07.02.2008

Autor*in

Veronika Schuster
ist ausgebildete Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin. Sie hat mehr als 10 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Kuratorin für verschiedene Ausstellungsprojekte und Kultureinrichtungen (u.a. Museum Georg Schäfer, Klassik Stiftung Weimar, Marion Ermer Stiftung) gearbeitet. Nebenbei arbeitet sie als Lektorin und Projektleiterin für unterschiedliche Publikationsformate.
Best Practice

Vom kulturpolitischen Konzept zu einem Studiengang mit Profil

Einen der ältesten und wohl in Deutschland renommiertesten Studiengänge für das Fach Kulturmanagement findet man an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg.
Kunst und Kultur benötigt Vermittler, die Grundlagen für das Verständnis des Rezipienten für die Komplexität und Bedeutung von künstlerischen und kulturellen Konzepten bereiten ohne dabei zu bevormunden. Ähnliche Erkenntnis hatten leitende "Kulturschaffende" bereits am Ende des 19. Jahrhunderts bzw. im frühen 20. Jahrhundert. Beispielhaft seien hierfür die Konzepte von Alfred Lichtwark in der Hamburger Kunsthalle oder Harry Graf Kesslers Ausstellungspraxis in Weimar genannt. Leider war dieser Anstoß fortschrittlicher Gedanken in der Nachkriegszeit, bis in die 70er Jahre hinein völlig vergessen und es verstärkten sich die heute vielfach verschmähten so genannten Elfenbeintürme. Erst mit dem Fach Kulturpädagogik (und seinen unterschiedlichen pädagogisch-methodischen Richtungen) haben diese Ideen eine grundlegende Renovatio erfahren - deren Notwendigkeit heute nahezu vollständig anerkannt wird.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allerdings ist eine neue Generation von "Vermittlern" herangewachsen, die sich als Antwort auf die wechselnden und vielschichtigen Ansprüche des Kulturbetriebes entwickelt hat: Der Kulturmanager. Er ist nicht nur "Vermittler" zwischen den anscheinend soweit auseinanderklaffenden Polen Kultur und Management, sondern auch ein Indikator für Prozesse zwischen den Faktoren Kultur, Politik und Wirtschaft. Um nach Jahren des Learning-by-doing, im positiven Sinne, eine Professionalisierung dieser Arbeit zu befördern, entwickelte sich Ende der 80er Jahren das universitäre Fach Kulturmanagement(1). Als Reaktion auf den Wandel der sozialen und kulturellen Anschauungen der Gesellschaft, einhergehend damit ein neues Bedürfnis an kultureller Bildung und freizeitkulturellen Angeboten, initiierte der damalige Ministerpräsident Lothar Späth in Kooperation mit dem Staatsrat für Kultur, Wolfgang Gönnewein, die Kunstkonzeption des Landes Baden-Württemberg, die 1989 verabschiedet wurde. Federführend von Hannes Rettich, Koordinator für die Kunstförderung des Landes Baden-Württemberg, wurde eine vollständige Bestandsaufnahme der Kulturlandschaft des süddeutschen Staats durchgeführt und nach seinen Potenzialen analysiert. Ziel der Kunstkonzeption war es, die vorhandene kulturelle Infrastruktur auf den demographischen Wandel und damit auf die neue Nachfrage der vielfältigen Zielgruppen vorzubereiten. Eines der vorrangigen Vorhaben dabei war es verstärkte Kooperationen noch auszuweiten und dichter zu verknüpfen. Um die Dringlichkeit dieser kommissarischen Arbeit wissend und wie der Titel schon vorbereitet, beschränkte man sich nicht auf eine rein deskriptive Darstellung. Der jeweiligen Inventur des Kulturbereichs wie Musik, Literatur, Museen, aber auch Denkmalpflege, künstlerische Aus- und Fortbildung, spartenübergreifende Kunstförderungsmaßnahmen und grenzüberschreitende kulturelle Beziehungen, folgte eine Schilderung der Perspektiven, die Forderungen nach konkret beschriebenen Veränderungen bzw. nach neuen Projekte inbegriffen.

Dem nachhaltigen Wandel des Kulturbetriebs stand ein hoher Bedarf nach umfassender Ausbildung von "Kulturvermittlern und Kulturadministratoren" gegenüber. Der konkrete Vorschlag der Konzeption bestand in der Schaffung eines eigenen Studiengangs, der künstlerische, kulturpädagogische und administrative Fähigkeiten vermitteln sollte. Bereits in der Konzeption wird die Integration dieses Studiengangs Kulturmanagement in die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg fokussiert und in seiner geplanten Struktur vorgestellt. Die Gründe für die Wahl des Standortes sah man in der lokalen Nähe der Pädagogischen Hochschule zu den Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung, der Finanzen, für Bibliothekswesen, zur Theaterakademie, sowie zur Staatsgalerie und Musikhochschule u.a. und die dadurch möglichen Synergien.

Nachdem 1989 der Studiengang "Öffentliche Kulturarbeit und Kulturmanagement" vom Landtag beschlossen wurde, nahm man 1990 mit Dr. Dr. Hannes Rettich als Gründungsprofessor den Betrieb auf. Der strukturelle und inhaltliche Aufbau wurde von dem ehemaligen Ludwigsburger Kulturamtsleiter, Professor Dr. Werner Heinrichs, organisiert, wobei "durch die Konzentration auf die 'öffentliche Kulturarbeit' die Kulturpolitik und die öffentliche Kulturförderung lange Zeit im Vordergrund standen."(2) Ziel des Studienangebotes war es, Akademikern mit einem geisteswissenschaftlichen Studium "Verwaltungslehre zu vermitteln und andererseits Absolventen der Verwaltungsfachhochschule mit Themen von Kunst und Kultur vertraut zu machen." Dabei konnte man auf keine deutschsprachigen Vorbilder zurückgreifen, da die damals bestehenden Studiengänge in Hamburg und Hagen selber noch in den Kinderschuhen steckten. "Das wesentlich ältere Studienangebot in Wien führte stets ein gewisses Eigenleben; die Kontakte zwischen den österreichischen Kollegen und den drei deutschen Anbietern waren sehr gering." so Werner Heinrichs. Die Strukturierung von Seiten der Kulturpolitik gab ein Aufbaustudium mit dem Abschluss eines Magister Artium vor, bei dem die inhaltlich notwendige Kombination von Kulturmanagement und Kulturwissenschaften als zwei Hauptfächer gesichert wurde. Zuvor wurde das Kontaktstudium gestartet, bei dem sich Berufspraktiker in Kompaktseminaren kulturwissenschaftliche Grundlagen sowie aktuelle Methoden des Kulturmanagements aneignen können. Seit 2000 kann an dem Institut ebenso ein Master-Studium als Aufbaustudium begonnen werden. Diese Fortbildungsmöglichkeit Kulturmanagement mit diesen drei Varianten bietet derzeit einzig Ludwigsburg an.

Die politischen Vorgaben, für den öffentlichen Kulturbetrieb auszubilden, mussten jedoch bald durch eine vertiefte Ausbildung in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Marketing ergänzt werden. Armin Klein, derzeit einer von zwei Professoren des Studiengangs, weist zudem auf die zusätzlich nötige Ausrichtung auf den kommerziellen und Dritten Sektor hin. Auch der technologische Wandel (Neue Medien, Internet, Web 2.0) und die Prozesse der Europäisierung/Globalisierung spielen eine immer größere Rolle, und wir müssen mit entsprechenden Angeboten hierauf reagieren (Internationales/Europäisches Kulturmanagement im Vergleich, Netzwerkbildung etc.).

Die Zahl der Anbieter für die Ausbildung im Kulturmanagement ist sowohl an Hochschulen wie auch von privaten Instituten enorm gestiegen. Der Wettbewerb hat sich spürbar verstärkt. Die Angebote weisen facettenreiche Studieninhalte mit der Suche nach einem eigenen Profil auf. Armin Klein ist der Überzeugung: Überleben und Durchsetzen werden sich langfristig diejenigen mit der besten Reputation. Dieses Umstands ist man sich in Ludwigsburg bewusst, dennoch müsste man sich hierüber erstmal keine Sorgen machen: Kein anderer Studiengang in Deutschland kann eine so rege Forschungs- und Publikationsliste vorweisen. Nahezu jedes Standardwerk für Kulturmanagement - das von einer Hochschule bzw. einem Hochschullehrenden herausgegeben bzw. geschrieben wurde, stammt von einem aktuellen oder ehemaligen Lehrenden des Ludwigsburger Instituts. Begonnen mit dem Deutschen Jahrbuch für Kulturmanagement, dem Handbuch für Kulturmanagement von A-Z (hrsg. Armin Klein und Werner Heinrichs) bis hin zu den neueren Publikationen wie dem Kompendium für Kulturmanagement (hrsg. Armin Klein), Der Kulturbetrieb (Werner Heinrichs) oder Arbeiten von u.a. Thomas Knubben, Petra Schneidewind, Ekkehard Jürgens.

Auf Grundlage eines kulturpolitischen Konzepts gestartet, hat es das Institut für Kulturmanagement erreicht, mit seinen renommierten Mitarbeiter, der nachhaltigen und zukunftsorientierten Forschung, deren Veröffentlichung, sowie mit flexiblen, an den Bedürfnissen des Kulturbetriebs orientierten Lehrinhalten dauerhaft einen der vorderen Spitzenplätze unter den Anbietern einzunehmen.

(1)Die fortschreitende Entwicklung des Bedarfs an professionellen Kulturschaffenden ist besonders eindrücklich an dem Studienangebot der Hochschulen zu beobachten: So kann man an deutschen Universitäten zwischen einer Vielzahl an Studienfächern mit verschiedensten Kultur-Schwerpunkten wählen, mitunter sehr illustre Bezeichnungen wie Kulturarbeit, Kulturwirt, Kulturgestaltung, Kulturinformatik, Kulturjournalismus, Kulturtourismus, Kulturgeographie, Cultural Engineering hinzukommen Fächerkombinationen mit Medien-, Geistes- und Sozialwissenschaften.
(2) Die ausführlichen Antworten von Werner Heinrichs können Sie dem Interview in diesem Magazin entnehmen.
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