16.02.2015

Autor*in

Jenny Kornmacher
Markus Engel
Best Practice

Die Professionalisierung junger Start-ups mit MUSIC WORKS

Die Schwerpunkte und Bedingungen der Musikwirtschaft haben sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Der Verkauf von physischen Medien hat an Bedeutung verloren, an seine Stelle sind eine Vielzahl von neuen Produkten und Leistungen rund um die Musik getreten. Diese Entwicklungen hat die Kulturbehörde Hamburg in Zusammenarbeit mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft zum Anlass genommen, 2011 das Projekt MUSIC WORKS ins Leben zu rufen.
Der MUSIC WORKS Accelerator ist ein in Deutschland bisher einzigartiges Programm und nicht grundlos in Hamburg angesiedelt. Hamburg ist Musikstadt. Die Szene ist vielfältig, quirlig und groß. Die Umsätze der Musikwirtschaft liegen bei knapp 800 Millionen Euro. Dieses Potential möchte MUSIC WORKS aufgreifen und sich dabei stets an die sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen. War es in den vergangenen drei Jahren ein Wettbewerb für die besten Hamburger Geschäftsideen im Musikmarkt, wurde es nun zu einem Format, das innovativen Geschäftsideen in konzentrierter Form umfassende professionelle Unterstützung und Entwicklungsperspektiven anbietet. Diese Umwandlung von einem Jurypreis mit Preisgeld zu einem mehrmonatigen Accelerator zeigt den Anspruch der Initiatoren, nachhaltig Hilfestellung zu bieten. Start-ups werden im Bereich Musik immer häufiger, sodass die Konkurrenz wächst und es neben der Finanzierung auch Unterstützung und Beratung durch Branchenkenner bedarf.

Der MUSIC WORKS Accelerator 2014

Erstmalig erhielten in diesem Rahmen zwei ausgewählte Gründerteams aus Hamburg die Möglichkeit, ihre innovativen Geschäftsideen zwölf Wochen lang weiterzuentwickeln. In der ersten Bewerbungsrunde wurden zwei Start-ups für die Teilnahme ausgewählt: SofaConcerts, eine Internet-Plattform für Wohnzimmerkonzerte und Veranstaltungen mit Live-Musik, und Mehr Lametta, ein Kreativdienstleister für Musikmarketing mittels Gamification.

Der MUSIC WORKS Accelerator beinhaltet neben einem Arbeitsplatz im betahaus Hamburg auch 5.000 EUR zum Einkauf von Dienstleistungen und einem Zuschuss zum Lebensunterhalt in Höhe von 3.000 EUR. Kern des Accelerators ist ein Qualifizierungsprogramm in Form von wöchentlichen Workshops.

Mitte September startete das Programm für die Teams mit einem Wochenende auf dem Reeperbahn Festival. Dort bekamen sie neben dem Zugang zum Konferenz- und Festivalprogramm ihr erstes Coaching im Rahmen von Startups@Reeperbahn. In Kooperation mit verschiedenen Hamburger Unternehmen und Branchenvertretern (u.a. YouTube, Warner Music, Hamburg Startups, Finetunes, GEMA) wurden unter anderem folgende Themen bearbeitet: Streaming als Marketing- und Vertriebskanal, Worauf achten Investoren?, Wie pitche ich richtig? sowie juristische Fragestellungen. Dabei wurden Wünsche der Teilnehmer berücksichtigt und das Programm individuell angepasst. Expertenwissen zu IT-Lösungsansätzen waren den Teilnehmern des Accelerators wichtig, da für Geschäftsmodelle mit immateriellen Gütern die Digitalisierung eine besondere Herausforderung darstellt. Es gibt auch im professionellen Musikmanagement kaum Patent-Lösungen. Die Beantwortung juristischer, technischer und managerialer Fragen ist also wichtig, um die Geschäftsentwicklung nicht zu verzögern.

Miriam Schütt von SofaConcerts berichtet: Die Workshops richten sich bewusst an unsere Bedürfnisse. Vom Unternehmensaufbau bis hin zur Klärung rechtlicher Fragen bekommen wir Hilfestellung, lernen interessante Leute kennen und können unser Netzwerk in der Musikbranche ausbauen.

Der MUSIC WORKS Day

Den Höhepunkt des MUSIC WORKS Accelerators bildete der MUSIC WORKS Day. Zusätzlich zu den Accelerator-Teilnehmern wurden in einer weiteren bundesweiten Ausschreibung zwei Gründer-Teams ausgewählt, die gegeneinander um einen Mediapreis des Branchenmagazins Musikmarkt und einen Geldpreis in Höhe von 5.000 EUR pitchen: das Unternehmen Stagelink, ein Fan-getriebener Tour-Promoter, und Uberchord, eine Lern- Plattform für Gitarrenspiel als App. Als wichtigste Kriterien galt für alle Bewerber, dass die Gründung nicht länger als zwei Jahre zurückliegen durfte und mit der Unternehmung ein möglichst innovativer und realisierbarer Ansatz für die Musikwirtschaft verfolgt werden sollte.

Der MUSIC WORKS Day am 4. Dezember beinhaltete einen Austausch mit den Branchen-Experten Barbara Hallama (Chief Editor, Google Play) und Christian Gerlach (Geschäftsführer Neuland Concerts). Die öffentliche Abendveranstaltung wurde mit einer Begrüßung durch den Staatsrat der Kulturbehörde, Dr. Horst-Michael Pelikahn, und einem Impulsvortrag von Barbara Hallama im Nochtspeicher eröffnet. Im Anschluss präsentierten sich die vier Start-ups nacheinander der Jury und dem Publikum. Jedes Team hatte dabei maximal zehn Minuten Zeit, um mit seiner Präsentation zu überzeugen.

Schließlich konnte SofaConcerts und seine Gründerinnen Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt mit ihrem Geschäftsmodell sowohl das Publikum als auch die Jury für sich gewinnen. Ihr nächstes Ziel ist es, eine kostenpflichtige Pro-Version in Ergänzung zur kostenlosen Basis- Version zu launchen.

Insgesamt 100 Gäste, darunter Investoren, Politiker sowie Vertreter von Verbänden und Interessensgemeinschaften der Musikwirtschaft, kamen für den MUSIC WORKS Day zusammen, mit dem ein erfolgreiches Projekt seinen krönenden Abschluss fand. Einige der Teams kamen noch am gleichen Abend mit interessierten Investoren ins Gespräch.

Auch in den nächsten Jahren soll MUSIC WORKS in ähnlicher Form weitergeführt werden. Staatsrat Dr. Horst-Michael-Pelikahn versprach das Projekt weiter auszubauen.

Weitere Informationen unter: Music Works Hamburg der Hamburg Kreativ Gesellschaft
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