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29. Mai 2017

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Räume der kulturellen Tat

Teil 8 der Artikelserie „Alternativen zum Verlust der Kulturpolitik«: Warum der Slogan »Kultur für alle« dringend ein Update braucht, z.B. als »Räume für alle«.

»Kultur für alle“ ist eine der leersten Worthüllen dieser kulturpolitischen Gegenwart: Wenn sich große kulturelle Häuser, wie das Museumsquartier, diese Maxime an die Fahnen heften, ist davon auszugehen, dass ein neuer Slogan gefunden werden muss. Da hilft auch kein freier Eintritt für Jugendliche in großen Museen, die dann doch nur als eine Ziffer in den Besucher_innenzahlen enden. „Kultur für alle“ ist die beschnittene Version eines Gesellschaftsbildes, das diesen Aufruf mit „Kultur von allen“ fortzusetzen verstand. Ein Gesellschaftsbild, das von seinen Bevölkerungen nicht als reine Konsument_innen träumte, sondern von aktiven, gestaltenden Menschen, die im Austausch ihrer Fähigkeiten und Interessen selbstverständlich auch Kulturproduzent_innen waren und sind. Diese Träumer_innen, die sich nicht davor scheuten diesen Slogan ernst zu nehmen, erstritten und besetzten sich Stätten ihres politischen und kulturellen Handelns, seien es die Arena-, WUK-, EKH-, Amerlinghaus-, Stadtwerkstatt-, p.m.k-, u.v.a.m.-Aktivist_innen. Sie alle haben kulturelle Räume geschaffen, für die sich keine offizielle Kulturpolitik interessierte, aber diese Initiativen sind der Nährboden dafür, dass irgendwann so etwas wie „Kultur von und für alle“ überhaupt denkbar wird. Denn wo können die Experimente stattfinden, die uns morgen in den Feuilletons beschäftigen werden? Wo finden junge Musiker_innen, Performer_innen, DJs ihre ersten Herausforderungen?

Die Wahrheit ist, dass für die aktuelle und die nächsten Generationen diese Orte zu wenig vorhanden sind. Und das obwohl die Vorteile von selbstorganisierten, offenen Strukturen auf der Hand liegen. Eines der Beispiele sind die freien Radios in Österreich, die selbst einmal in die Illegalität gedrängt, als Piratenradio begonnen haben. Heute haben durch die freien Radios 2500 Menschen die Möglichkeit aktiv Radiosendungen zu gestalten, was sie in 25 verschiedenen Sprachen auch tun. Niemand garantiert derartig weit gestreut Zugang zu einer Kulturtechnik, und vermittelt (nicht nur) das notwendige Know-how, welches den Grundstein für Selbstorganisation und Professionalisierung legen kann. Ein Beispiel gefällig? Die erste schwarze Nachrichtensprecherin im ORF, Claudia Unterweger, begann als Radiomacherin bei Radio Afrika auf dem freien Radio Wien (Radio Orange 94.0). Ein anderes Beispiel aus der Musiksparte ist Gustav, die ihren ersten Auftritt bei einem der Frauenbanden-Feste hatte, ein Veranstaltungszyklus, der es Frauen ermöglichen soll, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln.

Was also tun, um die Forderung von „Kultur für und von alle“ aus dem Koma zu erwecken? Wie wäre es einmal damit Initiativen nicht sofort im Keim zu ersticken, sondern wirklich nach Lösungen zu suchen, die den Menschen vor den Profit stellt? Anstatt der – aufgrund von sozialen und wirtschaftlichen Zwängen – wieder wachsenden Hausbesetzungsbewegungen die Polizei zu schicken und die Leerstände zu räumen, wäre es an der Zeit an unzähligen Orten aktive Jugendliche bis Senor_innen nicht immer nur vor die Tür zu setzen. Diese zurecht geforderten Freiräume sind nicht der Wunsch auf Kosten der Allgemeinheit für die eigene Gruppe Privilegien zu erringen, im Gegenteil geht es darum, bisher negierten und ausgeschlossenen Bevölkerungsteilen erst den Zugang zu diesen Räumen zu ermöglichen. Diese Räume zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch persönlichen Einsatz gestaltbar sind, sie brauchen aktivierte Menschen, die bereit sind, sich mit unterschiedlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, sich neues Wissen anzueignen und eigenes weiter zu geben. Deswegen einmal mehr zurück zur Forderung nach „Kultur(-Räume) von und für alle“, statt der Degradierung der Menschen zu Konsument_innen und ein Bekenntnis der Kulturpolitik für offene, soziale Räume mit entsprechender Förderung.
 

Marty Huber
22.08.2011, Silke Stummer
Quelle: IG Kultur, 04.08.2011
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