15.02.2018

Themenreihe Führung

Autor*in

Karin Bergmann
war Direktionsassistentin am Schauspielhaus Bochum, Pressesprecherin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Burgtheater, den Vereinigten Bühnen sowie an der Volksoper Wien. Sie war ab 1999 stellvertretende Direktorin ans Burgtheater und wurde 2014 zu dessen künstlerischer Direktorin.
Eva Göbel
verantwortet die Drittmittelakquise für den städtischen Eigenbetrieb „JenaKultur“. Zuvor arbeitete sie als Kulturmanagerin u.a. für die IBA Thüringen, als Redakteurin und Journalistin, unter anderem bei Kultur Management Network. Sie studierte Literatur, Kunst und Kultur in Göttingen, Paris und Jena.
Wiener Burgtheater

Dank guter Führung neue Blickwinkel finden

Aufgrund mehrerer Skandale wurde das Wiener Burgtheater vor einigen Jahren zu einem Worst Practice des Theatermanagements. Dank des Führungsansatzes der neuen Intendantin Karin Bergmann sich das Haus wieder erholt. Ob dies aber reicht, um auch den aktuellen Skandal um diskriminierendes Verhalten ihres Vorgängers zu überstehen, bleibt abzuwarten.
Kulturmanagement Network: Frau Bergmann, als Ihnen im Oktober 2014 offiziell die künstlerische Leitung des Burgtheaters übertragen wurde, lief es alles andere als gut. Heute sieht die Situation schon viel besser aus. Wie haben Sie das geschafft?
 
Karin Bergmann: Kurz gesagt: Mit viel Kommunikation nach innen und außen, einem starken Durchsetzungswillen und dem Respekt vor der Arbeit anderer, mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Thomas Königstorfer und vielen kompetenten Mitarbeitern an meiner Seite, und natürlich mit dem großartigsten Ensemble, dem Burg-Ensemble.
 
KMN: Wenn Dinge schief gehen, kann man im besten Fall die Fehler benennen und sie in Zukunft vermeiden. Was hat das Burgtheater aus der Krise gelernt und was wird jetzt anders laufen?
 
KB: Wir halten uns daran, nicht mehr Geld auszugeben als wir haben, ganz einfach.
 
KMN: Aus Fehlern wird man klug Sollte man mit dem Thema Scheitern im Kulturbetrieb anders umgehen? Wenn ja, wie kann eine Auseinandersetzung damit aussehen?
 
KB: Im Umgang mit dem Thema Scheitern hat man am Theater ausreichend Erfahrung, ich zitiere Samuel Beckett Wieder Scheitern. Besser Scheitern. Wir hoffen vor jeder Premiere auf größtmöglichen Erfolg, müssen aber auch mit dem Misserfolg rechnen. Natürlich versucht man in der Konstellation Stück-Regisseur-Schauspieler das Risiko des Scheiterns gering zu halten, aber Erfolgsgarantien gibt es nicht, genauso wenig wie Patentrezepte. Und das ist gut so! Ein Theater, das nur noch bewährte Rezepte umsetzt, wäre langweilig und irgendwann tot Theater lebt von neuen Sichtweisen und ungewohnten Blickwinkeln.
 
KMN: Welche Rolle spielen für Sie als Intendantin dabei Vergleiche mit anderen Kulturinstitutionen?
 
KB: Vergleiche können nur dann eine Rolle spielen, wenn die Institutionen wirklich vergleichbar sind oft geht es dabei ja um Einsparungspotenziale und die sind meist nur bedingt übertragbar. Vergleiche können aber als Ansporn sinnvoll sein. An neuen Strategien und positiven Erfahrungen anderer Institutionen hat man natürlich Interesse, wir alle sind ja einem gewissen Optimierungsdruck unterworfen. Aber die Kulturinstitutionen sollten sich über das Vehikel des Vergleichs nicht gegeneinander ausspielen lassen. Letztlich ziehen wir alle an einem Strang dem Stellenwert der Kunst bei der Verteilung öffentlicher Gelder.
 
KMN: Es gibt viele Bereiche des Theaterbetriebs, die man miteinander vergleichen könnte. Und viele Kriterien, die man ansetzen kann, um herauszufinden, wann etwas am Besten gemacht wird. Wann wäre für Sie persönlich ein Theater ein Best Practice?
 
KB: Bei Best Practice am Theater kann es nicht um Pro-Kopf-Ausgaben pro Besucher oder so etwas gehen, dann streichen wir jeden Klassiker auf drei Rollen und spielen auf leerer Bühne. Best Practice kann im Theater nur eine Mischung sein aus der Umsetzung der künstlerischen Ideen bei bestmöglicher Akzeptanz des Publikums mit dem bewussten Risiko, dass unbekannte oder auch unbequeme Stücke nicht die gleiche Akzeptanz erfahren werden wie Komödien und bestmöglicher Resonanz der Fachpresse und Fachwelt im Einklang mit dem Budget.
 
KMN: Hat die Strategie einer anderen Kultureinrichtung Sie einmal so beeindruckt hat, dass Sie dachten, Sie müssten den einen oder anderen Aspekt auch bei Ihrem Haus ausprobieren?
 
KB: Natürlich schaut man, was die anderen machen, und greift Ideen auf, wenn sie umsetzbar erscheinen. Letztlich bemühen sich alle Theater darum, Publikum zu gewinnen und zu halten. Und die Situation der Theater zueinander ist viel weniger Konkurrenz als das gemeinsame Ziel, Theater an sich in der heutigen Zeit attraktiv zu erhalten. Beeindruckend finde ich zum Beispiel den Auftritt großer Museen, die das Publikum mit allen Sinnen ansprechen und ihr Haus über die ausgestellte Kunst hinaus zum attraktiven Kulturerlebnis als Ganzes zu positionieren.
 
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