor, wiederum rein subjektiv. Heifetz findet sich darunter, Karajan, Bernstein, Klemperer, Maazel und auch Rattle. Braucht man dies? Offen gesagt, nein. So bleibt am Ende leider der Eindruck, Lebrecht – oder der Verlag – wollten das Buch ein wenig im Umfang strecken. So nimmt der Spaß am Lesen leider von Kapitel zu Kapitel ab.

Letztlich muss jedoch konstatiert werden, dass zumindest der erste Teil für den Leser, der einen ersten, unterhaltsamen und nicht wissenschaftlichen Einblick in die Entwicklung der Klassikindustrie sucht, lesenswert ist. Die zweite Hälfte des Buches ist jedoch – rein subjektiv betrachtet! – überflüssig.

[einklappen]
Vorheriger Artikel Nächster Artikel
Nächstes Buch: Der exzellente Kulturbetrieb
Seite zurück Liste
Ähnliche Bücher in Seite zurück Allen Themenbereichen
[Management] [Marketing] [Musik/Musikmanagement] [Musikindustrie] [Technologien]

Ähnliche Bücher in Seite zurück Allen Sparten
[Management] [Marketing] [Musik/Musikmanagement] [Musikindustrie] [Technologien]