24.07.2023

Themenreihe klimafreundlich

Autor*in

Nadine Anilgan
ist Kunsthistorikerin und als wissenschaftliche Referentin im LVR-Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege in Köln tätig. Zuvor arbeitete sie für das Verbundprojekt "100 jahre bauhaus im westen" und das LVR-Industriemuseum Oberhausen.
Stephanie Buchholz
ist wissenschaftliche Referentin im Kulturdezernat des Landschaftsverbandes Rheinland. Zuvor war sie für das MiQua - LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Verbundprojekt "1914 - Mitten in Europa" und das LVR-Industriemuseum Oberhausen tätig. Sie studierte Museum und Ausstellung sowie Pädagogik/Angewandte Kulturwissenschaften an den Universitäten Oldenburg und Karlsruhe.
Ebru Turan
ist wissenschaftliche Volontärin im LVR-Dezernat für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege in Köln. Darüber hinaus arbeitet sie freiberuflich als SDG-Scout und Museumsführerin mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit im Schokoladenmuseum Köln. Sie studierte Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität zu Köln und ist zertifizierte Kulturmanagerin.
Praxisbericht LVR-Kulturkonferenz 2023

Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Veranstaltungsmanagement

Ob kleine wöchentliche Treffen oder große Events - Veranstaltungen gibt es in allen Kultursparten, und sie erfordern eine gut durchdachte Strategie für eine nachhaltigere Organisation. Denn als Kulturschaffende und Veranstalter*innen tragen wir Verantwortung für den Klimaschutz und wollen auch in unserem Veranstaltungsmanagement ökologisch nachhaltig handeln. Wie wir das bei der LVR-Kulturkonferenz "Kultur. Klima. Machen." umgesetzt haben, zeigt dieser Praxisbericht.

Themenreihe klimafreundlich

Wen betrifft's?
 
Unsere diesjährige LVR-Kulturkonferenz sollte in der Organisation dem inhaltlichen Anspruch gerecht werden und gleichzeitig bei unserem Publikum, Dienstleistern und Lieferanten, aber auch in unserem eigenen Verband hinein sensibilisieren. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das die Kulturszene auf allen Ebenen beschäftigt. Kulturinstitutionen und Kulturschaffende erarbeiten nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Klimakrise neue Strategien und Möglichkeiten zur ökologischen Transformation. Und im weiteren Austausch mit Kolleg*innen stellte sich schließlich das Motto der diesjährigen LVR-Kulturkonferenz heraus: Einfach mal machen! Der Blick auf das Wesentliche und die Frage, an welchen Stellen die LVR-Kulturkonferenz 2023 die größte Nachhaltigkeitswirkung entfalten kann, standen im Mittelpunkt.
 
Die dafür notwendige Strategie kann im Kleinen beginnen, bei den so genannten "Low Hanging Fruits". Ganz konkret zeigt sich das in ausgefeilten Checklisten, kreativen Umsetzungsideen - und einem Zuwachs an Professionalität mit jeder neuen Veranstaltung. Auch wir konnten auf den Erfahrungen unserer früheren Konferenzen aufbauen.(Lesen Sie dazu auch unseren Artikel mit dem Schwerpunkt auf ein inklusives Veranstaltungsmanagement.) Gerade am Anfang hilft es, sich bewusst für einen Schwerpunkt zu entscheiden, denn nicht alles ist in gleichem Maße und sofort umsetzbar. Wir haben uns diesmal zum Ziel gesetzt, für eine ökologische und nachhaltige Veranstaltungsorganisation zu werben. Deshalb legten wir den Schwerpunkt auf eine transparente Kommunikation über unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
 
 
17 Ziele für nachhaltige Entwicklung 
 
Eine wichtige Orientierungs- und Motivationshilfe für die nachhaltige Planung von Veranstaltungen sind die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Mit diesen sogenannten SDGs, den Sustainable Development Goals, bekennt sich die Weltgemeinschaft zu einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung. Die 17 Ziele haben auch die gesamte Planung der LVR-Kulturkonferenz 2023 durchzogen: SDG 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) haben wir etwa mit der partizipativen Themenfindung, der konzeptionellen Beratung durch Marje Brütt, IHK-geprüfte Transformationsmanagerin für nachhaltige Kultur, bis hin zur Auswahl der Expert*innen für Vorträge und Workshops erfüllt. Aber auch bei der Entscheidung für einen Veranstaltungsort mit guter Anbindung an den ÖPNV und der Verwendung von Öko-Strom war das SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie) zentral.
 
Eine bunte Auswahl an "Low Hanging Fruits": Kein Papier, vegane Wraps und Slow Flowers
 
Wenn wir unsere Zielgruppe für die Konferenz, nämlich Kulturakteur*innen, die sich bereits mit Nachhaltigkeit beschäftigt haben oder dies beabsichtigen, erreichen wollen, müssen nicht nur die Kanäle und Fragestellungen stimmen, wir müssen auch selbst glaubwürdig sein. Deshalb haben wir auf Printmaterialien wie Flyer oder Einladungskarten verzichtet, ein Beitrag zu SDG 12 (Nachhaltiger Konsum), und setzten neben der Einbindung in Fremdpublikationen auf eine rein digitale Vermarktung. Gezielte Anzeigen auf Websites, in Newslettern und Publikationen sowie Werbung über Social-Media-Kanäle erreichten unsere Zielgruppe. Vor allem Instagram und LinkedIn nutzten wir, um die Inhalte der Konferenz zu platzieren, neue Zielgruppen zu erschließen und das Thema Nachhaltigkeit dauerhaft ins Bewusstsein zu rücken. Dass die Pflege von sozialen Netzwerken zeitaufwendig ist und nicht nebenbei gemacht werden kann, ist den meisten hier bekannt und soll an dieser Stelle dennoch eine kleine Erinnerung sein, entsprechende Personalkapazitäten einzuplanen 
 
Eine nicht selten gestellte Frage in der Planungsphase lautet: Was gibt es zu essen? Nach einigen Bedenken aus dem Kreis der Kolleg*innen, ob die veganen Wraps denn schmecken würden, setzten wir uns durch und engagierten erstmals einen veganen Catering-Service, der seine Speisen mit dem Lastenfahrrad anlieferte. Durch das überwiegend positive Feedback der Teilnehmenden wurden wir schließlich darin bestärkt, dass diese Entscheidung richtig war. "Tolle Verpflegung! Ich war sehr begeistert, dass die Verpflegung vegan war, da ich sonst oft auf Tagungen die Mittagssnack[s] und ähnliches nicht essen kann", schrieb eine*r Teilnehmende.
 
Die Getränkebewirtung übernahmen Rahmenvertragspartner. Hier war der Abstimmungsbedarf im Vergleich zum spezialisierten Caterer ungleich höher, da unsere Anforderungen (Vegan, Fairtrade, Bio und nach Möglichkeit saisonal und regional) nicht den üblichen Standards entsprachen. Aber auch hier gab es Überraschungen: Leitungswasser aus Glaskaraffen waren selbst für ein so großes Publikum kein Problem. 
 
 
Den sozialen Aspekt von Nachhaltigkeit konnten wir neben Fairtrade-Produkten in einer ganz besonderen Kooperation berücksichtigen. Und so knüpften wir Kontakt zu den ehrenamtlichen Helfer*innen von Straßenwächter e.V. Die übrig gebliebenen Wraps, Brezeln und Muffins kam so am selben Tag noch der Kölner Obdachlosenhilfe zugute, was sich in SDG 2 (kein Hunger) widerspiegelt.
 
Auch mit der Veranstaltungsdekoration haben wir unseren inhaltlichen Standpunkt vertreten: Während sich Bio-Lebensmittel in unserer Gesellschaft weitgehend etabliert haben, sind Bio-Blumen bei Veranstaltungen noch nicht gängig. So wurde die Entscheidung für regionale, natürlich getrocknete Bio-Blumen getroffen und kurzfristig umgesetzt. Die sogenannten Slow Flowers sind frei von Pestiziden und wachsen zwischen Obstbäumen als Teil einer Agroforstwirtschaft. Ihr Beitrag zu mehr Biodiversität und Artenvielfalt sowie die Möglichkeit der Mehrfachnutzung, runden das Konzept der Konferenz mit SDG 12 (Nachhaltiger Konsum) sowie SDG 15 (Leben an Land) ab. 
 
Nachhaltigkeitskommunikation als Hebel
 
Kommunikation haben wir als ein wichtiges Handlungsfeld unserer Arbeit ausgemacht - insbesondere, um das Publikum auf unsere nachhaltige Veranstaltungsorganisation aufmerksam zu machen und zur Nachahmung zu inspirieren. Wir konzentrierten uns auf FAQs im Vorfeld, Tischaufsteller und Instagram-Begleitung währenddessen und eine umfassende Dokumentation im Anschluss an die Konferenz als 4 Pfeiler:
 
  • Die online veröffentlichten FAQs sollten häufig gestellte Fragen beantworten. Gleichzeitig machten sie Entscheidungen transparent, die wir aus Gründen der Nachhaltigkeit getroffen haben. Nachzulesen sind sie hier.
  • Auf den Tischen im Pausenraum positionierten wir Aufsteller mit Informationen zu den 17 SDGs. Sie enthielten konkrete Beispiele aus der eigenen Praxis sowie weiterführende Tipps und Tricks. Ziel war es, zum Nachdenken und zum Austausch untereinander anzuregen. Dies bestätigt auch folgender Kommentar aus dem Kreis der Teilnehmenden: "[...] die Gesprächsangebote an den Tischen im Foyer waren eine super Idee, am besten gleich als festen Programmpunkt einplanen [...]."
  • Unser Social-Media-Team begleitete die Veranstaltung den ganzen Tag über auf Instagram. Neben Einblicke in die Programminhalte, informierten Beiträge über das vegane Catering, die Slow Flowers und Tischaufsteller unseres nachhaltigen Veranstaltungsmanagements. 
  • Für die dauerhafte Bereitstellung der Konferenzinhalte ist es zudem geplant, die Videomitschnitte sowie Arbeitsmaterialien online zu stellen und zentrale Ergebnisse in einer schriftlichen Dokumentation zu veröffentlichen. 
 
 
Fazit
 
Für unsere eigene Arbeit nahmen wir vieles mit: Wir haben mit dieser Veranstaltung Standards geschaffen, die wir in Zukunft halten, verbessern und auch in andere Arbeitsbereiche übertragen wollen. So ist geplant, auf dem Instagram-Kanal eine feste Reihe zum Thema Nachhaltigkeit zu etablieren. Und noch in diesem Jahr werden wir Folgeveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit durchführen. 
 
Auch die Evaluation unter den Teilnehmenden hat bestätigt, dass konkrete Inhalte für die eigene Arbeit und Institution mitgenommen werden konnten und ein Motivationsschub ausgelöst wurde. Insbesondere der Aspekt, Nachhaltigkeit auch in kleinen Beiträgen in die tägliche Arbeit zu integrieren, wurde besonders hervorgehoben. Ein Museum teilte uns sogar mit, dass es inspiriert durch die Konferenzinhalte, einen Arbeitskreis Nachhaltigkeit gegründet hat.
 
Nachtrag
 
Auch wenn es in diesem Beitrag so einfach klingt und dies auf die Umsetzung einzelner Maßnahmen vielfach auch zutrifft, so ist die LVR-Kulturkonferenz für sich betrachtet nur ein kleiner Baustein, die "Low Hanging Fruit". Mehr Nachhaltigkeit gelingt nur mit einer klaren Schwerpunktsetzung und den notwendigen Ressourcen. 

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