06.12.2007

Autor*in

Marcus Rudolf Axt
ist Korrespondent für Kulturmanagement Network.
Kommentar

Kulturmanagement ohne Logistik existiert nicht

In Zeiten, da selbst die Deutsche Bahn ihren staatlichen Auftrag zur Personenbeförderung verschleiert, indem sie als nächste Stufe ihres regressiven Selbstverständnisses der ehemals "Deutschen Bundesbahn" über "Die Bahn" und nur "DB" sich mittlerweile und anstelle dessen als weltweiten Logistikdienstleister bezeichnet, muß ja irgend etwas dran sein an diesem Begriff. Ist es Geld, oder hat der Sex-Appeal der Logistik andere Gründe?
Das Dilemma der Logistik im Kulturmanagement zeigt sich durch den Spagat zwischen Hilfswissenschaft und Notwendigkeit. In einem Bereich, wo Sex-Appeal durch das künstlerische Sujet an sich gegeben, zudem nichts Wesentliches zu verdienen ist, zeitigt die nüchterne Anwendung der Logistik Erfolge nur dort, wo neben der Beherrschung der Management-Tools auch Glück und Hilfe von außen dazukommen.

Wo liegt das Problem? Jeder junge, mittlerweile gut und umfassend ausgebildete Kulturmanager begreift schnell, daß Kulturmanagement ohne Logistik nicht existiert. Sei es die Welt der gut verpackt reisenden Picassos, Beuys oder Monets, sei es die Festivallandschaft mit Massenbewegungen von Künstlern zwischen fernen Ländern und Menschen, seien es Orchestertourneen ebenso wie das große Wunder eines Opernhauses, bei dem Hunderte verschiedene Professionen ineinandergreifen und nach einem detaillierten, aber künstlerisch volatilen Zeitplan ein großes Ganzes erarbeiten: Stimmt die Logistik nicht, so leidet die Kunst.

Die Komplexität der alltäglichen Anforderungen übersteigt die Ressourcen jedoch bei weitem. So können Orchestertourneen nur gelingen, wenn externe Dienstleister wie Lademeister und Zollbroker sich der Instrumente annehmen, wenn gut verdrahtete Reisebüros mit Flugtickets auch im letzten Moment virtuos im Buchungssystem jonglieren können, und wenn der korrupte Zöllner zum rechten Zeitpunkt einen Anruf erhält, um die Ladung freizugeben. Kulturmanagement mit Netz und doppeltem Boden zwar, so professionell sind wir allemal, aber entweder an Marionettenfäden oder wie im Himmel und vor Gericht allein von Gott abhängig.

Oder von den Spezialisten, die sich ihr Wissen sehr gut bezahlen lassen. Es ist ja kein Geheimnis, daß der größte Etatposten bei Kunstausstellungen die Versicherung und den Transport der Kunstwerke betrifft. Daß die maßgefertigten Transportbehälter für die millionenschweren Gemälde und Skulpturen nach Ende der Reise zwar von den Museen bezahlt wurden, aber beim Logistikdienstleister verbleiben, verwundert allerdings.

Also gibt es vielleicht doch etwas zu verdienen? Hochwertige Ware wie Rembrandts oder Kontrabässe verlangt umsichtige Behandlung; die wenigen spezialisierten Firmen halten eine Art Monopol, das von den Theatern, Orchestern, Museen immerhin alle Subventionsempfänger teuer erkauft werden muß. Soweit, so gut: was nur machen diejenigen, die nicht auf diese Ressourcen zurückgreifen können? Das Wesen des Kulturmanagements ist ja bekanntlich, Synergien her- und eine Mischung aus Buchhalter, Historiker, Psychologe, Anwalt, Vertreter und Zauberkünstler darzustellen. Von den zwei großen Grundsätzen des Kulturmanagements gilt zumindest der eine, der sich aus der Physik herleitet, auch für die Logistik: Wo ein Körper ist, kann nicht gleichzeitig auch ein anderer Körper sein. (Der zweite Grundsatz kommt, wie Franz Willnauer mir vor Zeiten gelehrt hat, aus dem Skat und heißt Ober sticht Unter). Wer nun noch auf die drei Jauchschen Joker 50/50, Publikum und Telefon zurückgreifen kann, hat schon halb gewonnen.

Im Ernst: Erfolg entscheidet sich meist in den weichen Faktoren, sei es nun das Wissen, welchen Telefonjoker man bei welchem Problem ziehen kann, oder bei der zugegebenermaßen schwierigen, mitunter unlösbaren Einschätzung der Frage, wer denn in bestimmten Situationen Ober bzw. Unter darstelle. Alles andere ist Logistik, und die kann man lernen, oder hinzukaufen. Also gibt es doch etwas zu verdienen.


MARCUS RUDOL F AXT ist Orchestermanager der Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie. Er studierte Musik und Theaterwissenschaften sowie Germanistik in Bayreuth und Bologna.

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