30.07.2018

Themenreihe Zukunft der Arbeit

Autor*in

Sebastian Wehrstedt
studierte Geschichte und Philosophie. Der Ausstellungsmacher begeistert sich für alles was technisch auf der Höhe der Zeit und gesellschaftlich relevant ist. Sein Volontariat absolvierte er in Dortmund in der DASA Arbeitswelt Ausstellung. Seit Februar 2017 ist er dort wissenschaftlicher Referent.
Neue Museumsarbeit

Arbeitszukünfte in der DASA Arbeitswelt Ausstellung

Die Deutsche Arbeitswelt-Ausstellung eröffnete im Mai 2018 ihre überarbeitete Ausstellungseinheit Neue Arbeitswelten. Bei der Vorbereitung kamen auf das Team technische und organisatorische Herausforderungen zu, die auf zukunftsträchtige Trends der Museumsarbeit verweisen.
Zukunft der Arbeit - Ausstellungen der Zukunft?
 
Die digitalen Begleiter in den Hosentaschen unserer Besucher sind zur Normalität geworden. Der Konsum von Informationen und Medien hat in den letzten Jahren eine tiefgehende Veränderung hin zum Digitalen erfahren. Gleiches gilt für die Arbeitswelt, die vor weiteren großen Veränderungen steht. Bei der Überarbeitung der Ausstellungseinheit Neuen Arbeitswelten galt es deshalb für die Deutsche Arbeitswelt-Ausstellung (DASA) in Dortmund, auf beide Trends inhaltlich wie auch in der Darstellung zu reagieren also eine Ausstellung zu produzieren, deren Inhalt Zukunft der Arbeit sich auch in der Präsentation widerspiegeln sollte. Wie viele andere in Museen, musste das Team dabei entscheiden, welche modernen Technologien sich in der Ausstellung wiederfinden sollten und wie sie mit diesem umgehen sollte.
 
Auf ca. 750m² präsentiert die DASA seit Mai 2018 nun die Neuen Arbeitswelten. Die Abteilung zeigt auf vier Themeninseln Exponate, die für Trends in verschiedenen Arbeitsfeldern (Logistik, Dienstleistungen, Wissensarbeit, Industrie) stehen. Zugleich sensibilisiert sie die Besucher für die Gestaltbarkeit der Zukunft, etwa durch eine Wandinstallation mit ca. 200 bildlichen Visionen der Welt von Morgen. Sie bildet den unterhaltsamen Eingang zur eigentlichen Ausstellung. In dieser wird den Besuchern moderne Technik gezeigt und diese durch eine Befragung angehalten, über die vermittelten Inhalte nachzudenken. Immer wieder stoßen sie dabei auf Charaktere einer nahen Zukunft, die darüber erzählen, wie sie mit den Veränderungen der letzten Jahre umgegangen sind, welche Schwerpunkte sie gesetzt und welche Entscheidungen sie getroffen haben. Am Ende des Besuchs steht die Erstellung eines digitalen Avatars, der sich aus dem Nachdenken über den eigenen Lebensweg formt: Dabei stehen Fragen wie Wo werde ich leben? und Wie werde ich arbeiten? im Mittelpunkt und geben dem digitalen Ich ein ganz eigenes Aussehen.
 
Die Neuen Arbeitswelten in der DASA
 
Welche Überlegungen spielten für das Team bei der Vorbereitung eine Rolle? Und welche Herausforderungen für die Zukunft der Museumsarbeit ergeben sich aus den Erfahrungen für vergleichbare Projekte? Obwohl jede Ausstellung besonders ist, machte das Team bei der Vorbereitung einige Erfahrungen, die auch auf andere Kultureinrichtungen übertragbar und damit für das Kulturmanagement im Allgemeinen relevant sind.
Die Digitalisierung durchdringt den Alltag von immer mehr Institutionen und wirkt auf deren Arbeitsweise wie auch auf die Wahrnehmung der Nutzer gleichermaßen ein. Die Spannung zwischen den verschiedenen Medienformaten und den Exponaten wird dabei zunehmend zu einer Konstante moderner Museumsarbeit. Denn diese ist verstärkt angehalten, die eigene Relevanz auch über einen Abbau von Barrieren und die Bereitschaft zur Kommunikation nachzuweisen. Die Herausforderung bestand daher in unserem Fall darin, die Inhalte in einer zeitgemäßen Form zu präsentieren, ohne zu sehr auf den (digitalen) Effekt zu setzen.
 
Konzeptphase: Moderne Technik in Museen
 
Am Anfang stand neben der inhaltlichen Arbeit an den Themen der Blick auf den Stand der Technik. Dabei zeigte sich, dass digitale Lösungen entweder immer noch recht häufig interaktive Spielerei sind oder kaum über Textwiedergabe hinausgehen. In unserem Fall wollten wir zusammen mit den Partnern, vom wissenschaftlichen Forschungslabor bis zum Robotik-Anbieter, Lösungen finden, die beide Aspekte verbinden, sich selbst erklären und zugleich als Gebrauchsgegenstände mehr oder weniger authentisch vorgeführt werden können. Gerade die Tatsache, dass mit Robotern und Drohnen komplizierte Systeme mit mehreren interessanten Dimensionen in der Ausstellung präsentiert werden würden, stellte uns vor Herausforderungen. Mit dieser Verlagerung des Schwerpunktes hin zum Technischen musste das Team parallel zu klassischen kuratorischen Aufgaben neue übernehmen und dabei immer wieder auch auf die Definition der Rollen aller Beteiligten achten. Im Zusammenhang mit dem Schreiben von Film-Skripten und der Betreuung eingekaufter Produktionen ist das mitunter eine herausfordernde Aufgabe.
 
Eine Grundsatz-Entscheidung: das Medienkonzept
 
Anders als viele klassische Technik-Museen, versucht die DASA stets auf die soziale Dimension des Gezeigten zu verweisen. Dies hieß für uns, Menschen in Erscheinung treten zu lassen und diesen eine Stimme zu geben, mit der die Besucher über ihre Zukunft reden würden. Um dies zu leisten, bedurfte es eines Medienkonzepts, das sich möglichst auf Augenhöhe mit unserem Publikum befinden sollte. So bilden eine wichtige Zielgruppe junge Menschen in Berufsorientierung. Das Medienkonzept wurde nach der Erstellung des grundsätzlichen Entwurfs erarbeitet. Dafür wurden Texte zu großen Teilen durch Filme ersetzt, um ohne ausschweifende Erläuterungen die Kontexte der Technologien und Exponate darzustellen. Zusammen mit den zahlreichen Bildern, die vor allem den Ersteindruck des Besuchs prägen, ergab sich so ein anregender Medienmix, der die Exponate bereichert und nicht überstrahlt.
 
Die Bedeutung von Technik nimmt zu
 
Die größte Herausforderung, die sich aus diesen Festlegungen ergibt, ist der Technikeinsatz in der Ausstellung. Computersysteme bedürfen der Pflege, Roboter müssen programmiert werden. Kurz: Die neue Ausstellung ist, durch die Augen des Kurators betrachtet, vor allem ein IT-System. Die damit verbundenen Abhängigkeiten schaffen zahlreiche zusätzliche Unsicherheiten, die auch nach der Ausstellungseröffnung noch ins Gewicht fallen können. Zugleich ist fast sicher, dass mögliche Fehlplanungen erst später auffallen werden. Aus diesem Grund muss schon während der Vorbereitung ggf. fehlendes Know-How durch Problembewusstsein aufgewogen, Risiken bewertet und Mittel angedacht werden für den Fall der Fälle.
 
Während der konkreten Vorbereitung prägte diese Aufwand-Nutzen-Rechnung regelmäßig die Arbeitsgespräche. Dabei kam im Laufe der Zeit immer mehr die Frage auf, wie die (externe) Produktion von Exponat- und IT-Lösungen durch das Team gesteuert werden könne, um alle Aspekte (Gestaltung/ Medien/ Exponate) in ein großes Ganzes einzubetten. Dies ist natürlich Teil der meisten größeren Ausstellungsprojekte, doch gelegentlich überraschte uns die Bedeutung von Details bei technischen Fragen. Entsprechend mussten aufgrund des Zeitdrucks schnelle und gelegentlich auch pragmatische Lösungen umgesetzt werden.
Arbeiten und Technik die Software
 
Weiterhin warf der Einsatz solcher Technologien für die Kollegen der unterschiedlichen Fachabteilungen neue Fragen bei der inhaltlichen Arbeit auf. Diese kommen natürlich stets auf, wenn es um abstrakte Themen wie Gesundheit oder eben Neue Arbeitswelten geht. Durch den verstärkten Einsatz von Technologie bei gleichzeitig inhaltlicher Betonung der sozialen Aspekte standen wir als Team vor einer weiteren komplexeren Aufgabe. Bildrechte mussten geklärt, parallel Filme geschnitten und Dreharbeiten durchgeführt werden. Rein quantitativ nahmen diese Arbeiten einen erheblich größeren Raum ein als das üblicherweise der Fall ist. Anders als die gewöhnliche Textarbeit, die klassischerweise vollständig von den Kuratoren übernommen wird, bedürfen Filme und Installationen zudem der steten Begleitung und Anpassung durch verschiedene Abteilungen und deren Management. Dies ist definitiv eine große Herausforderung, gerade in der Endphase der Vorbereitung, die sich über jedes Häkchen und abgeschlossene Prozesse freut.
 
Das Ergebnis - In der Ausstellung Zukunft vermitteln
 
Zum jetzigen Zeitpunkt laufen die ersten Vorbereitungen für eine Evaluation der Besucher-Erfahrungen. Doch einiges lässt sich, begleitend zu einer Rückschau auf den langen Weg zur fertigen Ausstellung, schon sagen. So nehmen Gestaltung und mediale Inszenierung erfreulicherweise keine Sonderrolle in der Wahrnehmung der Besucher ein. Vielmehr beziehen sich die Urteile fast immer auf die Inhalte der Ausstellung und damit stark auf die Exponate. Ergänzend kommt das Interesse an den Charakteren hinzu, die mit ihren persönlichen Erzählungen Anschluss bieten an das recht abstrakte Thema Zukunftsgestaltung. Der Aufwand hat sich also gelohnt. Gleichwohl sind die letzten Restarbeiten auch einige Monate nach Eröffnung noch nicht abgeschlossen und es beginnen bereits die ersten Anpassungs- und Aktualisierungs-Planungen.
 
Fazit: Anforderungen an die Ausstellungen der Zukunft
 
Wir gehen davon aus, dass wir unseren Besuchern in der neuen Ausstellung einen interessanten Blick in die Zukunft bieten können. Zugleich ist uns bewusst geworden, dass der technische Wandel eine stete Selbstschau nötig macht. Medien werden gerade in Ausstellungen mit gegenwärtigen und zukunftsträchtigen Themen eine immer größere Rolle spielen und Kuratoren und ihre Kollegen angehalten sein, noch enger miteinander an Lösungen zu feilen, die für die Besucher attraktiv sind. Dies bedeutet, dass der Bereitschaft aller Beteiligten, Neues zu lernen, eine herausragende Bedeutung zukommen wird. Zudem muss die Leitungsebene die neuen, notwendig werdenden Qualifikationen der Mitarbeiter sowie deren effektives Management im Auge behalten. Kristallisieren werden diese Entwicklungen in neuen Organisationsformen.
 
Impressionen der Ausstellung
© DASA Arbeitswelt/ Sebastian Wehrstedt (Bild 1-4) & Andreas Wahlbrink (Bild 5-6)