19.12.2014

Autor*in

Karin Wolf
ist Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, Wien. Sie ist seit 1984 im internationalen Kulturbereich tätig und hat regelmäßig Lehraufträge zu Kulturmanagement inne, u.a. in Wien, Graz und Belgrad. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Personalentwicklung, Jobcoaching und Karriereplanung, Teamentwicklung und Führungskräftetraining, PR- und Marketing.
Rückblick "Das "de-professionalisierte" Museum"

Neue Aufgaben für KuratorInnen und Publikum

Fachleute aus dem Museumsbereich, vor allem KuratorInnen und KulturvermittlerInnen, diskutierten am 4. und 5. Dezember in Wien während der von der Museumsakademie Joanneum und dem Österreichischen Museum für Volkskunde organisierten Veranstaltung intensiv über Veränderungen im Hinblick auf die Definition von Rollen und Berufsbildern in Museen.
Der Titel De-professionalisierung stand provokativ für das Loslösen von überkommenen Vorstellungen darüber, was ein Museum zu leisten hat: Archivieren, Bewahren und Bilden. Bei der Veranstaltung wurden Pro & Contra dieses Transformationsprozesses, vor allem in Hinblick auf eine Neudefinition von Berufsbildern und Kompetenzen, intensiv diskutiert.

In welche Richtung bewegen sich das Ausstellen und das Vermitteln in Zukunft, wenn aus KünstlerInnen KuratorInnen, aus KuratorInnen VermittlerInnen und aus VermittlerInnen SozialarbeiterInnen werden? Welche Rolle spielt das aktiv partizipierende Publikum und wieweit sollen Laien ohne ExpertInnen-Status Ausstellungen und Programme mitgestalten dürfen?

Die Vortragenden repräsentierten die Vielfalt der Positionen darüber und ermöglichten deshalb sehr unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema.

Von der vielschichten/komplexen Transformation des Historischen Museums Basel aus der Sicht der Direktorin Marie-Paule Jungblut über die Herausforderungen freier KulturvermittlerInnen (Franziska Mucha, Volontärin am Historischen Museum Frankfurt und Daniëlle Kuijten, Heritage Concepting, Amsterdam), die projektbezogen arbeiten, bis hin zu Innovationspotential und Differenzen, die sich in der Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und politischen AktivistInnen (Günther Friesinger, monochrom und Zara Pfeiffer, Politikwissenschafterin) ergeben können.

Die sogenannten Etablierten Angela Jannelli, Kuratorin des Historischen Museums Frankfurt, und Matthias Beitl, Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde, inszenierten eine ironische Therapiesitzung. Thematisiert wurde die Zerrissenheit der MuseumsexpertInnen, die sich unter anderem in der unterschiedlichen Wahrnehmung des Berufsfeldes von außen und innen widerspiegelt.

Was ist in Zukunft die Basis allen Tuns? Die fachwissenschaftliche Basis oder das Commitment und die Leidenschaft fürs Thema? Wie vertragen sich Partizipation und Professionalismus und wo wird Partizipation zur Ausbeutung?

Bettina Habsburg-Lothringen von der Museumsakademie Joanneum und Stefan Krankenhagen von der Universität Hildesheim, die InitiatorInnen dieser äußerst informativen und inspirierenden Veranstaltung, hoben in ihrem abschließenden Résumé einige wesentliche Erkenntnisse hervor:

Die Logik des Systems Museum ist für Externe schwer zu durchschauen. Ein Grundverständnis für die Funktionsweisen ist aber notwendig, damit Partizipation wirklich gelingen kann. Das heißt aber, eine Öffnung nach außen, die nicht von allen ExpertInnen im gleichen Ausmaß gewollt wird, siehe Zugänglichkeit der Sammlungen, Schutz der Objekte, etc.

Durch Zusammenarbeit mit gesellschaftspolitisch aktiven Gruppieren stellt sich die Frage nach der Identität und den Aufgaben eines Museums neu: ist dieses Auslagern von brisanten Gegenwartsthemen eine Chance oder eine Gefahr für die Institution?

Fest steht, dass die Transformation der Museen ist bereits in vollem Gange ist. Die Veränderung wird als Druck von außen (z.B. EU-Calls) und von innen (Anforderungen an die MitarbeiterInnen) erlebt.

Kurz zusammengefasst meint De-Professionalisierung eine Beschäftigung mit den eigenen blinden Flecken innerhalb der Organisation und eine Auseinandersetzung mit den Kompetenzen, die für die erfolgreiche Museumsarbeit in Zukunft notwendig sein werden.
In dieser hervorragend strukturierten Veranstaltung gab es viele inhaltliche Impulse und konkrete Anschauungsbeispiele. Das Publikum war bis zum Schluss aktiv und bei der Sache.

Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung!