26.08.2013

Autor*in

Thomas Lang
Best Practice

Performance-Kunst in der Schweiz - Das Festival PERFORM NOW

Von Thomas Lang. In den verschiedenen Bereichen der Kunst und Kultur existieren unterschiedliche Möglichkeiten, wie Künstler ihre Arbeiten präsentieren können. Die Orte, wo Künstler ihre Arbeiten zeigen - sei es innerhalb der Sparten Theater, Tanz, Musik oder Kunst - sind einerseits stark geprägt durch ihre Geschichte der Entstehung und des Ortes sowie andererseits durch den vorherrschenden Diskurs der jeweiligen Sparte. In der Performance-Kunst, wo das Performative, also das Ereignis als solches mit seiner Erzeugung im Zentrum steht, gibt es in der Schweiz etwa 4 5 Aufführungsorte.
Interessanterweise steht bei den modernen Ausdrucksformen der Sparten Theater, Tanz und Musik das Ereignis sowie dessen Hervorbringung ebenfalls im Zentrum ihrer Betrachtungen, wobei das Ergebnis dieser Betrachtung unterschiedlich ist. Zwischen den Sparten findet dort einen Austausch statt, wo die Zusammenarbeit geschichtlich betrachtet, bereits gegeben ist.

Der Verein PERFORM NOW
Die Situation, das die Performance-Kunst nur an wenigen Orten in der Schweiz gezeigt wird und die modernen Ausdruckformen der Sparten Theater, Tanz und Musik getrennt von der Kunst zur Aufführung gebracht werden, hat mich dazu bewogen, im Jahr 2009 den Verein PERFORM NOW in Winterthur ins Leben zu rufen. Der Zweck dieses Vereins ist die Förderung, Vermittlung und Präsentation von Kunst und Kultur in ihren aktuellen Formen. In der Entwicklung, sowie auch in der Realisation der Projekte wird ein transdisziplinärer Ansatz verfolgt.

Im Zentrum der Tätigkeit des Vereins Perform Now steht das Festival PERFORM NOW!, das Symposium TRANS:SCRIPT und die Nachwuchsplattform TRANS:FORMATOR.

Kooperation und Diffusion
Im Rahmen dieser unterschiedlichen Gefässe wird mit den unterschiedlichsten Partnern zusammengearbeitet. Einige der Kooperationen beruhen darauf, dass die Medien den Auftrag haben, die Kultur zu unterstützen. Andere Kooperationen sind eher klassisch angehaucht, mit dem Ziel, die Auslastung des Festivals und die Reichweite der Werbung zu erhöhen oder den Transfer des technischen Know-Hows und der entsprechenden Technik zur Verfügung zu stellen. Für die 3. Ausgabe des Festivals PERFORM NOW, das vom 3. 6. Oktober 2013 erstmalig im Gaswerk Winterthur einem renommierten Winterthurer Kulturzentrum stattfindet, können wir zusätzlich das Kino Nische nutzen. Als Gegenleistung erhält das Kino von uns diverse Kommunikationsleistungen.

Weitaus interessanter für uns ist über diese klassischen Formen hinaus die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Winterthur: Diese stellt uns für das Symposium TRANS:SCRIPT (3. 5. Okt. 2013) Technik und Infrastruktur gratis zur Verfügung.

PERFORM NOW ist ein noch junger Verein mit beschränkten finanziellen Mitteln, entsprechend eingeschränkt sind daher die Potenziale und Möglichkeiten von nationalen Kooperationen. Die bestehenden Kooperationen zu swissfestivals einem Zusammenschluss Schweizer Kulturfestivals verschiedener Kultursparten - , zu Alumni-Organisationen diverser Hochschulen sowie zu anderen Veranstaltern basiert auf der Basis der Diffusion.

Transdisziplinarität Vernetzung Begegnungsräume

Bei der Entwicklung und Realisation der einzelnen Projekte arbeiten wir auf der Basis der Transdisziplinarität. Diese gewährleistet einerseits die Einbindung der einzelnen Stakeholder sowie andererseits der Kreativen, die für die Umsetzung wichtig sind. Die Vernetzung zwischen Publikum und Kunstschaffenden, Performern und Kreativen findet auf unterschiedlichen Ebenen statt. Künstler des Festivals geben im Rahmen des Symposiums ein Referat oder einen Workshop. Kreative werden bei der Entwicklung der Szenografie für das Festival beigezogen. Der TRANS:FORMATOR ist ein Bestandteil des Festivals und gleichzeitig ein Förderprojekt für die jungen Künstlerinnen und Künstler. Da wir sowohl für das Festival als auch für den TRANS:FORMATOR auf den Aufbau jeglicher Bühnen verzichten, begegnen sich Künstler wie Zuschauer auf einer Ebene, d.h. auf Augenhöhe.


Einen Ansatz, den wir zur Vernetzung der Bereiche verfolgen, ist die Frage: Was ist ein Ereignis? Wie wird die Aufmerksamkeit erzeugt und inwieweit ist das für den einen oder anderen Aspekt wichtig?"

Durch die spezifische Ausrichtung auf die zeitgenössischen Ausdrucksformen, bzw. aktuellen Formen der Kultur handelt es sich bei unserem Publikum nicht um den klassischen Theater- oder Opernhausgänger, sondern um einen Menschentypus, der das Aussergewöhnliche und das Spezielle liebt.

Finanzierung Kulturvermittlung Publikumsakquise
Die Finanzierung ist eines der wichtigsten Themen für uns. Dadurch dass wir einen Teil der Finanzierung über Stiftungen und öffentliche Hand sichern, müssen wir bereits bei der Auswahl der Künstler entsprechende Kriterien berücksichtigen. Einhalten der formalen Bedingungen ist daher für uns ein Teil der Entwicklung des Festivalprogramms.

Ende Juni diesen Jahres starteten wir erstmals eine Crowdfunding-Aktion auf der http://www.100-days.net/de/projekt/festival-perform-now. Ziel ist es, über diese Massnahme Reise-, Übernachtungs- sowie Technikkosten für die Künstler aus dem Ausland und der Westschweiz zu finanzieren. Publikumsakquise und Diffusion gehen für uns Hand in Hand. Im Vordergrund stehen hier die Zusammenarbeit mit der Initiative *Kulturherbst Winterthur 2013, Stadtbus Winterthur, Winterthur Tourismus sowie diversen regionalen Medienpartnern. Die publikumsnahe Vermittlung durch einen «StadtWalk», d.h. eine Führung zu den Aufführungen im öffentlichen Raum, ist für uns eine weitere Massnahme, um das Publikum auf PERFORM NOW aufmerksam zu machen. Kontinuierliche Präsenz auf sämtlichen Social Media Kanälen wie Facebook, Youtube, etc. ist ein absolutes Muss. In diesem Jahr wird für uns erstmalig auch Guerilla-Marketing ein Thema sein.

Chancen und Risiken für die zukünftige Entwicklung
Im Bereich der Vermittlung können wir definitiv mehr machen. Allerdings sind sämtliche weiteren Entwicklungen von den aktuellen finanziellen Möglichkeiten des Vereins als auch von der vorhandenen Infrastruktur in Winterthur abhängig. Dies impliziert, dass wir Projekte entwickeln müssen, die auch aus der Sicht des Monetären interessant sind, um langfristig überleben zu können.

Die spezifische Ausrichtung und die Positionierung als ein spartenübergreifendes Festival innerhalb der freien Szene bergen das Risiko in sich, dass die entsprechenden Gelder nur sehr schwer akquiriert werden können. Denn die Förderpraxis auf der Ebene Bund und Kanton sind nach wie vor auf Sparten ausgerichtet. So werden zum Beispiel die Filmfestivals auf Bundesebene gefördert, Tanzfestivals und dergleichen hingegen nur auf kantonaler und kommunaler Ebene.

Gezwungenermassen ist für die Finanzierung eines Festivals v.a. auch die Anzahl der Eintritte wichtig. Kurz gesagt: Viel Eintritte gleich mehr Gelder, gleich höhere Wichtigkeit für die Förderung seitens der öffentlichen Hand und höheres Potenzial für das Sponsoring.

Massgebend für die Zukunft unseres Festivals wird der Erfolg von PERFORM NOW! #3 vom 3. 6. Oktober 2013 in Winterthur sein. Sicher ist: Die Arbeit mit dem jetzigen Team macht Lust auf mehr, Lust, noch weitere Spielstätten für das Festival zu eröffnen. Bis es soweit ist, gilt es Beharrlichkeit an den Tag zu legen und eine solide finanzielle Grundlage aufzubauen.

Weitere Infos: www.perform-now.ch

Über den Autoren Thomas Lang:
Studium Kunst an der F+F Zürich sowie Kulturkritik und Kulturkommunikation am IAM in Winterthur. Nachdiplomstudium Design, Art und Innovation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst der FHNW,. MA-Studium (Transdisziplinarität) an der Zürcher Hochschule der Künste in Zürich. Weiterbildung im Bereich Risiko- und Innovationsmanagement, Immaterielgüterrecht Schutzrechte, Finanzen, Marketing und Kommunikation. Wissenschaftliche Assistenz an der Fachhochschule Nordwestschweiz (2001 - 2010). Initiant und Gründer der PERFORM NOW! in Winterthur. Mitgründung der Performancegruppe «cooperation projekt x» (1994). Entwicklung, Realisation und Präsentationen von Projekten im Bereich von Kunst, Öffentlichkeit und Vermittlung im In- und Ausland.

*Kunst & WIssenschaft, Kulturherbst Winterthur, 6.9.-16.11.2013
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben sich in Winterthur siebzehn Kulturinstitutionen zusammengeschlossen, um gemeinsam zum Thema Kunst und Wissenschaft den Kulturherbst Winterthur durchzuführen. Lanciert wurde der Kulturherbst 2011 von den IG Kunstsammlungen Winterthur. In der Folge haben sich dem Projekt Institutionen aus verschiedenen Bereichen angeschlossen und ihre Ausstellungen und die vielseitigen Veranstaltungen nach dem gemeinsamen Thema Kunst und Wissenschaft ausgerichtet. Das Resultat ist ein reichhaltiges Programm, das von Ausstellungen über Symposien, Konzerten bis zu Filmvorführungen reicht.
Der Kulturherbst entstand mit dem Ziel, die kulturellen Institutionen der Stadt Winterthur zusammenzuführen. Zusätzlich möchte der Kulturherbst mit dem gemeinsamen Auftritt das grosse Potential von der beeindruckenden Anzahl von bedeutenden Kunstsammlungen, Museen und Kulturinstitutionen in Winterthur einer breiten Öffentlichkeit näher bringen.



Kommentare (0)
Zu diesem Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden.