03.07.2013

Autor*in

Dirk Heinze
Kommentar

Was für eine Fehlentscheidung!

Dessau soll nach dem Willen der Landesregierung Sachsen-Anhalt nun ein Bauhaus-Museum bekommen. Für das ursprüngliche Gebäude des Staatlichen Bauhaus könnte das zum großen Nachteil werden.
Dies hätte sowohl hinsichtlich des baulich-optischen Zustands als auch konzeptionell eine Frischzellenkur verdient. Stattdessen macht man sich in der Stadt jetzt noch unnötig Konkurrenz. Interessant, dass man in den Berichten über das geplante Museum nichts vom Inhalt liest, stattdessen nur von Standort, Kosten und dem Stararchitekten Daniel Libeskind. Alles wieder mal nur Fassade - niemand fragt nach den Intentionen des Bauhauses, und wie man diese in das Jetzt und Heute, besser noch in die Zukunft überträgt. So bleibt zu befürchten, dass der Bürger nicht nur in Dessau sich fragt, was das alles mit ihm zu tun hat und warum man Steuergelder dafür verwendet.

Aber vielleicht kommt es ja gar nicht soweit, denn die von der Landesregierung zugesagten 12,5 Millionen Euro werden kaum für ein angemessenes Museum reichen. Während die Stadt Dessau-Rosslau ohnhein notorisch klamm ist, stehen Sponsoren nicht gerade vor dem Bauhaus Schlange - übrigens auch nicht in Weimar, wo der Bund immerhin 22,6 Millionen Euro für ein Bauhaus-Museum bereit stellt, was 2017 öffnen soll. Und es gab in den letzten Jahren Ansätze für eine notwendige Kooperation zwischen den drei Bauhaus-Stätten Weimar, Dessau und Berlin. Die dürften jetzt wohl wieder an den regionalen Eitelkeiten scheitern. Kulturstaatsminister Bernd Neumann mag auch an Weimar gedacht haben, als er sich heute skeptisch über Bundesmittel für Dessau geäußert hat. Mehr noch. Er nennt angesichts der geplanten Kürzungen im Kulturbereich Sachsen-Anhalts die Entscheidung heute "höchst unglücklich".

Die Frage, warum im Rahmen zahlreicher Sparmaßnahmen das Land Sachsen-Anhalt nun ausgerechnet noch der dichten Kulturlandschaft eine weitere Bürde auflastet, muss in der Tat gestellt werden. Der Intendant des Dessauer Theaters, André Bücker, wird seit Monaten nicht müde, gegen die Kürzungspläne der Landesregierung zu protestieren.

Mit dem neuen Bauhausmuseum werde "die Musealisierung Dessaus vorangetrieben", schreibt durchaus kritisch der Kommentator der Mitteldeutschen Zeitung heute, um daraufhin dennoch das Vorhaben grundsätzlich zu begrüßen. "Man kann nur dankbar sein. Und froh." Ich nenne es schlicht eine Fehlentscheidung.


Bauhaus Dessau: www.bauhaus-dessau.de
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