08.02.2012

Magazin Februar 2012

Ausgabe 64: Nachhaltigkeit

Im Februar steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt unserer Berichterstattung. Den Impuls zur Debatte gibt diese Ausgabe des Magazins.
 
"Wie alles begonnen hat?" Die Frage ist bei einem Thema wie Nachhaltigkeit ebenso wenig zu beantworten, wie die Frage danach, ob die Henne oder das Ei zuerst da war. Das ist aber eigentlich auch egal. Zuallerletzt sollte das Thema eine Domäne von Historikern werden. Denn die Grundlage der Auseinandersetzung mit den Dimensionen der Nachhaltigkeit ist die der Zukunft. Sicher, eine Revision ist immer dann richtig und wichtig, wenn man bereit ist aus Fehlern zu lernen...
 
Doch wie steht es mit der Nachhaltigkeit, wenn wir den Blick auf den Kulturbetrieb richten? Eine erste Beschäftigung mit dem Thema ist der Evangelischen Akademie Tutzing 2001 zu verdanken, die bei ihrer Tagung "Ästhetik der Nachhaltigkeit" das sogenannte Tutzinger Manifest verabschiedete. Wenn man glaubt, dies sei der Startschuss für eine nachhaltige wissenschaftliche Publikationsflut gewesen, irrt. Nur Weniges folgte, wie von der Kulturpolitischen Gesellschaft oder Armin Klein. Kein Thema für die Kulturmanagement-Forschung?
 
Viele werden behaupten, dass den Kulturbetrieb zu erhalten und in die Zukunft zu tragen, aufgrund seiner wichtigen Funktion für die Wissens- und Wertevermittlung und des Erhalts von Kulturerbe, die eigentliche Aufgabe des Kulturbetriebs für Nachhaltigkeit sei. Das ist richtig. Doch Nachhaltigkeit bedeutet so vieles mehr. Und hier wird der Kulturbetrieb in Zukunft aufrüsten müssen: Zum einen die Hardware. Der Sanierungsbedarf bei deutschen Kultureinrichtungen wird in den nächsten Jahren immens steigen und die Aufgaben, wie auf Aspekte der Energieeffizienz zu achten, bedürfen einer hohen, nicht gänzlich outsourcebaren Fachkompetenz. Bei Neubauten ohnehin. Dann der ökonomische Erhalt. Hier wird auf allen Ebenen des Kulturbetriebs bereits seit Jahrzehnten umgestellt und nach einem zukunftsträchtigen Konzept gesucht. Es wird sich zeigen, dass es keine abschließende Zauberformel für ein gelungenes Kulturmanagement gibt. Flexibel und kreativ auf die Ansprüche der Zukunft reagieren zu können und seine Strategien dementsprechend auszurichten, wird die wichtigste Kompetenz sein. Und letztlich die Dramaturgie der Vermittlung. Sich dem Thema zu nähern, künstlerisch auseinanderzusetzen, den Mut haben unbequeme Positionen einzunehmen und einmal auf Van Gogh & Co. zu verzichten, das wird eine Aufgabe sein, die sich der Kulturbetrieb stellen muss.
 
Nur schleppend, aber wenn, dann sehr engagiert, wird dem Thema in unseren Kulturtempeln Raum gegeben. Wieder zeigen - wie so oft - die institutionsunabhängigen Initiativen, wohin die Reise gehen kann. Erstaunlich ist das späte Ankommen des Themas dahingehend, da die Kunst selbst - als Dokumentar und Archivar gesellschaftlicher Entwicklungen - sich sehr früh mit Themen der Nachhaltigkeit auseinander gesetzt hat, ob ökologisch, ökonomisch oder sozial. Als berühmter Stellvertreter für unzählige Projekte sei die 7000 Eichen-Aktion von Joseph Beuys anlässlich der documenta 7 im Jahr 1982 genannt.
 
Wir möchten uns an dieser Stelle bei unseren Mitarbeiterinnen der Schweizer Redaktion in Winterthur, vor allem Birgitta Borghoff, bedanken, die zusammen mit der Nachhaltigkeitsexpertin Annett Baumast das redaktionelle Konzept für den Themenschwerpunkt erstellt haben. Dank ihres Kenntnisreichtums im Bereich der Nachhaltigkeit können wir Ihnen wunderbare Projekte aus allen Sparten in Deutschland, der Schweiz und in Österreich vorstellen. Die Ideen, das Engagement und die Professionalität mit der hier gearbeitet wird, zeigen auf, welche wichtige Vermittlerrolle Kunst und zukommt und in Zukunft vermehrt zukommen wird. Denn die suchen nach Reflexionsflächen für ihre vielfältigen Fragen, die gerade bei dem Facettenreichtum des Themas so individuell wie die Bedürfnisse jedes Einzelnen sind.

Inhaltsverzeichnis

SCHWERPUNKT - Nachhaltigkeit
 
THEMEN & HINTERGRÜNDE
  • Nachhaltigkeit im Kultursektor - Viel Lärm um Nichts? von Annett Baumast, Seite 5
  • Wie nachhaltig ist der chinesische Film? von Katharina Schneider-Roos, Seite 12
  • Drei Säulen auf und hinter der Bühne, von Annett Baumast, Seite 17
  • Das Grüne Museum. Das Konzept der Nachhaltigkeit in der Bewahrung unseres kulturellen Erbes, von Stefan Simon, Seite 29
  • Licht im Museum, von Roland Damm, Frank Heydecke und Frank Stolpmann, Seite 33
  • Nachhaltige Entwicklung als Gestaltungsherausforderung in Kulturbetrieben, von Corinna Vosse, Seite 44
  • Alter Greis - Weißer Schimmel - Nachhaltige Beratung. Kulturberatung als strategisches Instrument, von Bernward Tuchmann, Seite 47
IM GESPRÄCH
  • Das Leben wertvoller gestalten, Interview mit Prof. Dr. Claus Hipp, Seite 8
  • Sich mit neuen Fragen dem Thema nähern, Interview mit Josef Mackert, Seite 20
VORGESTELLT...
  • Filme für die Erde, von Kai Pulfer, Seite 15
  • Die zwei Seiten des Wassers, von Ula Corn, Seite 24
  • Kein Kunstmüll - The 100 % Environmentally Friendly Show, von Katharina Sammer, Seite 26
  • Groove to Save the World, von Lucile Barras, Seite 36
  • Ökoprofit in Kulturinstitutionen am Beispiel der Laeiszhalle Hamburg, von Lars Wilcken,
    Seite 38
  • Das Tollwood Kulturfestival, von Stephanie Weigel, Seite 40
  • Arbeitskultur für nachhaltige Innovationen. Drei Vorurteile zu Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand, von Friedrich Große-Dunker und Jeong Hong Oh, Seite 42
EX LIBRIS
  • Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik, von Dirk Heinze, Seite
KM - der Monat
 
KONFERENZEN & TAGUNGEN
  • Jahrestagung Fachverband Kulturmanagement, Rückblick von Dirk Heinze, Seite 52
  • Symposium kultur digital, Rückblick von Christian Holst, Seite 54
  • Deutsch-französisches Kolloquium Dijon, Rückblick von Fabian Stech, Seite 56

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