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25. Juni 2017

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Kommentar

Streaming auch für Klassik?

Das von den Skype-Entwicklern gegründete Portal rdio hat für Anfang 2012 seinen Start in Deutschland angekündigt.

 

Die Musikwirtschaft hat weltweit seit Jahren mit massiven Umsatzrückgängen zu kämpfen, gleichzeitig ist, vor allem auf Kundenseite, das Wort Streaming seit einiger Zeit in aller Munde. Derzeit hat man als Nutzer schon diverse Möglichkeiten, Lieder der Wahl über das Internet zu streamen, und das zum Teil sogar kostenlos (1), doch noch ist Simfy aus Köln der einzige Anbieter, der ein vollkommen legales kostenloses Angebot auf dem deutschen Markt anbietet. Andere am Markt vertretende Firmen wie Napster oder JUKE haben ausschließlich kostenpflichtige Angebote im Programm. Doch die neue (kostenlose) Konkurrenz steht auch für Deutschland bereits in den Startlöchern, vor allem Spotify aus Schweden, schon seit längerem in vielen Ländern präsent. Zudem hat vor einem Monat nun auch das von den Skype-Entwicklern gegründete Portal rdio angekündigt, Anfang 2012 in Deutschland mit ihrem Angebot an den Start zu gehen (2). Abhängig ist dieser Start in beiden Fällen noch davon, ob sich die Unternehmen mit der Verwertungsgesellschaft GEMA über einen – für beide Seiten – fairen Lizenzvertrag einigen. Denn die positiven Seiten für die Kunden – sämtliche Musik ist fast überall über zahlreiche Endgeräte abrufbar – haben auch negative Aspekte für den Künstler. 

Zunächst einmal muss die zu streamende Musik bei den Labels lizenziert werden, diesen Schritt haben die Anbieter bereits hinter sich. Über genau Lizenzbedingungen wird natürlich beiderseitiges Stillschweigen vereinbart, aber die Frage, was die Künstler durch einen Stream überhaupt erhalten ist ein wichtiges Thema: es sind Mikrocentbeträge! Dies verdeutlicht auch eine Berechnung, die vor wenigen Tagen in der Süddeutschen Zeitung aufgestellt worden ist: „Wird ein Lied als Datenstrom verschickt, bezahlt beispielsweise Spotify im Durchschnitt etwa 0,0017 Dollar an die Plattenfirma, der Künstler erhält davon 15 Prozent, also 0,000255 Dollar. Damit ein Künstler den Mindestlohn von 1160 Dollar im Monat verdient, müsste sein Song in diesem Zeitraum knapp 4,55 Millionen Mal gestreamt werden.“ (3) Klar ist, von Streams allein, wird ein durchschnittlicher Künstler niemals leben können. Gleichzeitig zeigen zudem aktuelle Studien, dass in Ländern, in denen Spotify & Co. bereits am Markt vertreten sind, deutlich weniger Alben – durch die der Künstler höhere Einnahmen erzielen kann (4) – physisch oder digital verkauft. (5)

Neben dem ausübenden Künstler soll aber auch noch der Urheber angemessen vergütet werden (6), wofür hierzulande die GEMA eintritt. Auch mir ihr müssen klare Vereinbarungen getroffen werden. Wie schwierig dies zu sein scheint, zeigt der seit Jahren schwelende Streit zwischen der GEMA und dem erfolgreichsten Videoportal youtube.

Abschließend soll nun die Frage stehen, ob Streaming auch etwas für die klassische Musik sein kann, oder bereits ist. Beispiel Simfy: Das Kölner Unternehmen hat im August 2011 eine neue Kooperation mit DECCA sowie der Deutschen Grammophon gestartet (7), um bewusst die klassische Musik populärer Stars wie Netrebko, Lang Lang und anderen in ihrem Streamingangebot zu stärken. Noch sind die registrierten Nutzer von Simfy jung und gehören nicht zur klassischen Zielgruppe des Klassiksegments, doch interessant ist diese Erweiterung vor dem Hintergrund, dass Simfy sein Angebot im kommenden Jahr auch für Drittanbieter öffnen wird. So können beispielsweise eBooks, die sich mit klassischer Musik beschäftigen, legal bereits lizenzierte Musik streamen.

Beispiel Webradio: Webradios boomen. Anbieter wie laut.fm (8) bieten einfachste Möglichkeiten ein eigenes und individuelles Webradioprogramm zu initiiere. Faktisch ist daher jede Kulturinstitution mit einfachen Mitteln in der Lage, ein auf ihr Publikum abgestimmtes Programm anzubieten.

Ist Streaming also auch geeignet für Orchester? Theoretisch ja, vorausgesetzt, die rechtlichen Rahmenbedingungen (Lizenzen bei den Labels und den Verwertungsgesellschaften) sind geklärt. Letztlich muss nun in einem weiteren Schritt detailliert geklärt werden, welche Möglichkeiten sich daraus für Orchester ergeben. 

Gerne möchte ich dies als Aufruf zu einer Ideensammlung verstehen, welche Optionen Orchester – und andere klassische Kulturinstitutionen – durch Streaming haben. 

Anmerkungen:

1)  Kostenlose Angebote finanzieren sich in der Regel über Werbeeinnahmen.
2)  Vgl. http://netzwertig.com/2011/11/02/rdio-skype-grunder-wollen-ihren-musikdienst-nach-deutschland-bringen/, 2. Dezember 2011.
3)  Helmut-Martin Jung: „Warum Musiklabels Spotify und Co verlassen“, unter: http://www.sueddeutsche.de/digital/streaming-dienste-warum-musiklabels-spotify-und-co-verlassen-1.1197154-2, 2. Dezember 2011.
4)  Von einem Download-Album für 9,99 € erhält der Künstler ca. 10 Prozent, also ungefähr 1 €. 
5)  Gleichzeitig werden von den angebotenen Songs – derzeit ca. 13 Millionen – ca. 80 Prozent gar nicht gestreamt!
6)  Siehe dazu §32 der Urhg.
7)  Vgl. http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/News/Simfy-holt-mit-Decca-und-Deutsche-Grammophon-Klassik-ins-Programm, 2. Dezember 2011.
8)  Die Laut AG übernimmt die anfallenden GEMA und GVL-Kosten, dafür erhält sie das Recht, Werbung in die Webradioprogramme einzuspielen.

 

Autor: Prof. Martin Lücke, Bochum/München
04.12.2011, Dirk Heinze
Weiterführende Links: www.rdio.com
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