18.05.2015
Konferenzen

Access to Culture

Am 23. April 2015 lud EDUCULT zu einer Gesprächsrunde über die Ergebnisse der "Access to Culture Studie" in der Brunnenpassage in Wien ein. Es konnten keine Ergebnisse präsentiert werden, denn die sind voraussichtlich erst Ende des Sommers bekannt, trotzdem gab es wichtige Aspekte zu diskutieren.
Um was geht es bei dem Projekt Access to Culture?

Der Zugang zu Kunst und Kultur wurde zu einem der Leitthemen im kulturpolitischen Diskurs auf europäischer und nationaler Ebene. Auch das neue Kulturprogramm der europäischen Kommission 2014-2020 fokussiert auf den Aspekt "Access to Culture" hinsichtlich der Entwicklung eines langfristigen Publikums für europäische Kulturgüter. Aber in welcher Weise kann die Prioritätensetzung auf europäischer Ebene die nationalstaatliche Kulturpolitik beeinflussen?

Schade, dass man als Besucher erst zu Beginn der Veranstaltung über die Programmänderung erfuhr. Anstatt Ergebnisse zu präsentieren, diskutierten unter der Moderation von Michael Wimmer, Geschäftsführer von EDUCULT, die Podiumsgäste Marc Grandmontagen, Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., und Anne Wiederhold, Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des KunstSozialRaum brunnenpassage, allgemein über den Zugang zu Kunst und Kultur.

Marc Grandmontagne wurde hauptsächlich zur kulturpolitischen Situation in Deutschland befragt, was den Zugang zum Kulturbetrieb betrifft.
Anne Wiederhold, als Leiterin des KunstSozialRaum brunnenpassage konnte von der Praxis berichten. Denn die brunnenpassage ist ein Ort, an dem sichtbar wird, dass die Weiterentwicklung des Kulturbetriebs ein Prozess ist und es auch um die Frage geht, was wir mit Kunst und Kultur überhaupt verbinden und wie wir Kunst und Kultur verhandeln.

Grandmontagne wies darauf hin, dass bevor man etwas ändern könne, Ursachenforschung betrieben werden müsse. Eine seiner Thesen zum jetzigen Zustand war, dass unsere Zeit stark von der Ökonomisierung und Digitalisierung geprägt sei. Das führt seiner Meinung nach zu einer allgemeinen Rationalisierung und Entmystifizierung, die uns dazu verleitet, in eine Leichtigkeitsfalle zu tappen. Alles was komplex erscheint, wird simpel. Verlierer bei der ganzen Sache sei dann oft die Kunst selbst und auch die Kultur und letztendlich auch der Zugang.

Handfeste Gründe dafür in Deutschland seien beispielsweise auch in der Bildung zu suchen. Ein Großteil des Kunst- und Musikunterrichts fällt einfach aus und kann durch außerschulische Angebote nicht gedeckt werden. Daran lässt sich eine Ökonomisierung der Bildung erkennen. Die Medien spiegeln mit dem ihrem Quotenzwang ein ähnliches Bild. Davon ist Grandmontagne überzeugt.

Im Kulturbetrieb selbst gibt es eine Schuldenfalle, die Kommunen haben kein Geld für Kunst und Kultur. Es gibt ständige Schließungsängste und das meiste Geld fließt genau dorthin, wo kein Inhalt produziert wird, wie beispielsweise in den Verwaltungsapparat. Der Wunsch vom freien Zugang zu Kunst und Kultur wird gleichzeitig auch nicht von allen geteilt. Es gibt Menschen, die sich durch Kultur von anderen abgrenzen wollen.

Deshalb ist eine neue, horizontale Kulturpolitik unbedingt notwendig, so Grandmontagne.
Anne Wiederhold, Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des KunstSozialRaum brunnenpassage, setzt diesen Ansatz in der Praxis seit 2007 mit der Brunnenpassage um. Partizipation ist ein großes Thema. Bei der Gesprächsrunde gab sie auch Einblicke aus ihrer Rolle als Expertin in der EU-Arbeitsgruppe "Work Group for the Role of Public Arts and Cultural Institutions in the Promotion of Cultural Diversity and Intercultural Dialogue in Brussels.

Es gibt wenige Länder, so Wiederhold, die auf einer nationalen Ebene diesen Access to Culture in ihrer kulturpolitischen Agenda haben. Es fehle einfach an langfristigen Programmen dazu. Vor allem wo etwas mit Menschen und nicht nur für Menschen erarbeitet wird. Es braucht Räume, wo Menschen überhaupt zusammentreffen und sich näher kommen können, unabhängig von sozialen Schichten. Aber diese Räume sind noch nicht wirklich durchdacht, so Wiederhold.

Temporär gäbe es wenige Institutionen, die konsequent an diesem Zugang arbeiten. Es ist ihrer Meinung nach aber wichtig, über einen langen Zeitraum an diesem Thema zu bleiben, weil eben auch Fehler gemacht werden, aus denen man lernen kann. Nachhaltigkeit in der Kulturarbeit ist wichtig. Die Demokratisierung in der Kultur unbedingt notwendig und auch der Anspruch, dass sich Produzenten und Rezipienten auf Augenhöhe begegnen und interagieren.
Darüber war sich das Podium einig.

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