16.03.2015

Autor*in

Daniel Schalz
Erfolgreiches Chormanagement

Alleskönner gesucht

Chormanagement gehört wohl zu den spezialisiertesten Bereichen des Kulturmanagements. Auch hier sind der künstlerische Anspruch und der organisatorische Aufwand nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen. Deshalb widmet Chorzeit Ausbildung und Praxis von Chormanagers eine Sonderausgabe. Für uns haben sie die wichtigsten Hintergrundinfos zusammengefasst.
Wäre es nicht traumhaft, wenn man sich als Chorleiterin oder Chorleiter ganz und gar auf die musikalische Arbeit konzentrieren könnte? Die Realität sieht anders aus: Gerade der künstlerische Leiter eines Chores muss sich meist auch um die Gelderbeschaffung, Tourneeplanung, Öffentlichkeitsarbeit, Abrechnungen und etliches mehr kümmern. Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchores Berlin, zeigt dies in seinem Buch «Schott Master Class Chorleitungvom Konzept zum Konzert» (Schott 2011) sehr deutlich auf, denn nur professionelle Ensembles, von denen es nicht mehr als zwei Dutzend in Deutschland gibt, können sich hauptamtliche Chormanager leisten und auch diese haben oft befristete Verträge und keine Vollzeitstellen.

Doch je ambitionierter ein Ensemble ist, desto umfangreicher sind die organisatorischen Aufgaben, weshalb als ChormanagerIn offenbar die viel zitierte eierlegende Wollmilchsau gefragt ist. Diesen Eindruck unterstreicht Cornelia Bend, Chormanagerin des SWR Vokalensembles, wenn sie als einige ihrer wichtigsten Aufgaben auflistet: «Personal-, Etat- und Programmverantwortung, Vergabe von Kompositionsaufträgen, Akquise, Veranstalterkontakte, Vertragsgestaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Koordination von Hörfunk-, CD- und Fernsehproduktionen, Stärkung des Stellenwertes der Vokalmusik» Eine solches Pensum lässt sich auch für professionelle Chöre nicht ohne Abstriche bei den eigenen und den Wünschen und Zielen des Ensembles bewältigen.

Bei Laienensembles ruht die gesamte organisatorische Last in der Regel auf wenigen Schultern, zugleich fehlen entsprechende Fortbildungsmöglichkeiten. Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe grundständiger Studiengänge «Kulturmanagement», nur in den seltensten Fällen allerdings spielt dabei das Thema Chor eine Rolle. Das liegt zum einen daran, dass jeder Chormanager zunächst einmal Kulturmanager im weiteren Sinn ist. «Es ist eigentlich unerheblich, ob man ein Orchester, einen Chor oder eine Volkstanzgruppe betreut, da die Anforderungen die gleichen sind: Marketing, PR, Fundraising und so weiter», sagt Bernhard Heß, Chormanager des RIAS Kammerchores in Berlin. Er sehe sich als Kulturmanager, der mit einem gewissen Expertenwissen, reichlich Berufserfahrung und einem guten Netzwerk momentan für einen Chor arbeite.

Tatsächlich erarbeiten sich viele der professionellen ChormanagerInnen in Deutschland ihre Kenntnisse weniger im Studium als vielmehr in der Praxis durch ehrenamtliche Arbeit, Praktika, Hospitationen oder Nebenjobs. So hat Oliver Geisler, Manager des Dresdner Kreuzchors, einen Doktortitel in Literatur, Christof Hartmann von den Regensburger Domspatzen ist Wirtschaftswissenschaftlerhat aber während des Studiums eine Konzertagentur aufgebaut und in Regensburg die «Tage Alter Musik» mitbegründet. Viele Chormanager, so etwa Jürgen Wagner (Chorwerk Ruhr), Hans-Hermann Rehberg (Rundfunkchor Berlin) oder die eingangs zitierte Cornelia Bend, haben ein künstlerisches und/oder geisteswissenschaftliches Studium absolviert. «Das ist eine geradezu notwendige Voraussetzung für den Job», sagt Buchautorin Alexandra Jachim («Erfolgreiches Chormanagement»). Im semiprofessionellen und Laienbereich, der annähernd 99 Prozent der Chorlandschaft ausmacht, ergibt sich diese Grundvoraussetzung fast immer von selbst. Beim Jazzchor Freiburg kümmert sich etwa Altistin Nina Ruckhaber um alles Organisatorische. Sie war neben dem Studium der Musikpädagogik zwei Jahre Assistentin des Universitätsmusikdirektors und hat sich weiteres Knowhow hat unter anderem in einer Weiterbildung zur Chormanagerin erarbeitet, durch Kurse in Musikmanagement und Musikrecht sowie Seminare bei diversen Musikverbänden.

Damit hat sie einen großen Teil der Weiterbildungsmöglichkeiten ausgeschöpft, die überhaupt angeboten werden. Es gibt einige wenige Seminare der größeren regionalen Chorverbände, die meist einen Schwerpunkt auf vereinsrechtliche Aspekte legen, bei größeren Anbietern von Weiterbildungen im Kulturbereich zudem allgemeine Kurse zum Kulturmanagement, aber keine speziellen Angebote für Chormanagement. Ein paar Spitzenensembles ergreifen angesichts dessen selbst die Initiative: So bietet etwa der WDR Rundfunkchor regelmäßige Praktika im Management an.

Den meisten Chor-OrganisatorInnen aber bleibt nichts anderes, als etwaige Wissenslücken mit Leidenschaft auszugleichen. Der Preis dafür ist hoher persönlicher Aufwand an Energie und Zeit. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Deutsche Chorjugend die Weiterbildung Chormanagement ins Leben gerufen, bei der die TeilnehmerInnen von praxiserfahrenen Profis lernen. Bei der fünften Auflage des Vokalfestes Chor@Berlin des Deutschen Chorverbandes (DCV) 2015 waren sie als Abschluss des Lehrganges fester Teil des Organisationsteams. Zuvor hatten sie an vier intensiven Wochenenden mit erfahrenen DozentInnen aus der Praxis über Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und die Inszenierung von Konzerten diskutiert und dabei jede Menge Input für die eigene Arbeit bekommen. Drei der Module fanden außerdem parallel zu wichtigen Veranstaltungen wie dem 9. Deutschen Chorwettbewerb statt.

Begonnen hatte der Kurs mit dem Seminar «Wir sind ganz Chor! Kulturmarke, Sozialgemeinschaft, Wirtschaftsfaktor», in dessen Rahmen die TeilnehmerInnen zunächst ein Profil ihres eigenen Ensembles erstellen mussten. Ein Prozess, der für einige vollkommen neu war, aber einige wichtige und grundlegende Erkenntnis brachte. Viele der TeilnehmerInnen übertrugen das Gelernte direkt in die Praxis und überlegten, wie sie sich von anderen Ensembles abgrenzen und seine eigene Marke schaffen können.

Das zweite Modul war der Dramaturgie und Inszenierung von Konzerten gewidmet. Kulturmanager Folkert Uhde, der sich selbst als «Konzertdesigner» bezeichnet, regte etwa dazu an, neue Aufführungsformate, beispielsweise unter Einbeziehung von Architektur, Beleuchtung oder Dramaturgie oder einer geselligeren Atmosphäre, auszuprobieren und das Konzerterlebnis ganzheitlicher zu denken.

Auch beim Thema Öffentlichkeitsarbeit wurde sehr praxisorientiert beispielsweise an Pressetexten und fotos gearbeitet. Beim darauffolgenden Modul gab es zum Bereich Marketing Einblicke in die Arbeitsweisen eines professionellen Spitzenensembles und wertvolle Tipps für die Akquise von Sponsorengeldern. «Der besondere Gewinn der Weiterbildung ist», findet die Teilnehmerin Hannah Ewald, die einen Kinderchor, einen gemischten Chor sowie einen Seniorenchor leitet, «dass man dabei ein Netzwerk aufbaut, das für mich schon jetzt von unschätzbarem Wert ist.»

Der nächste Jahrgang für die Weiterbildung Chormanagement steht schon in den Startlöchernnoch bis zum 31. März 2015 können sich ChorleiterInnen, ChormanagerInnen, KulturmanagerInnen oder SängerInnen zwischen 16 und 27 Jahren bewerben. Das erste Modul findet vom 8. bis 10. Mai 2015 statt. Die Kosten für den Lehrgang betragen 500 Euro. Mirijam Oster kann das nur empfehlen: «Diese Fortbildung erweitert den eigenen Horizont und zeigt, was es außerhalb des eigenen Blickfeldes noch alles gibt.» Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier. Auch die aktuelle Ausgabe der Chorzeit beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Chormanagement.
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