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19. November 2017

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Hintergrundbericht

Forschung zu Cultural Entrepreneurship - Paper vom G-Forum 2013 in Koblenz

Bei der 17. Interdisziplinären Jahreskonferenz zur Gründungsforschung (G-Forum) im November 2013 wurden neben Praxis-Tracks auch solche zur Gründungsforschung angeboten. Hierzu gehörte auch der Themenbereich Cultural Entrepreneurship. Zwei der dort präsentierten Paper sollen im Folgenden vorgestellt werden.

  • „Cultural and Creative Start-ups – eine Analyse der unternehmerischen Einflüsse auf die Finanzierungsstruktur in der Kultur- und Kreativwirtschaft“ (Prof. Dr. Elmar Konrad/ Christian Fronz, FH Mainz) – Gewinner des erstmals vergebenen Cultural Entrepreneurship Award für den besten wissenschaftlichen Forschungsbeitrag.
  • „Cultural Entrepreneurship in der Forschung: eine Bestandsaufnahme“ (Prof. Dr Andrea Hausmann/ Anne Heinze, Europa-Uni Viadrina Frankfurt/Oder)

Cultural and Creative Start-ups – eine Analyse der unternehmerischen Einflüsse auf die Finanzierungsstruktur in der Kultur- und Kreativwirtschaft



Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa hat in den letzten Jahren massiv an Bedeutung und Aufmerksamkeit im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext gewonnen. Das wissenschaftliche Forschungsinteresse am Thema ist in Deutschland noch relativ neu und sehr institutionsgetrieben. Bisherige qualitative und quantitative Forschungen fokussierten zumeist definitorische und ökonomische Inhalte, insbesondere auf Basis bereits etablierter Unternehmen der definierten 11 Teilmärkte der KuKw. Es fehlt an Unternehmens-, Finanzierungs- oder Absatzforschung sowie Untersuchungen über die Gründungsthematik v.a. im Hinblick auf die spezifischen Eigenheiten der entsprechenden Aktuere und Unternehmungen der KuKw. Überdies existieren kaum Informationen über die speziellen Einflussfaktoren auf erfolgskritische Grössen wie finanzielle  Ressourcen in der Start-up-, Wachstums- oder Expansionsphase. Dadurch, dass auf dem Wissenschaftsgebiet der Unternehmensfinanzierung Forschungslücken bestehen, ist es kein Wunder, dass allfällig existierende Finanzierungstheorien nicht auf das Forschungsfeld KuKw angewendet werden können.

Die Forschungsarbeit von Konrad und Fronz leistet einen wertvollen Beitrag, indem sie die Forschungsfelder KuKw und Gründungsfinanzierung gezielt zusammenführt. Untersucht wurde die Finanzierungsstruktur für Start-ups unter Einbeziehung von Orientierungsfaktoren der individuellen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Ebene mittels einer Primärdatenerhebung von Kultur- und KreativunternehmerInnen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2013 (n=1014). Der Datensatz umfasst Informationen zu Förderungs-, Finanzierungs- und Qualifizierungsgegebenheiten von sowohl Start-ups als auch bestehenden Unternehmen sowie des Kunsthandswerks und der visuellen Medienkunst. Für das Paper am G-Forum wurden lediglich die Datensätze für Start-ups selektiert (n=414).



Die beiden Forscher fanden heraus, dass sowohl unternehmerische Einflüsse der Orientierung und Motivation als auch Start-up-bezogene Charakteristika wie Grösse und Beratungs- bzw. Förderungsneigung Aufschluss auf die Struktur der Gründungsfinanzierung in der KuKw geben. Individuelle, unternehmerische und gesellschaftliche Ausrichtung haben einen modellübergreifenden Einfluss in der Wahl der entsprechenden Finanzierungsformen. Je höher die individuelle Ausrichtung, desto grösser die Finanzierung aus dem jeweiligen Akteurs-Netzwerk, aber auch die Anwendung diversifizierter Finanzierungsformen. Demgegenüber hat die unternehmerische Ausrichtung der Akteure einen signifikanten Einfluss auf die Nutzung formeller, nicht aber diversifizierter Finanzierungsformen gegenüber der ausschliesslich persönlichen Finanzierung. Ein gesellschaftlicher Akteursfokus beeinflusst indessen die Wahl informeller Finanzierungsformen gegenüber einer ausschliesslich internen Finanzierung.



Durch die Untersuchung wurde deutlich, dass die Akteure der KuKw mit steigendem Kapitalbedarf auf die informelle Finanzierung (ab EUR 50 Tsd.), die formelle Finanzierung (ab EUR 15 Tsd.) sowie auf diversifizierte Finanzierungsformen (ab EUR 5 Tsd.) zurückgreifen. Diese Tatsache bestätigt die Hypothese, dass die Grösse der Unternehmung gemessen am benötigten Kapitalvolumen in der Start-up Phase einen signifikanten Einfluss auf die Finanzierungsstruktur von KuKw Start-ups hat.

 Gleiches gilt für die Altersstruktur der GründerInnen. Solche bis 54 Jahren nutzen gegenüber den über 55-Jährigen signifikant häufiger informelle Finanzierungen. Die Nutzung von Beratungsangeboten hat zudem einen massgeblichen Einfluss auf die Diversifikation der Finanzierungsstruktur der entsprechenden Start-ups. Auch die Erfahrung eines Förderbeantragungsprozesses hat eine Auswirkung auf die Nutzung der formellen Finanzierung der KuKw-UnternehmerInnen. Insofern konnten 2 weitere Hypothesen bestätigt werden:

  • Die Nutzung von Beratungsangeboten hat einen positiven Einfluss auf die Diversifizierung von Finanzierungsstrukturen.
  • Die Beantragung von Förderleistungen hat einen positiven Einfluss auf die Finanzierung durch formelle Mittel.



Mit Blick auf die Zukunft von Cultural Entrepreneurship plädieren Konrad und Fronz für eine weiterführende Untersuchung des Einflusses der Vernetzung der KuKw-Akteure durch Einbeziehung urbaner Faktoren und Eigenschaften im Hinblick auf die Informationsquellen in der Startphase. Die Nicht- bzw. schwache Nutzung von Crowdfunding oder Venture Capital auf Seiten der KuKw UnternehmerInnen lässt auf eine möglicherweise gute Vernetzung oder aber Sättigung durch Bank- und Fördermittel schliessen. Künftig müssten Forschungen zur konkreten Mittelverwendung, prozentuale Anteile von Finanzierungsformen, Daten zu Rechtsform, Umsatz, Kundenstruktur, etc. von KuKw Star-ups für weitere wissenschaftliche Betrachtungen in Deutschland herangezogen werden. Diese können somit nicht nur wissenschaftlich sondern auch praxisorientiert, z.B. im Bereiche Entrepreneurial Education, Beratung und Förderung sowie die Ausrichtung bestehender und neuer Finanzierungsinstrumente geleistet werden.

Cultural Entrepreneurship in der Forschung: eine Bestandsaufnahme



Hausmann und Heinze stellten im Rahmen ihrer Untersuchungen fest, dass der Begriff Cultural Entrepreneurship trotz zunehmender Bedeutung in der Literatur bislang nicht einheitlich verwendet wird. Vornehmlich wird sich hier auf marktorientierte Akteure des kulturellen Sektors bezogen. Wer die genauen Akteure sind und aufgrund welcher Motivation diese marktorientiert handeln, wird unterschiedlich interpretiert. Zum einen liest man von einer Integration unternehmerischen Handelns in die Arbeit des Kulturmanagers, zum anderen von der beruflichen Künstler Selbständigkeit aus der Not heraus, wobei die Notlage mit der zunehmenden Konkurrenz um öffentliche Fördermittel aber auch mit veränderten Arbeitsmarktbedingungen im Kulturbereich begründet wird.



Der Begriff Cultural Entrepreneurship wird gemäss den Untersuchungen von Hausmann und Heinze kaum aus der etablierten Entrepreneurshiptheorie hergeleitet, wie z.B. beim verwandten und weitaus stärker beforschten Feld des Social Entrepreneurship (SE). Das Paper fokussiert aus diesem Grund ganz bewusst den Ansatz eines eigenständigen, von sektoralen Entwicklungen unabhängigen Forschungsfelds wie das SE, wobei Entrepreneurship als übergeordnetes Forschungsfeld begriffen wird. Die Verfasserinnen klärten mit einer Bestandsaufnahme bisher erschienener Journalbeiträge, inwieweit die jeweiligen Autoren den Gesamtbegriff Cultural Entrepreneurship aus der Entrepreneurshiptheorie herleiten und wie sie diesen definieren.

Die im Paper vorgestellte Definition von Cultural Entrepreneurship von Hausmann impliziert als Bedingung die Gründung eines Unternehmens, was die Parallele zum Unternehmertum verdeutlicht. Gegenüber dem Unternehmer unterscheidet sich der Entrepreneur hingegen durch seine Vision und den Aspekt der Innovation bei der Entdeckung und Wahrnehmung unternehmerischer Gelegenheiten sowie die Umsetzung der eigenen Vision durch eine entsprechende Organisation. Hausmann und Heinze plädieren daher für eine künftige Abgrenzung der verschiedenen Begrifflichkeiten wie Unternehmertum, Existenzgründung, Selbständigkeit oder gar Management im Kulturbereich. Weder Manager, Unternehmer oder Existenzgründer könnten als Synonyme des Begriffs Entrepreneur verwendet werden.

Des Weiteren müsste in einem nächsten Schritt festgelegt werden, inwieweit die Worte „cultural“, „creative“ bzw. „arts“ Entrepreneurship als gleichbedeutend benutzt werden könnten.

Durch die Arbeit von Hausmann und Heinze wurde deutlich, dass das Forschungsfeld Cultural Entrepreneurship bis dato kaum durch empirische Untersuchungen wissenschaftlich fundiert ist, zumal es sich insbesondere in Deutschland noch immer um ein nahezu unerforschtes Terrain handelt. Erste Versuche, diesen Umstand zu beheben, erfolgten durch die Gründung des FGF-Arbeitskreises Cultural Entrepreneurship am 4. Juli 2012 in Bozen. Seitens Hausmann und Heinze ist bereits ein zu erarbeitendes Full Paper ist Planung, welches den aktuellen Stand der Cultural Entrepreneurshiptheorie aufarbeiten soll, mit dem Ziel, neue Perspektiven für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland aufzuzeigen.

Birgitta Borghoff ist als Projektleiterin Forschung, Entwicklung und Dienstleistung am Zentrum für Kulturmanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) tätig. Sie forscht und doziert u.a. in den Bereichen Cultural Entrepreneurship & Start-up Culture-Based Leadership & Creative Entrepreneurship sowie Selbstmanagement für Freelancer. Darüber hinaus engagiert sie sich als selbständige Kultur- und Kreativunternehmerin von INNOVANTIQUA Cultural Entrepreneurs als Vermittlerin an der Schnittstelle zwischen Kultur, Bildung und Wirtschaft.

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Birgitta Borghoff
12.03.2014, Kristin Oswald
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