30.09.2011
Fachbeitrag

Pergamon - Ausstellung in Berlin eröffnet

In einer einzigartigen Zusammenarbeit präsentiert seit heute die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Asisi GmbH eine umfassende Ausstellung zum Thema Pergamon

Auf einer Fläche von 4.500 Quadratmetern werden im Nordflügel und in den drei zentralen Architektursälen im Ostflügel des Pergamonmuseums etwa 450 zum größten Teil noch nie gezeigte Exponate aus dem Bestand der Antikensammlung präsentiert. Darüber hinaus versetzt ein neues monumentales 360°-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi und der asisi GmbH die Besucher in einer eigens errichteten, temporären Rotunde auf den Burgberg von Pergamon im Jahr 129 n. Chr.

Die Ausgrabungen der Berliner Museen in Pergamon zählen zu den erfolgreichsten Unternehmungen der klassischen deutschen Altertumswissenschaft. Der bedeutendste Fund aus diesen Grabungen, der im Pergamonmuseum rekonstruierte Altar, gehört heute zu den berühmtesten Ausstellungsobjekten des UNESCO-Welterbes Museumsinsel Berlin und zieht www.pergamon-panorama.de jährlich weit über eine Million in- und ausländischer Besucher in das Museum. Die eindrucksvolle Inszenierung dieses Bauwerkes hat jedoch den übrigen, weit umfangreicheren Berliner Bestand pergamenischer Grabungsfunde in den Hintergrund treten lassen. Viele der nun in der Ausstellung versammelten Objekte, die durch die zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich vertraglich vereinbarten Fundteilungen am Ende des 19. Jhs. nach Berlin gelangten, waren bisher niemals öffentlich ausgestellt. Zahlreiche Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen ergänzen die Ausstellung.

In Vorbereitung der Ausstellung wurden aufwendige Restaurierungen durchgeführt, die die berühmten hellenistischen Marmorskulpturen aus Pergamon wieder in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen lassen. Eine Vielzahl von Skulpturen, Mosaiken, Münzen, Tongefäßen und Gebrauchsgegen- ständen geben, von Yadegar Asisi gestalterisch in Szene gesetzt, dem Besucher ein anschauliches Bild vom Leben in der antiken Metropole. Dabei werden die ursprünglichen architektonischen und funktionalen Zusammen- hänge der Exponate vorgestellt und soweit möglich die antike Nutzung erläutert. Zahlreiche Zeichnungen, Gemälde und Archivdokumente geben Einblick in die spannende Entdeckungsgeschichte. Breiten Raum nimmt auch die Rezeption der pergamenischen Kunst, insbesondere des Pergamonaltars, in der bildenden Kunst und Literatur des ausgehenden 19. und 20. Jhs. ein.

Die Ausstellung ist Bestandteil des Forschungsprojektes "Berliner Skulpturennetzwerk. Kontextualisierung und Übersetzung antiker Plastik", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,6 Mio. gefördert wird und der Vermittlung erster Forschungsergebnisse an ein breites Publikum dient. Die wissenschaftliche Erschließung der pergamenischen Skulpturen und das damit verbundene Ziel der Wiedergewinnung der antiken Aufstellungszusammenhänge erfolgt im Kontext des Forschungsprojektes. Mit neuesten Methoden der Informa- tionstechnologie und Computervisualisierung sollen die Ergebnisse nun einem breiten Publikum vermittelt werden. Einen zentralen Stellenwert hat hier das virtuelle 3D-Modell des antiken Pergamon, das in einer Kooperation des Deutschen Archäologischen Instituts und des Lehrstuhls für Darstellungs-lehre der Technischen Universität Cottbus entsteht.

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein neues asisi-Panorama, das mit einer Höhe von ca. 24 Metern und einer Länge von 103 Metern im Ehrenhof des Pergamonmuseums errichtet wurde und eine lebendige Vorstellung der antiken Stadt Pergamon gibt. Asisis Rekonstruktion der Stadt im Maßstab 1:1 basiert auf dem aktuellen Forschungsstand und wurde in enger Zusammenarbeit mit den Archäologen der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin und des Deutschen Archäologischen Instituts erarbeitet. Eine Simulation von Tag und Nacht sowie ein Klangteppich, der das Leben in Pergamon nachempfindet, machen das Leben in der antiken Stadt auf spektakuläre Weise erlebbar. Dezente Hintergrundmusik des Filmkomponisten Eric Babak rundet die Zeitreise in die Antike ab.

Für das monumentale Panorama des antiken Pergamon dienten Yadegar Asisi Rekonstruktionszeichnungen pergamenischer Bauten, Fotoaufnahmen von Ausgrabungsfunden sowie das erste Pergamon-Panorama von Alexander Kips und Max Friedrich Koch (1886) als Orientierung. 2010 und 2011 fotografierte Asisi vor Ort auf dem Ruinenfeld in Bergama von einem ca 30 Meter hohen temporären Turm aus die Topografie des Burgbergs und der umgebenden Landschaft. Im Anschluss erstellte er eine Entwurfsskizze des historischen Stadtbildes. Darin verortet wurden szenische Foto- aufnahmen mit Statisten in antiken Kostümen in Bergama und anderen Orten. Aus dem gesammelten Material von über 5.000 Aufnahmen wurde dann am Computer das Rundbild, das den Besucher auf eine Zeitreise in die Antike einlädt, aufwändig zusammengesetzt. Ein Projekt im Projekt ist Asisis zeichnerische Rekonstruktion des Gigantomachiefrieses vom Pergamonaltar, die sich in Schrägperspektive und farbig gefasst im Panorama wiederfindet.

Kommentare (0)
Zu diesem Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden.