21.02.2019

Themenreihe Zukunft der Arbeit

Autor*in

Kristin Lux
Ich nehm mir ein Sabbatical

Tschüss!

Sabbatical? Ein neues Ritual oder eine stylisches, aber völlig überteuertes Wellnessangebot? Alles falsch! Was es mit diesem Mysterium auf sich hat und warum es immer mehr Menschen machen, erklären wir hier.
Heute ist Daniels letzter Tag. Er geht. Er nimmt sich ein halbes Jahr Auszeit. Er wird durch Neuseeland trampen und dort den Anzug und die Krawatte gegen lässige Jeans und Rucksack tauschen. Bisher war Daniel in einer Bank angestellt. Sein Job hat ihm immer Spaß gemacht, seine Kollegen waren nett und die Motivation hoch. Doch nun braucht er eine Pause. Er will etwas Anderes sehen und sich von den 12-Stunden-Tagen erholen. Daher hat er sich für ein Sabbatical entschieden.
 
Was ist ein Sabbatical?
 
Sabbatical ist eine eher modische Bezeichnung für ein Arbeitszeitmodell aus den USA. Der Name stammt von dem Begriff "Sabbatjahr" ab. Weniger religiös gemeint, handelt es sich beim Sabbatical um die Möglichkeit als Angestellter in einem Unternehmen für eine bestimmte Zeit eine Arbeitspause einzulegen. Die Dauer für diese Auszeit liegt meist zwischen einem halben und einem Jahr. Nun gut, Aussteiger und Auswanderer gibt es viele. Das Außergewöhnliche am Sabbatical ist jedoch, dass diese Auszeit vom Arbeitgeber bewusst gefördert und unterstützt wird. Im Idealfall ist damit auch eine Arbeitsplatzerhaltung garantiert.
 
Unterstützung durch den Arbeitgeber. Aber wie?
 
Ein Sabbatical kann "unbezahlt" oder "bezahlt" absolviert werden. Die unbezahlte Variante bedeutet, dass man sich seine Auszeit komplett selbst finanziert (entspricht also einem unbezahlten Urlaub). Dagegen wird die bezahlte Arbeitspause vom Arbeitgeber getragen. Meistens funktioniert dies mit einfachen Zeitwertkonten. Der Arbeitnehmer kann seine Überstunden sammeln und sich diese gut schreiben lassen. Er kann sich auch Urlaub aufheben und "ansparen". Diese aufgesparte Zeit kann man dann bequem für ein halbes Jahr Auszeit nutzen. Weiterhin gibts die Variante "100% Arbeiten aber nur 80% bezahlt bekommen". Das über Jahre angesparte Geld wird dann während der Auszeit ausgezahlt.
 
Warum nutzen immer mehr Menschen den "bezahlten Ausstieg?"
 
Viele Arbeitnehmer brauchen einfach mal eine Pause. Ruhe. Erholung. Abwechslung. Und das nicht etwa, weil sie zu faul zum Arbeiten sind, sondern weil sich langsam aber sicher das Gefühl des "Ausgebrannt seins" einstellt. Der Sabbatical bedeutet nicht, dass die, die ihn nutzen, nie wieder arbeiten und nur noch Urlaub machen. Es ist vielmehr eine Pause, zum Energie und Kraft tanken, um dann im Arbeitsleben wieder voll durchzustarten. Doch die gewonnene Zeit kann nicht nur für Urlaub genutzt werden. Auch einfache Heimarbeit, Umschulungen, Weiterbildungen oder einfach eine Neuorientierung sind möglich. Einige Unternehmen haben die Gefahr des "Burn out" der Arbeitnehmer erkannt und unterstützen die Auszeit. Ihnen ist ein frischer, erholter Angestellter lieber, als ein überarbeiteter Arbeitnehmer mit einem hohen Fehltagekonto durch Krankheit. Natürlich binden sie damit auch ihre qualifizierten Kräfte an sich.
 
Für wen ist ein Sabbatical möglich?
 
Im Grunde ist ein Sabbatical für jeden möglich. Die Wenigsten wissen jedoch, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht. Aber Vorsicht: einen gesetzlichen Anspruch gibt es dafür in Deutschland nicht. Man sollte dies im Einzelfall mit seinem Arbeitgeber besprechen. Wenn es zu einer Einigung kommt, sollten alle Modalitäten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertraglich geregelt werden. Zum Beispiel muss klar sein, wie lang die Auszeit sein soll und ob der Wiedereinstieg in die Firma gewährleistet ist. Es gibt Unternehmen, die dieses neue Arbeitszeitmodell bereits anwenden und intern in den Arbeitsverträgen gesichert haben. Vor allem in Finnland und Dänemark ist diese Arbeitszeitmodell stark vertreten. In Deutschland ist dies leider noch nicht so weit verbreitet. Hier sollte man jedoch das persönliche Gespräch mit dem Chef suchen und darüber "verhandeln". Immerhin ergeben sich für den Arbeitgeber auch diverse Probleme mit der Besetzung der freien Stelle und dem gewünschten Wiedereinstieg des Arbeitnehmers. Das alles will also von beiden Seiten gut geplant sein.
 
Gibt es Probleme mit der Versicherung oder der Rente?
 
Eine Allgemeinlösung für den Auszeitnehmer gibt es nicht. Für jeden Einzelfall beeinflussen die Art der Auszeit (ob bezahlt oder unbezahlt), die Versicherungsart (privat oder gesetzlich) und die Versicherungsjahre den Versichertenstatus. Diese Fragen sollte jeder mit dem Versicherungsträger individuell klären. Jedoch ist die soziale Absicherung in der Arbeitspause gewährleistet. Die Gehaltszahlungen laufen ja immerhin weiter und somit werden weiterhin die Sozialbeiträge (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung etc.) geleistet. Alle Unklarheiten dazu regelt das so genannte Flexi-Gesetz (Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitenregelungen). Dieses Gesetz stellt sicher, dass der Arbeitnehmer über die gesamte Auszeit (Mobilzeitvereinbarung) versicherungspflichtig ist und auch den entsprechenden Schutz genießt.
 
Das klingt natürlich alles sehr einfach. Doch trotzdem sind gerade die Vorbereitung und die Planungsphase ein langes und kompliziertes Unterfangen.