15.01.2016

Autor*in

Daniela Unterholzner
Daniela Unterholzner ist stellvertretende Direktorin und Leitung der Kommunikation des Instituts für Kulturkonzepte Wien. Sie unterrichtet am Institut für Kulturkonzepte und der FH Kufstein strategisches Marketing, PR und Social Media und Karriereplanung im Kulturbereich.
Fachbeitrag

Ohne Innovation geht es nicht!

Was können Kulturorganisationen tun, um am Markt präsent zu bleiben? Die Antwort: Sie müssen ihre Angebote und Strukturen neu erfinden. Innovation ist für den Kulturbereich ein oft verwendetes Schlagwort. Doch was steckt dahinter?
Viele große und kleine Kulturbetriebe haben in den letzten Jahren einen enormen Veränderungsprozess durchgemacht. Neue Kommunikationsmöglichkeiten, ein stärkerer Fokus auf Cultural Entrepreneurship, Kreativwirtschaft und Startups eröffnen dem Kunst- und Kulturbereich neue Chancen. Gleichzeitig hat der Druck durch die veränderte Fördersituation Kulturorganisationen gezwungen, neue Wege zu gehen und sich mit ihrer Organisationsstruktur, Effizienz und neuen Finanzierungsmöglichkeiten auseinander zu setzen. Nur wer kontinuierlich auf dem neuesten Stand ist und an seinem Innovationspotenzial arbeitet, wird langfristig erfolgreich sein.

Was bedeutet nun der Begriff Innovation? Innovation kann auch als Erneuerung oder Veränderung übersetzt werden und stammt vom lateinischen Wort innovare (erneuern). Innovativ zu sein heißt, aus einer Idee eine Anwendung zu machen, die sich am Markt möglichst nachhaltig bewährt. Dies kann entweder als inkrementelle (Verbesserung eines Produktes, eines Prozessablaufes oder einer Dienstleistung), als radikale (ein gänzlich neues Angebot), oder als technologie- oder marktgetriebene Innovation passieren.

Innovativ zu sein, ist bereits für kleine Strukturen eine große Herausforderung. Das gilt erst recht für große Kulturorganisationen mit klaren Hierarchien, vielen MitarbeiterInnen und einer langen Unternehmensgeschichte. So ist Innovation oftmals ein Zufallsprodukt oder wird nur vom Top-Management erarbeitet. Dieses Thema muss jedoch die gesamte Organisation betreffen. Es geht nicht darum, ununterbrochen neue visionäre Ideen zu entwickeln und zu realisieren, sondern nachhaltig Problemlösungskompetenzen aufzubauen.

Innovationsmanagement ist im Idealfall Teil der operativen Tätigkeit. In wenigen Kultur-betrieben, wie auch in der Wirtschaft oder im sozialen Bereich, ist bisher ein professionelles Innovationsmanagement etabliert. Die Innovationsberatung WhatAVenture hat ein Modell entwickelt, das Innovationsmanagement in einem strukturierten Prozess ermöglicht. Der besondere Fokus liegt hier auf der schlanken und marktseitigen Umsetzung von Ideen und ist dementsprechend für den Kultursektor relevant.

Das Modell umfasst fünf zentrale Stufen:

1. Startpunkt

Veränderte Rahmenbedingungen bilden den Nährboden für neue Ideen. Trends und neue Technologien können z.B. Stimuli sein. Aber auch der Wunsch, neues Publikum zu erreichen, die Notwendigkeit den Rückgang öffentlicher Förderungen auszugleichen oder die Realität des immer intensiver werdenden interkulturellen Austausches und der globalen Zusammenarbeit sind mögliche Ausgangspunkte.

2. Ideen generieren

Die Frage, was innoviert werden soll, steht am Anfang. Möchten Sie Angebote, Dienst-leistungen, einen Prozess oder Ihr Geschäftsmodell erneuern? Soll es sich dabei um eine radikale oder inkrementelle Innovation handeln? Ist die Innovation nach außen (also an die KundInnen, das Publikum, die KooperationspartnerInnen) oder nach innen (an Ihre MitarbeiterInnen, z.B. im Bereich interne Kommunikation oder Partizipation) gerichtet? Soll das Team maßgeblich beteiligt sein oder holen Sie sich ExpertInnen aus den jeweiligen Bereichen dazu (durch interne Schulungen, Beratung, GründerInnen oder start ups)?

Erst nach der Beantwortung dieser Fragen beginnt die Phase der Ideengenerierung, z.B. durch einen zeitlich beschränkten Open Call. Transparenz und die Möglichkeit, unmittelbar Feedback zu geben sind in dieser Phase entscheidend. Dies gewährleistet die Verwendung eines Onlinetools.

3. Teams bilden

In moderierten Workshops werden Teams gebildet und bei ihren ersten Schritten begleitet. Die besten Ergebnisse so zeigt die Erfahrung erzielen interdisziplinäre Teams. Einzelkämpfertum ist im Innovationsmanagement gänzlich fehl am Platz. Die Entscheidung, an welchen Ideen weitergearbeitet wird, wird auf Basis der Qualität der Teams und nicht ausschließlich aufgrund der Ideen entschieden. In der nächsten Phase des Innovationsprozesses werden die Ideen nämlich in einem iterativen Prozess laufend adaptiert. Ein gutes Team um eine starke Idee ist dazu befähigt, diese in die richtige Richtung auszuarbeiten.

4. Marktnahe Umsetzung bis hin zu einem validierten Konzept

Diese vierte Phase des Innovationsprozesses dauert drei bis sechs Monate. Die Teams haben die Aufgabe die Hypothesen, also ihre Ideen, am Markt bzw. mit ihrem Publikum zu testen und ihre Idee iterativ weiter zu entwickeln. Künstlerische Innovationen bilden hier eine Ausnahme. Dennoch können auch sie wenn gewollt mit einem ausgewählten ExpertInnenkreis oder potenziellem Publikum diskutiert werden.

5. Überführung in den Regelbetrieb

Mit professionellem Projektmanagement wird in diesem Schritt die Idee bzw. Hypothese zur wirklichen Innovation. Sie wird in den Regelbetrieb der Kulturorganisation aufgenommen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im KM Magazin Nr. 106 "Zukunft gestalten"
Kommentare (0)
Zu diesem Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden.