28.11.2018
Vorschau Internationales Symposium Kulturvermittlung 2019

Utopien der Kulturvermittlung

Früher eher stiefmütterlich behandelt, zählt die Kulturvermittlung heute zunehmend zu den zentralen Aufgaben kultureller Einrichtungen. Was das für die Zukunft der Häuser und Vermittler*innen bedeutet, fragt das Internationale Symposium Kulturvermittlung am 25. und 26. Januar 2019 im Festspielhaus St. Pölten unter dem Titel „What if? Perspektivenwechsel in der Kulturvermittlung“.
„Der Erfolg wird sich am Grad der aktiven Beteiligung der User an den Museumsvorhaben bemessen“, prophezeite Barbara Fischer, Kulturmanagerin und Expertin für Open Culture, kürzlich in einem Beitrag zum Kulturmanagement im Jahr 2025. Und mit dieser Einschätzung ist sie nicht allein. Fragt man Experten danach, für welche Aufgaben des Kulturmanagements es künftig angesichts von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung noch reale Menschen braucht, bleiben nur wenige übrig: neben künstlerischer Produktion und Programmgestaltung sind das vor allem direkte Kommunikation und Vermittlung. Dabei wurden gerade die letzten beiden Punkte lange eher als Stiefkinder der künstlerischen Arbeit betrachtet. Doch auch wenn der Kulturvermittlung in den letzten Jahren bereits deutlich mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen gewidmet wurden, sind die meisten Kultureinrichtungen auf diese prophezeite Zukunft noch nicht vorbereitet. Wie passend also, dass das Internationale Symposium Kulturvermittlung 2019 sich mit der Zukunft dieser Profession und den Strukturen befasst, die es braucht, um deren steigende Bedeutung optimal zu fördern.
 
Das Symposium des Netzwerkes NÖKU Kulturvermittlung und des Masterstudienganges Kulturvermittlung der Universität Hildesheim ist nach drei erfolgreichen Auflagen inzwischen ein fester Termin für all jene, die kulturelle Inhalte verschiedenen Zielgruppen näher bringen möchten. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem Standortbestimmungen im Mittelpunkt des Symposiums standen, wird es 2019 um Potenziale und Neu-Verhandlungen gehen.
 
Utopien für die Zukunft der Kulturvermittlung zu entwickeln und zu diskutieren, ist ein hoher Anspruch. Um diesem gerecht zu werden, deckt das Symposiumsprogramm an zwei Tagen eine breite Vielfalt an Themen ab, die von den künftigen Arbeitsbedingungen für Kulturvermittler/innen über neue Vermittlungsformate bis hin zu Transformationsbedarfen bei den Kultureinrichtungen selbst reichen. Dabei kommen mit Aspekten wie Migration oder Diversität auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die auf die veränderte Rolle der Kulturvermittlung einwirken, nicht zu kurz.
 
Wie bei den vorangegangenen Ausgaben sind einerseits künstlerisch-praktische Workshops als alternative Form des Erkenntnisgewinns ein zentraler Bestandteil, zum anderen werden Referent/innen mit verschiedenen Backgrounds die üblichen Formen wissenschaftlicher Präsentation verlassen und neue Wege des Diskurses bestreiten. Ziel ist es, nicht nur theoretisch über mögliche Perspektiven auf die Kulturvermittlung von morgen zu sprechen. Daneben können die Teilnehmer/innen neue Formate und Herangehensweisen in den Ausprobier-Workshops selbst testen und dabei in die Rolle der Zielgruppen schlüpfen. Ein doppelter Perspektivwechsel also.
 
Am Vorabend der Tagung, dem 24. Januar, werden unter dem Titel „Share & Care“ Vermittler/innen der NÖKU-Einrichtungen ihre Erfahrungen und Methoden teilen. Das offizielle Tagungsprogramm beginnt am 25. mit einem Vortrag von Birgit Mandel, Professorin für Kulturmanagement und –vermittlung an der Universität Hildesheim. Sie wird die zentralen Fragestellungen umreißen und dabei die Vermittler/innen selbst ins Zentrum des Geschehens stellen. Wie können sie zu Veränderungen in klassischen Kultureinrichtungen beitragen, diese durchlässiger machen für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Interessen und sich aktiv an der Programmarbeit beteiligen? Dass Birgit Mandel dafür prädestiniert ist, Vermittlung neu zu denken, zeigt nicht zuletzt der von ihr initiierte ZukunftsGut Preis für Kulturvermittlung. Dieser zeichnet Kultureinrichtungen aus, bei denen Kulturvermittlung als Kernaufgabe verstanden wird, als integraler Bestandteil aller programmatischen und Produktionsprozesse. Die Gewinner dieses Preises stehen repräsentativ für die Utopie, institutionalisierte Normen und Erwartungen an die Vermittlung und Aneignung von kulturellen Artefakten aufzubrechen. Entsprechend der von Barbara Fischer prophezeiten Entwicklung wird Kulturvermittlung hier als Begegnungsstätte und Ausgangspunkt des Kulturmanagements der Zukunft verstanden, bei dem der Austausch und die Einbindung der Besucher/innen im Mittelpunkt steht.
 
Wie Kultureinrichtungen und –vermittler/innen sich auf diese Zukunft vorbereiten können, zeigen die Vorträge und Diskussionsrunden zu zentralen Aspekten künftiger kulturvermittelnder Tätigkeiten. Wissenschaftler/innen, Kulturvermittler/innen und Kulturmanager/innen stellen dabei ein breites Spektrum an Erfahrungen, Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen vor, etwa zu:
 
  • den verschiedenen Perspektiven von Kulturvermittler/innen unterschiedlichen Alters
  • den Veränderungsprozessen in Kultureinrichtungen
  • den neuen Ansprüchen und positiven wie negativen Wahrnehmungen des Kulturbereichs in der Gesellschaft
  • der Rolle von Kulturvermittlung in aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Prozessen
  • den Bedürfnissen unterschiedlicher Ziel- und Kommunikationsgruppen
  • dem Umgang mit geteilten Deutungshoheiten und „Shared Heritage“
  • von Kultureinrichtungen unabhängigen Rezeptionsformen von Kultur- und Kulturerbe
  • digitaler Kulturvermittlung
  • neuen, künstlerisch-experimentellen Vermittlungsansätzen.
In Ergänzung dazu bietet das Symposium eine Vielzahl an praxisorientierten Workshops und Diskursforen, bei denen die Teilnehmer/innen in kreativen Prozessen gemeinsam Antworten und Ansätze für ihre tägliche Arbeit finden können. Die Themen und Fragen sind beispielsweise:
 
  • Kulturvermittlung als Schlüsselfunktion und abteilungsübergreifendeAufgabe in Kultureinrichtungen
  • Utopien neuer Formen von Kultureinrichtungen
  • Interessensgruppen an und für Kulturvermittlung
  • das Selbstverständnis der Vermittlung in Kultureinrichtungen
  • Formate der Kulturvermittlung zwischen künstlerischer Intervention und eigenem künstlerischem Schaffen
Mit seinem Rahmenthema bewegt sich das Symposiumsprogramm damit eng am aktuellen Zeitgeist. In der Vielzahl an Formaten sind zudem alle Sparten und Kunstformen vertreten. Damit ist das Internationale Symposium Kulturvermittlung nicht nur für Kulturvermittler/innen eine Reise wert, sondern auch für Mitarbeiter/innen anderer Abteilungen in Kultureinrichtungen, Führungspersonen, Studierende und alle, die sich für die Zukunft der Kulturbetriebs im deutschsprachigen Raum interessieren.
 
Für diejenigen, die nicht vor Ort am Symposium teilnehmen können, wird es einen performativen Liveblog mit dem Titel „The Risk of Attanding, Witnessing, Co-Thinking. Radical Practices of Attention“ geben. Zudem werden unsere Kolleginnen vom Wiener Institut für Kulturkonzepte für uns am Symposium teilnehmen und unsere Leser*innen in einem ausführlichen Nachbericht an ihren Erkenntnissen teilhaben lassen.
 
Internationales Symposium Kulturvermittlung
25. – 26. Januar 2019
Festspielhaus St. Pölten
Tagungsgebühr: 90€ für das gesamte Programm; 50€ für ein Tagesticket inklusive Rahmenprogramm
Hinweise zu Ermäßigungen finden Sie im ausführlichen Programmheft des Symposiums
 
Anmelden können Sie sich mit einer Email an symposium@kulturvermittlung.net