09.07.2012

Autor*in

Dirk Heinze
Fachbeitrag

Das Weimarer Bauhaus wird bald aus Berlin kommen

Ein neues Bauhaus-Museum entsteht. And the Winner is: das Büro Hanada / Tonnon aus Berlin. Noch vor wenigen Monaten bei der Vorauswahl wurden aus 27 Entwürfen zwei 2. Plätze und zwei 3. Plätze vergeben. Das roch geradezu nach Unentschlossenheit in der Jury.
Nun wurde als Gewinner den Journalisten der Kubus-Entwurf eines Berliner Architekturbüros vorgestellt, der zwar von der Form her wenig spektakulär ist, aber sich in Fassade und Außenbereichsgestaltung eigenständig gibt. Womöglich kann es sich gar gegen die NS-Architektur des benachbarten sog. Gauforums behaupten. "Die Fassade wird das atmosphärische Spiel ausdrücken", betont Architektin Heike Hanada. Wie alle Büros hat sie sich mit dem spannenden Umfeld auseinandergesetzt. Was offenbar den Ausschlag gab, war einerseits "die Stringenz und Schlüssigkeit für den Besucher" (Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung). Andererseits vertrug sich der Entwurf offenkundig am besten mit dem Stadtraum, der neben dem archaisch wirkenden ehemaligen Gauforum auch das Kongresszentrum Weimarhalle und den angrenzenden Park einbeziehen sollte. Außerdem sollte der Versuch unternommen werden, die Innenstadt Richtung Norden zu öffnen. Dies gab 2010 den Ausschlag für den Standort. In seltener Einmütigkeit sprachen sich Weimars Stadträte für das Areal gegenüber der Weimarhalle und gegen den Theaterplatz aus, wo bisher das Bauhausmuseum sein Schattendasein fristet.

Für Kultusminister Christoph Matschie ist die heutige Entscheidung "ein selbstbewusstes Signal, dass man jenes kulturelle Erbe aktiv annehmen wird", das doch leicht gegenüber der in Weimar omnipräsenten Goethezeit ins Hintertreffen geraten kann. Mehr noch: sowohl Minister Matschie als auch Oberbürgermeister Stefan Wolf, Museumsdirektor Wolfgang Holler und Architektin Heike Hanada zeichneten bereits das Bild eines Museumsquartiers, dass sich mit dem neuen Bauhaus-Museum abzeichnet: neben dem benachbarten Stadtmuseum und der bedrückenden Installation von Rebecca Horn zum KZ Buchenwald fordern viele inzwischen zu Recht die Einrichtung eines Hauses der Demokratie am authentischen Ort. Immerhin wurde hier 1919 die Verfassung der Weimarer Republik beschlossen - der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Was liegt da näher, als das Bauhaus, das ebenfalls 1919 in Weimar gegründet wurde, damit in Beziehung zu setzen? In 7 Jahren wird man sehen, inwieweit zum 100-jährigen Jubiläum von Bauhaus- und Demokratiegeschichte diese Idee aufgegangen ist.

Noch ist es aber nicht soweit. Bis Ende 2012 soll das Planungsteam stehen, 2013 Baubeginn sein, 2015 schließlich das Haus öffnen. Wer die Klassik Stiftung Weimar kennt, tut gut daran, den Zeitplan einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Wie immer gibt es viele Beteiligte - Stiftung, Ministerium, Bund, Stadt, Architekturbüro - die sich abstimmen müssen. Hinzu kommt das vergleichsweise dünne Budget von 22,6 Millionen Euro - international wird man hier nur müde lächeln können. So ist es eben, wenn man keine Prioriäten setzen kann, sondern angesichts der vielen Kultureinrichtungen in Stadt und Land um Ausgleich bemüht ist. Doch wer weiß? Warum müssen es immer die Megaprojekte sein, die für überregionales Aufsehen sorgen? Die Kraft der Idee hat schon oft über die Macht des Geldes gesiegt. Man darf sich in Thüringen zugute halten, über beste Grundvoraussetzungen zu verfügen. Schließlich kommen bereits jetzt die Touristen in erklecklicher Zahl zu den authentischen Orten, die man zu bieten hat: Luthers Wartburg in Eisenach und Goethes klassischer Kosmos in Weimar. Andernorts würde man vom Selbstläufer sprechen. Soweit wollen wir nicht gehen. Wenn jetzt aber endlich einmal Energien freigesetzt werden, die auf tatsächliche Bedürfnisse, um nicht zu sagen Sehnsüchte der potenziellen Besucher reagieren, wäre das geradezu sensationell. Wie sagte doch heute Museumsdirektor Wolfgang Holler: "Dieser Bau wird mit neuer Wucht auf den Kosmos Weimar wirken, die eine fabelhafte Brücke von der Klassik in das Jetzt schlägt." Wer in der Kultur will schon nicht die eigene glorreiche Vergangenheit in die Gegenwart oder gar in die Zukunft überführen?

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