19.06.2015
Meldung

"Was zählt!?" Neue Statistik zu Soziokulturellen Zentren in Deutschland

Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. hat ihren aktuellen Bericht zur Situation, Nutzung und Ausstattung der Soziokultur in Deutschland veröffentlicht. Er trifft auch wesentliche Aussagen zu deren Perspektiven im Kontext des gesamten Kulturbereiches. Die Daten basieren auf einer bundesweiten Befragung von 460 Mitgliedseinrichtungen im Jahr 2014.
Soziokulturelle Zentren haben sich Prinzipien wie Vielfalt, Offenheit, Partizipation und Eigeninitiative auf ihre Fahnen geschrieben. Wie die großen gesellschaftlichen Debatten befinden sich dabei auch die Rolle und das Rollenverständnis der Zentren selbst im Wandel. Sie sind nicht mehr nur die kreativ Engagierten, sondern werden zunehmend zu Ermöglichern, die anderen Infrastruktur, Logistik, Erfahrung und Kompetenz zur Verfügung stellen. Themen wie Interkultur und Inklusion spielen somit nicht nur in der soziokulturellen Arbeit, sondern auch im Management von Soziokultur, in den Strukturen von Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern eine große Rolle. Sie nehmen damit eine neue Qualität als Methode an, die auch für andere Kulturbereiche als vorbildhaft gelten kann.

Dabei gilt es, die notwendigen Rahmenbedingungen zu sichern. Unter den Schwerpunkten der Arbeit der soziokulturellen Zentren wächst entsprechend die Bedeutung von Politik und Lobbyarbeit. Dabei geht es um die kulturellen Inhalte und zugleich um die Bedingungen, unter denen an ihnen gearbeitet wird. Minderausstattung und weniger prekäre Beschäftigungen sind die dringlichsten Herausforderungen.

Finanzierung und Personal

Die in der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und den Landesverbänden wirkenden Einrichtungen und Initiativen sind sehr vielfältig und unterscheiden sich in Programm, Ansiedlung, Personal- und Finanzierungssituation. Die selbsterwirtschafteten Einnahmen sind gestiegen. Dies ist aber auch notwendig, denn es stehen lediglich 30 % der Gelder in Form von institutioneller und 22 % als zweckgebundene Förderung zur Verfügung.

Insgesamt werden die zahlreichen Angebote von nur ca. 23.000 Menschen gestemmt, die in soziokulturellen Zentren mitwirken, davon 2.000 Festangestellte in Vollzeit und unbefristet. Hier lassen sich erhebliche Verschiebungen im Vergleich zu den Vorjahren feststellen, wobei die festen Stellen immer weniger werden. Zugleich kann nur ein Fünftel der Einrichtungen den festangestellten MitarbeiterInnen tarifgerechte Gehälter zahlen. Dabei befinden sich die Zentren selbst in einem Generationenwechsel. Ihre GründerInnen treten aus dem Berufsleben aus und es werden junge Menschen gebraucht, die die Arbeit übernehmen. Der Anteil derjenigen Soziokulturellen Zentren mit hinreichenden Ressourcen, um Ausbildungsplätze anbieten zu können, ist jedoch sehr gering.

Rollen und Aufgaben

Die Entwicklungen im Rollen- und Strukturverständnis der Soziokulturellen Zentren steht der Ausstattungssituation genau entgegen. Durch die Zusammenarbeit von Professionellen und Laien stellen sie immer stärker Infrastruktur und organisatorische Möglichkeiten für externe Akteure zur Verfügung. Mit diesen veränderten Rahmenbedingungen und Tendenzen müssen sich die soziokulturellen Zentren, ihre Landesverbände und die Bundesvereinigung langfristig befassen.

Die in der Studie veröffentlichten Daten zeigen weitreichende Erfolge, etwa die gestiegene Nachfrage nach soziokulturellen Leistungen in Hinblick auf das harmonische Zusammenleben verschiedener Menschen und gesellschaftlicher Gruppen. Insgesamt 13,5 Millionen Menschen besuchen pro Jahr soziokulturelle Zentren und nutzen 86.000 Veranstaltungen und 250.000 kontinuierliche Angebote. Die Zahl der NutzerInnen wächst vor allem dort, wo die Zentren sich als Labore, als Orte des Ausprobierens, als Seismographen für neue kulturelle Trends und politische Entwicklungen verstehen.

Der wachsende Anteil an Eigeninitiativen macht dabei deutlich, dass Management und kulturelle Inhalte hier oft enger zusammengehen als in öffentlichen Kultureinrichtungen. So sind generationenübergreifende Arbeit, Interkultur, Inklusion und eine hohe Sensibilität für den demografischen Wandel inhaltlich zentral. Entsprechende Kooperationen gehören zum Alltag der Zentren und wollen professionell organisiert werden. Ihre diesbezüglichen Erfahrungen möchten die Zentren mit anderen Kultureinrichtungen austauschen. Sie begegnen diesen gesellschaftlichen Herausforderungen integrativ und sehen Soziokultur auch als Chance für persönliche Weiterbildung der BesucherInnen und MitarbeiterInnen.

Was zählt?!

Insgesamt erfordern die neuen inhaltlichen Themenfelder und Bedürfnisse und die sich zugleich kontinuierlich verschärfenden Rahmenbedingungen weitere Analysen und gezielte Maßnahmen, wie sie bereits die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags Kultur in Deutschland vorschlug. Soziokultur als zeitgemäße kulturelle Praxis weiter zu entwickeln ist dabei auch eine Aufgabe der Ausbildung von künftigen Kulturmanagern.

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen.
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