03.08.2010

Autor*in

Lucie Machac
Sparpaket

Tschäppät kämpft für das Kulturbudget

(Bern) Die Stadt muss künftig massiv sparen. Das Kulturbudget soll jedoch bei 33,7 Millionen Franken bleiben. Stadtpräsident Alexander Tschäppät erklärt, wie er das erreichen will und warum manche dennoch weniger Geld bekommen.
Herr Tschäppät, gemäss Schätzungen der Finanzverwaltung wird die Stadt ab 2012 über 30 Millionen Franken jährlich einsparen müssen. Wie wollen Sie da das Kulturbudget bei 33,7 Millionen Franken halten?


Meine Devise heisst kämpfen! Es gibt Sparanstrengungen, die weniger Sinn machen als andere. Ein gutes Kulturangebot macht Bern zu einem attraktiven Standort. Ausserdem gehen wir davon aus, dass sich die Konjunktur ab 2012 wieder erholt und damit auch die Steuereinnahmen steigen.


 
 
Da setzen Sie aber auf das Prinzip Hoffnung. Wenn Sie in Ihrer Direktion nicht bei der Kultur sparen, wo dann?


Der Gemeinderat hat soeben ein Haushaltsverbesserungsprogramm eingeleitet, daher ist es noch zu früh, Konkretes über einzelne Sparposten zu sagen.


 
 
Aber ab 2012 sollen alle Direktionen aufgabenbezogen sparen. Kultur macht über 70 Prozent Ihres Direktionsbudgets aus.


Wir werden sicher nicht Millionen sparen zulasten der Kultur. Es mag sein, dass es um ein paar Hunderttausend Franken geht. Ausserdem sind die meisten Subventionen, nämlich 22 Millionen Franken, gebunden, weil sie an Institutionen fliessen, die auch vom Kanton und von den Regionsgemeinden unterstützt werden. Und die anderen Kulturinstitutionen, die lediglich von der Stadt subventioniert werden, kann ich ja nicht einfach wegsparen.


 
 
Natürlich können Sie das.


Sehen Sie, vor drei Jahren wollte ich auf das Kornhausforum verzichten. Doch dann wurde fürs Forum lobbyiert und mein Vorschlag vom Stadtrat abgelehnt. Dann wollte ich kürzlich aufs Ballett beim Stadttheater verzichten


 
 
Ich dachte, Sie seien ein Tanzfan.


Das bin ich auch! Dennoch denke ich, dass ein Ballett mit 12 Tänzern längerfristig ein Problem bekommt, auch in finanzieller Hinsicht. Aber ich bin vom Kanton, dem grössten Geldgeber beim Stadttheater, überstimmt worden.


 
 
Das heisst, Sie als Kulturchef konnten sich nicht durchsetzen?


Auch als Kulturchef habe ich demokratische Regeln einzuhalten. Der Kulturchef macht Vorschläge, aber er entscheidet nicht. Das ist Sache des Parlaments, des Volkes oder eben des grössten Geldgebers.


 
 
Nun schlagen Sie vor, dass das Kino Kunstmuseum künftig einen Drittel weniger Subventionen bekommt.


Man muss sich die Frage stellen, wie viele nichtkommerzielle Kinos wir uns als eine relativ kleine Stadt leisten können. Wir haben das Kino Reithalle, das Kellerkino, das Kino Cinématte, das Kino Lichtspiel und das Kino Kunstmuseum. Ein solches Angebot hat nicht einmal Zürich oder Basel.


 
 
Fürs Kino Kunstmuseum wird aber lobbyiert.


Das ist die Krux in der Berner Kulturpolitik: Man verlangt von mir, Akzente zu setzen. Wenn ich dann einen Akzent setze, kommt es zu einem parlamentarischen Vorstoss, der ihn verhindert. So haben wir seit Jahren den Status Quo, dass die meisten Institutionen zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben haben.


 
 
Mit der Kürzung beim Kino Kunstmuseum nehmen Sie aber genau dies in Kauf.


Das sehe ich anders. Jede Institution, die auf öffentliche Gelder zurückgreifen kann, ist in einer relativ komfortablen Situation. Wenn die Subvention gekürzt wird, hat jede Institution zwei Möglichkeiten: Entweder sie bewegt sich nicht, was ihre Existenz bedroht. Oder sie verstärkt die Suche nach Sponsoren, ist kreativ und wird mit dem Zuschuss der Stadt zurechtkommen.


 
 
Sie wollen die Gelder also umverteilen?


Ja, aber im kleinen Rahmen. Wir möchten einen Teuerungsausgleich zahlen. Da das Budget aber nicht erhöht wird, müssen wir das Geld irgendwo einsparen. Gleichzeitig haben wir Schwerpunkte gesetzt, zum Beispiel beim Jazz oder bei der Camerata Bern, die bereits mehr Geld bekommen und Erfolg haben beim Publikum.


 
 
In Bern finden rund 200 Veranstaltungen pro Woche statt. Ist das nicht ein Überangebot?


Man darf nicht vergessen, dass viele der Veranstaltungen auf Privatinitiative beruhen, wenn jemand einen Vortrag hält oder ein Konzert gibt. Die Berner Vielfalt mag als Luxus erscheinen, sie ist aber auch eine unserer Stärken.


 
 
Allerdings hat diese Vielfalt auch Nachteile. Manche Berner Institutionen graben sich gegenseitig das Publikum ab.


Die Institutionen müssen sich untereinander besser koordinieren, das liegt nicht in der Verantwortung der Politik. Ausserdem sind die Publikumszahlen nicht das einzige Kriterium. Es ist ebenso wichtig, dass die Kulturschaffenden Auftrittsmöglichkeiten haben.


 
 
Dennoch: In Sachen zeitgenössische Musik haben wir mehrere Veranstalter, die ein ähnliches Programm anbieten. Etwas weniger wäre da vielleicht mehr.


Ich habe kein Problem, darüber nachzudenken.


 
 
Inwiefern?


Im Rahmen der laufenden Subventionsverhandlungen kann man zum Beispiel diskutieren, ob es in der Dampfzentrale und im Zentrum Paul Klee avantgardistische Musik braucht. Ich frage mich auch, ob wir in den Leistungsvereinbarungen mit den Institutionen nicht zu viel verlangen im Verhältnis zur Höhe der Subvention. Wie eben bei der Dampfzentrale, die von Tanz über Rock/Pop bis zur Neuen Musik ein grosses Spektrum anbietet. Gleichzeitig darf man bei Veränderungen ein bestimmtes Tempo nicht überschreiten, sonst macht weder die Gesellschaft noch die Politik mit.
 

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