18.08.2016

Magazin August 2016

Ausgabe 113: Risiko

Es gibt Geschichten, die davon handeln, dass der Wagemutige am Ende für seine Risikobereitschaft reichlich belohnt wird. Ist der deutschsprachige Kulturbetrieb eine Plattform für solche Geschichten über Mut und Risiko? Wohl eher nicht. Dabei ist gerade der Kunst- und Kulturbereich ein Raum zum Ausprobieren von Neuem. Wieso wird er nicht auf der ganzen Ebene genutzt - zum Beispiel, wenn es darum geht, Strukturen zu erneuern?
 
Das mag zum einen an der verwaltungsähnlichen Struktur der öffentlichen Kulturlandschaft liegen, die sich nur mit viel Widerstand verändern lässt. Zum anderen mag es auch ein psychologisches Moment sein, dass viele EntscheidungsträgerInnen im Kulturbereich vor riskanten Neuerungen, deren Folgen sie zu verantworten hätten, zurückschrecken lässt. Zudem sind es öffentliche Gelder, mit denen der Kulturbetrieb hantiert da sind Sorgfalt und Vorsicht zweifellos angebracht.
 
Doch wer nie Risiken eingeht und sich damit in Sicherheit wägt, gibt sich einer Illusion hin: Wer nur auf den Sicherheitsaspekt setzt, wird am Ende nicht selten abgehängt, verpasst Chancen und neue Entwicklungen gestaltet nicht selbst, sondern verwaltet den Status quo. Das sehen inzwischen auch Kulturpolitik, Kreativwirtschaft und Kulturverbände so, die Kreativstandorte durch mehr Risikobereitschaft und neue Denkansätze gerne gestärkt sähen. Doch wird von der öffentlichen Hand auch gefördert, was gefordert wird?
 
Wer Risiken eingeht, kann scheitern. Risikomanagement hingegen kann verhindert, dass die Folgen dieses Scheiterns der Kultureinrichtung tatsächlich Schaden zufügen. Der Rahmen, um Risiken eingehen zu können, muss vorher also erst gegeben sein. Sei es ein neues Modell zur Finanzierung der Einrichtung, eine Idee zum Marketing, die bisher nie ausprobiert wurde, oder eine Auflockerung fester Strukturen wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Wenn das Kulturmanagement sich mit der strategischen Planung und den etwaigen Folgen von wagemutigen Vorhaben grundlegend auseinandersetzen und Methoden entwickeln würde, könnte das AkteurInnen und Stakeholdern vielleicht auch die Angst davor nehmen, Neues auszuprobieren.

Inhaltsverzeichnis

SCHWERPUNKT - Risiko
 
THEMEN & HINTERGRÜNDE
 
  • Bühne frei für Risiken und Chancen. Risiko- und Krisenmanagement im Kulturbetrieb.
    Ein Beitrag von Frank Romeike, Seite 9
  • Hochrisiko Architektur? Bernd Nentwig über Risikofaktoren beim Bauen im kulturellen Umfeld, Seite 15
  • Risikofaktoren bei Besetzungsverfahren. Oliver Scheytt über eierlegende Wollmilchsäue,
    Seite 18
  • "Riskantes Unternehmertum = riskante Kreativwirtschaft?" fragt Bastian Lange, Seite 26
KM IM GESPRÄCH
 
  • Risikobereitschaft ist höchst individuell. "Niemand wird risikofreudiger, nur weil es einem anderen nützt", meint Prof. Dr. Dohmen, Seite 5
  • Oper darf nicht verharren. Ein Gespräch mit Guy Montavon über das Risikopotenzial von Uraufführungen, Seite 13
  • Risikofreude ist nicht das Wichtige. Dr. Jessica Di Bella erklärt, warum der Ruf nach mehr Risikobereitschaft in der Gründerszene nicht immer stichhaltig ist, Seite 22

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